Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Porsche: Debatte über Stellenabbau bei VW kein Tabuthema

Volkswagen-Abgasaffäre Porsche: Debatte über Stellenabbau bei VW kein Tabuthema

Für VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche ist nach dem Abgasskandal die Diskussion über Stellenabbau nicht tabu. „Wenn wir zum Beispiel feststellen, dass wir in einzelnen Bereichen bei VW einen Personalüberhang haben, muss man frühzeitig über konstruktive Lösungen nachdenken können“, sagte Porsche der Deutschen Presse-Agentur.

Voriger Artikel
VW-Abgasaffäre: Sprach Winterkorn schon 2014 mit Technikern?
Nächster Artikel
Informationspflicht: Anlegeranwalt sieht Fehler bei VW

VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche: „Wir dürfen schwierige Themen nicht einfach tabuisieren.“

Quelle: dpa

„Damit wird vermieden, dass man dann im Fall einer Krise von heute auf morgen Menschen entlassen muss“, so Porsche. „Wir dürfen schwierige Themen nicht einfach tabuisieren, sondern müssen sie im Aufsichtsrat offen ansprechen.“ 

VW selbst will versuchen, nach dem Gewinneinbruch im Zuge des Abgasskandals einen Jobabbau in der Stammbelegschaft zu vermeiden. Sicherheit gibt den Mitarbeitern im Haustarifvertrag eine Beschäftigungsgarantie, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Der Abbau von Stellen ist aber dennoch möglich. Bislang bangen vor allem die Leiharbeiter um ihre Jobs. 

Osterloh: Auch Kapitalseite im Aufsichtsrat muss mehr über Jobs reden

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh hat den Vorstoß von Großaktionär Wolfgang Porsche begrüßt, im Aufsichtsrat künftig offener über die Zukunft der Jobs zu reden. „Ich teile die Auffassung von Herrn Dr. Porsche voll“, sagte Osterloh am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Osterloh forderte, dass der Vorstand der Kernmarke VW-Pkw um dessen Chef Herbert Diess in dem Kontrollgremium öfter über die Personalsituation berichten solle, etwa über den Abbau von Leiharbeitsstellen. „Das kommt aktuell zu kurz“, sagte Osterloh. „Der gesamte Aufsichtsrat, nicht nur die Arbeitnehmervertreter, muss sich stärker mit der Personalsituation befassen.“ 

VW-Großeigner und -Aufsichtsrat Wolfgang Porsche hatte der dpa zuvor gesagt: „Wir dürfen schwierige Themen nicht einfach tabuisieren, sondern müssen sie im Aufsichtsrat offen ansprechen.“ Porsche führte dazu aus: „Wenn wir zum Beispiel feststellen, dass wir in einzelnen Bereichen bei Volkswagen einen Personalüberhang haben, muss man frühzeitig über konstruktive Lösungen nachdenken können.“ Damit werde vermieden, dass im Krisenfall ein Jobabbau übers Knie gebrochen wird.

Wolfgang Porsche: Ex-VW-Chef Winterkorn von Unschuld überzeugt

Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn glaubt nach den Worten von VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche felsenfest an seine eigene Unschuld im Abgas-Skandal. „Herr Winterkorn hat damals gesagt: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst“. Wer ihn als Menschen näher kennt, weiß, dass er davon auch zutiefst überzeugt ist“, sagte der VW-Aufsichtsrat.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Winterkorn schon im Mai 2014 eine Notiz über Unregelmäßigkeiten beim Motor EA 189 erhalten habe. Ob er diese damals zur Kenntnis genommen hat, ist aber laut VW nicht dokumentiert. Der Konzern ist der Auffassung, Anleger korrekt über die Entwicklungen informiert zu haben. 

Winterkorn hatte im September wenige Tage nach Bekanntwerden des VW-Skandals über Manipulationen von Abgastests von Dieselfahrzeugen seinen Posten als VW-Chef abgegeben. Porsche selbst steht noch mit Winterkorn in Kontakt: „Ich telefoniere ab und zu mit ihm und frage ihn, wie es ihm geht. Er hat dem Volkswagen-Konzern fast 35 Jahre gedient, das sollten wir nicht vergessen.

Wolfgang Porsche fordert besseren Umgang unter VW-Verantwortlichen

VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche fordert einen besseren Umgang unter der Verantwortlichen im Konzern untereinander. „Wir müssen mehr miteinander reden statt übereinander“, sagte Porsche der Deutschen Presse-Agentur. „Und das ist etwas, was wir im Konzern noch verbessern müssen.“ 

Die Familie trete heute geschlossener und mehr als Gesamtfamilie auf als das früher der Fall gewesen sei. „Heute sind alle Familienmitglieder im Aufsichtsrat gefordert.“ Neben Porsche sitzen sein Neffe Ferdinand Oliver Porsche, sein Cousin Hans Michel Piëch und dessen Nichte Louise Kiesling in dem Kontrollgremium.  Damit ist auch die vierte Generation der Familie inzwischen in der Pflicht, andere Mitglieder sitzen in den diversen Kontrollgremien der VW-Töchter. „Die nachfolgenden Generationen müssen an diese Aufgabe hingeführt werden. Aber wenn jemand sagt: Ich will mich im Konzern nicht einbringen, dann müssen wir das natürlich akzeptieren.“ 

Seinen Cousin Ferdinand Piëch trifft Porsche noch bei Gremiensitzungen wie im Aufsichtsrat der Porsche SE. „Wir sind sicher unterschiedlich, aber wir haben auch gemeinsame Verpflichtungen. Und wir haben eine gemeinsame Verantwortung für die 600 000 Mitarbeiter des VW-Konzerns.“ Das Verhältnis der beiden gilt als unterkühlt. Piëch war im vergangenen Frühjahr nach einem internen Machtkampf als VW-Aufsichtsratschef zurückgetreten.

Aufsichtsrat Porsche: „VW-Chef Müller macht einen guten Job“

VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche hat an dem neuen VW-Chef Matthias Müller nichts auszusetzen. „Ich finde, dass Matthias Müller einen wirklich guten Job macht“, sagte Porsche der Deutschen Presse-Agentur. „Ich hoffe, er macht den Job noch lange.“ Konzern und Aufsichtsrat sollten nicht von externen Managern geleitet werden, die das Unternehmen nicht kennen. „Man muss die Strukturen in Wolfsburg verstehen, sonst hat man keine Chance.“

Vom neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch erwarte er sich ganz generell eine starke Führung. „Und es hängt jetzt ziemlich viel von ihm ab.“ Die Familien Porsche und Piëch hatten sich im Oktober für den ehemaligen VW-Finanzchef als Aufsichtsratschef stark gemacht.

dpa

+++ Dieser Artikel wurde aktualisiert +++

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuell