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Porsche: „Wir stehen fest zu Volkswagen!“

Volkswagen Porsche: „Wir stehen fest zu Volkswagen!“

VW-Großaktionär und Familien-Oberhaupt Wolfgang Porsche spricht am Mittwoch auf der Betriebsversammlung im VW-Werk Wolfsburg. Gemeinsam mit Betriebsratschef Bernd Osterloh stellte sich der 72-Jährige zuvor den Fragen der WAZ.

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Wolfgang Porsche: „Wir als Familien stehen?fest zu Volkswagen!“

Quelle: Claudia Kempf

WAZ: Herr Porsche, erst tobte im Frühjahr ein Machtkampf zwischen dem damaligen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und Ihrem Cousin Ferdinand Piëch an der Spitze des Aufsichtsrats. Jetzt steckt der Konzern durch die Abgas-Affäre in der größten Krise seiner Geschichte. Wie viel Freude macht Ihnen Volkswagen derzeit noch?

Wolfgang Porsche: Natürlich sind auch wir als Großaktionäre von Volkswagen von den Nachrichten geschockt gewesen. Aber wir glauben an die Stärke der Marke und des Konzerns. Und diese beruht nicht zuletzt auf den Menschen, die bei Volkswagen arbeiten.

WAZ: Heute sprechen Sie auf der Betriebsversammlung in Wolfsburg. Hier war der Schock über die Manipulationen besonders groß.

Porsche: Hier in Wolfsburg arbeitet eine selbstbewusste Belegschaft und hier gibt es einen verantwortungsbewussten Betriebsrat. Hier streiten Vorstand, Management und Betriebsrat zwar gerne über den richtigen Kurs. Ich vertraue hier unserem Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller und Markenvorstand Herbert Diess, die Dinge in Besonnenheit zu ordnen. Ebenso baue ich in diesem Zusammenhang auf die Zusammenarbeit mit Herrn Osterloh.

WAZ: Woher nehmen Sie diesen Optimismus?

Porsche: Alle haben denselben Weg und den Willen zum Kompromiss. Und sie verlieren vor allem das gemeinsame große Ziel nicht aus den Augen. Dieses Ziel lautet: Volkswagen und seinen Beschäftigten soll es gut gehen. Das hilft uns derzeit auch bei der Aufklärung: Alle haben den festen Willen so schnell und so gründlich wie möglich aufzuklären, damit das Unternehmen sich dann wieder mit ganzer Kraft und Konzentration seiner Zukunft widmen kann.

WAZ: Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch stehen also eindeutig hinter Volkswagen?

Porsche: Wir sind der festen Überzeugung: die nächsten Monate werden herausfordernd. In dieser Zeit müssen alle wesentlichen Handelnden intern gemeinsam um die besten Lösungen ringen und dann nach Außen geschlossen handeln. Wir als Familien stehen fest zu Volkswagen. Wir glauben an dieses Unternehmen und an die Produkte. Wir haben uns bewusst für und bei Volkswagen engagiert, ein Engagement klar darauf gerichtet Volkswagen zu stärken, seine Kultur mit kräftigen Impulsen zu versehen und seine Marktstellung im Automobil unnachgiebig zu positionieren. Kurz gesagt: Wir als Familienaktionäre haben uns für den stärksten Partner in der Automobilwelt entschieden. Und an den glauben wir.

WAZ: Herr Osterloh, wie wichtig ist für Volkswagen eine stabile Aktionärsstruktur, gerade in Zeiten der Krise?

Bernd Osterloh: Es ist für Volkswagen und für uns als Beschäftigte von größter Bedeutung, dass Volkswagen gerade in einer solchen Phase Aktionäre hat, die hinter dem Unternehmen und uns als Beschäftigten stehen. Wir führen deshalb regelmäßig Gespräche mit den Vertretern der Familien Porsche und Piëch, tauschen uns über die Entwicklungen und Herausforderungen des Konzerns aus. Die Familien schauen dabei in der Tradition des Unternehmertums auf Volkswagen. Dies meine ich auch in Richtung der Beschäftigten mehr als positiv, denn die Familien haben auch immer im Blick, dass sie eine Verpflichtung gegenüber den Menschen bei Volkswagen haben. Die Familien Porsche und Piëch und das Land Niedersachsen sind da gleich zwei Stabilitätsanker.

WAZ: Derzeit haben viele Mitarbeiter Angst um ihre Arbeitsplätze. Ist das berechtigt?

