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Mit schwerem Erbe zum heimlichen Herrscher

Volkswagen Mit schwerem Erbe zum heimlichen Herrscher

Seit genau zehn Jahren steht Bernd Osterloh (58) an der Spitze des VW-Betriebsrats. Nach dem plötzlichen Rücktritt seines Vorgängers Klaus Volkert 2005 im Zuge der VW-Affäre musste Osterloh das Vertrauen der Belegschaft zurückgewinnen. Heute ist die Macht der Arbeitnehmerseite bei Volkswagen unbestritten, der Betriebsratschef gilt als einer der einflussreichsten Männer der deutschen Wirtschaft.

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Können gut miteinander: Bernd Osterloh (l.) und VW-Chef Martin Winterkorn.

Quelle: dpa (Archiv)

Mit dem Versprechen, „eine lückenlose und ausnahmslose Aufklärung zügig voranzutreiben“, trat Osterloh im Juli 2005 die Nachfolge von Klaus Volkert an. Den Vertrauensverlust konnten die Belegschaftsvertreter unter Osterloh schnell wieder wettmachen: Bei der VW-Betriebsratswahl 2006 fuhr die IG Metall sogar ein besseres Ergebnis ein als 2002. „Damals haben wir den sogenannten BR-Dialog eingeführt. Veranstaltungen mit 30 bis 200 Kolleginnen und Kollegen, in denen wir alle Fragen offen diskutieren. Und vor allem erklären wir, warum wir welche Entscheidung treffen. Das machen wir bis heute, es ist für uns ganz wichtig, dass wir dicht an den Kollegen sind“, sagt Osterloh.

In Osterlohs Amtszeit fällt der Tarifabschluss zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und die Einführung der Erfolgsbeteiligung, die den Beschäftigten heute dank Rekordgewinnen üppige Sonderzahlungen beschert. „Damals hat kaum einer geglaubt, wie sich der Bonus einmal entwickeln wird“, so der Betriebsratschef.

Ohne Osterloh geht bei Volkswagen nichts. Das bekam der 2007 geschasste VW-Vorstand Wolfgang Bernhard ebenso zu spüren wie später Porsche-Boss Wendelin Wiedeking. Im Zuge der Porsche-Übernahmeschlacht kämpfte Osterloh mit der Belegschaft im Rücken erfolgreich für das VW-Gesetz. „Das war und ist wichtig für die Sicherheit unserer Arbeitsplätze.“

Zur Erfolgsbilanz von Osterloh gehören die Rettung der Komponentenfertigung mit 30.000 Arbeitsplätzen und die Regelung der Leiharbeit mit Tausenden Übernahmen in die Stammbelegschaft. Seine Amtszeit ist verbunden mit großen Themen wie der Integration von Porsche, MAN und Scania, aber auch mit Basisarbeit wie der Stärkung der IG Metall im Angestelltenbereich bei VW.

„Langweilig waren die vergangenen zehn Jahre nicht. Und die nächsten Jahre werden für uns als Betriebsrat auch nicht ruhiger. Bei der Debatte um neue Konzernstrukturen müssen wir unseren Einfluss ebenso geltend machen wie bei der Frage der kommenden Planungsrunde“, so Osterloh.

htz

  • Das große AZ/WAZ-Interview mit Bernd Osterloh gibt es in der Freitags-AZ/WAZ - sowohl in der Druckausgabe als auch im E-Paper.
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