Osterloh: Für die Stammbelegschaft schließt der Vorstand negative Folgen auf die Beschäftigung aus. Bei der Leiharbeit traut sich der Vorstand das offenbar nicht zu.

WAZ: Wie ist die Lage am Standort Wolfsburg?

Osterloh: Für Wolfsburg kann ich jedenfalls für die ersten Monate des kommenden Jahres sagen, dass wir die Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen weiter brauchen werden. Wie sich die Situation weiterentwickelt, müssen wir anhand der Bestelleingänge sehen. Deshalb haben wir auch gesagt, wir müssen ähnlich wie 2008 auf Sicht fahren.

Porsche: Ich kann Herrn Osterloh da nur unterstützen: Die Familien Porsche und Piëch stehen zur Beschäftigungssicherung bei Volkswagen durch ein stabiles und erfolgreiches Unternehmen. Wir wissen: Arbeitsplätze sind ein sehr hohes Gut. Und dieses Gut darf nicht leichtfertig verspielt werden. Dafür werden auch wir kraftvoll eintreten und die Konzernführung in ihren zielführenden und erfolgsorientierten Maßnahmen und Strukturkonzepten unterstützen.

WAZ: Als einer der Gründe für die Manipulationen bei Volkswagen gilt ein überhöhtes Renditestreben. Von wem wurde dieser Druck aufgebaut, wenn nicht von den Eigentümern?

Osterloh: Ich glaube kaum, dass die Eigentümer von Volkswagen eine überhöhte Rendite fordern. Volkswagen steht für eine kontinuierliche Dividendenpolitik. Und unsere Stammaktionäre haben in meiner Wahrnehmung - seien es das Land, Katar oder auch die Familien Porsche und Piëch - noch nie Druck hin zu überhöhten Ausschüttungen gemacht. Ihnen ist wichtig, dass wir Kontinuität haben - und das wir in ausreichendem Maß in die Zukunft des Unternehmens investieren. Das haben wir im Übrigen gemeinsam auch mit der vergangenen Aufsichtsratssitzung zur Planungsrunde gezeigt.

WAZ: Was meinen Sie?

Osterloh: Wir sind gemeinsam dafür eingetreten, dass wir trotz der Krisensituation wichtige Zukunftsprojekte weiter finanzieren. Digitalisierung und E-Mobilität sind da zwei Schlagwörter. Und wir haben ebenso gemeinsam gesagt, dass wir uns das im Februar im Aufsichtsrat wieder anschauen. Wir wollen Investitionsdisziplin mit Augenmaß. Lassen Sie mich ein Beispiel geben: ich verstehe, wenn der Vorstand aktuell alle Gebäudeinvestitionen auf der Prüfstand stellt. Aber wir müssen beispielsweise in der Entwicklung schauen, dass die Kollegen im Design-Bereich trotzdem die richtigen Arbeitsmittel für Zukunftsprojekte bekommen. Auch wenn wir den Bau des Design-Zentrums verschieben.

Porsche: Ich kann das nur unterstreichen: Die Zukunft von Volkswagen hängt auch davon ab, dass mit Fingerspitzengefühl und Augenmaß entschieden und gehandelt wird. Das heißt für mich: Selbstverständlich müssen in der besonderen Situation auch bereits beschlossene Investitionen noch einmal auf den Prüfstand. Denn die Lage hat sich dramatisch verändert und da muss man neu kalkulieren. Das heißt für mich aber auch: Volkswagen darf nicht um jeden Preis sparen, sondern muss auch investieren. Die Digitalisierung hat die Automobilindustrie mit einem ungeheuren Tempo erreicht. Und darauf braucht Volkswagen die passenden Antworten.

WAZ: Investitionen sind das einen, aber auch die Beschäftigten müssen mitgenommen werden.

Porsche: Die Beschäftigten, da bin ich sicher, haben jede Menge gute Ideen, wie sie das Unternehmen in das neue Zeitalter steuern können. Aus meiner Sicht geht es nun darum, die Kraft dieser Ideen auch zu entfalten. Das ist eine sehr große Aufgabe, aber ich bin sicher, sie ist zu meistern. Wenn das geschieht, dann bin ich auch nicht bange um die Arbeitsplätze bei Volkswagen. Denn einen großen Vorteil haben sie hier in Wolfsburg. Und diesen Vorteil sollten sie niemals aus der Hand geben: Sie bauen sehr gute Autos.

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