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Heizmann: Wir wollen in China der beste Arbeitgeber sein

Volkswagen Heizmann: Wir wollen in China der beste Arbeitgeber sein

Jochem Heizmann ist seit 1. September 2012 VW-Vorstand für China. Zuvor war er seit 1991 in verschiedenen Funktionen für VW tätig. Am Rande der Testspiel-Reise des VfL Wolfsburg nach China sprach WAZ-Redakteur Robert Schreier mit ihm über Fußball und den chinesischen Automobil-Markt.

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Jochem Heizmann ist seit 1. September 2012 VW-Vorstand für China. Zuvor war er seit 1991 in verschiedenen Funktionen für VW tätig. Am Rande der Testspiel-Reise des VfL Wolfsburg nach China sprach WAZ-Redakteur Robert Schreier mit ihm über Fußball und den chinesischen Automobil-Markt.

Quelle: Roland Hermstein

WAZ: Herr Heizmann, der VfL war in China zu Gast, sind Sie selbst Fußball-Fan?

Heizmann: In Deutschland bin ich häufiger bei Spielen, regelmäßig auch in Wolfsburg oder München.

Ich bin in Speyer geboren, da war mein Verein früher natürlich der 1. FC Kaiserslautern. Ich muss zugeben, dass ich beim ersten Bundesliga-Duell zwischen Wolfsburg und dem FCK noch hin und her gerissen war, für wen ich die Daumen drücken soll.

WAZ: Martin Winterkorn, Stephan Grühsem, Francisco Garcia Sanz und Sie ebenfalls - gehört es dazu, Fußball-Fan zu sein, wenn man im VW-Vorstand sitzt?

Heizmann: (lacht) Nein, das nicht. Aber bei Fußballspielen treffe ich auf viele bekannte Gesichter und man spricht auch mal über Themen außerhalb des Unternehmens und das bringt für mich einen absoluten Mehrwert.

WAZ: Welchen Stellenwert hat der Fußball in China?

Heizmann: Ich bin überzeugt davon, dass der Fußball hier eine große Zukunft hat. Der neue Staatspräsident ist sehr fußballbegeistert, er will die WM nach China holen. Ich verfolge die chinesische Liga, auch wenn ich noch keine Möglichkeit hatte, ein Spiel live im Stadion zu verfolgen. Aber es ist nicht nur der Spitzensport, der Fußball für VW in China so bedeutend macht.

WAZ: Sondern?

Heizmann: Wir versuchen, mit Hilfe des Sports Menschen in strukturschwachen Regionen neue Perspektiven zu geben. Eines der Projekte in Verbindung mit Fußball ist das Rainbow Bridge Projekt, dessen eine Säule die Ausbildung von Jugendlichen im schulischen Bereich umfasst, die zweite eben Fußball beziehungsweise Sport. Wir unterstützen die Bildung von Kinder- und Jugendmannschaften, sowohl für Jungs als auch Mädchen. Mit Hilfe solcher Projekte schaffen wir es, die Aufmerksamkeit der chinesischen Gesellschaft auf die unterschiedlichsten Themen zu lenken.

WAZ: Zum Beispiel?

Heizmann: Im letzten Jahr haben wir auf der Guangzhou Autoshow unsere Initiative zur Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr gestartet. Eltern schnallen ihre Kleinkinder im Auto nicht im Kindersitz an, sondern halten sie im Arm. Das ist natürlich kein wirklicher Schutz, wenn es zu einem Unfall kommt, daher ist die Sterblichkeitsrate von Kleinkindern gerade im Verkehr in China sehr hoch.

WAZ: Sie nutzen dabei auch die Marktstellung von VW in China. Wächst der Absatz weiterhin so rasant wie zuletzt?

Heizmann: Mit 3,27 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen hatten wir 2013 mehr als 16 Prozent Zugewinn und sind Marktführer in China. Es ist immer wieder eine neue Herausforderung, genau Prognosen zu treffen, wie sich der Markt in China entwickeln wird. Unsere Planungsbasis für die nächsten drei bis fünf Jahren ist ein durchschnittliches Wachstum von fünf bis sieben Prozent. Das ist eher konservativ, viele prognostizieren auch deutlich höhere Steigerungsraten.

WAZ: Wie können Sie die Marke dennoch weiter etablieren?

Heizmann: Absatzsteigerung kann nicht das alleinige Ziel sein. Uns geht es genauso stark darum, unsere Kunden mit unserem Produktangebot und dem dazugehörenden Service zufrieden zu stellen. Wir wollen der beste Arbeitgeber in China sein. Und wir brauchen die besten Mitarbeiter, um unsere Poleposition im Markt zu halten und weiter auszubauen. Gerade in China ist es wichtig, verantwortungsvoll gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt zu agieren und sich im Sinne des Corporate Citizenship entsprechend zu verhalten.

WAZ: Was bedeutet, gegenüber der Gesellschaft verantwortungsvoll zu handeln?

Heizmann: Zum Beispiel die Ausbildung unserer Mitarbeiter. Wir haben auch hier in China inzwischen erfolgreich die duale Ausbildung eingeführt, um den Wissenstransfer sicherzustellen und unsere Mitarbeiter entsprechend zu qualifizieren.

WAZ: Hat das starke Engagement in China auch Risiken?

Heizmann: Wir haben das Ziel, bis 2018 unsere Produktionskapazitäten auf über 4 Millionen Fahrzeuge pro Jahr zu erweitern. Da sehe ich kein realistisches Risiko. Zum einen wird hier weiter von einem deutlichen Wachstum ausgegangen. Zum anderen haben wir viel Spielraum in der Auslastung der Werke. Wir sind aktuell bei 300 Arbeitstagen im Jahr...

WAZ: Ist die Steigerung auf dem chinesischen Markt aber nicht auch endlich?

Heizmann: Die Absatzmärkte verlagern sich von der Ostküste in die Mitte des Landes und in den Westen. Von den Zehn-Millionen-Städten in die kleineren Millionen-Städte. Peking hat gerade seine Zulassungsbeschränkung für PKWs wieder erhöht. Dort verlangsamt sich das Wachstum etwas. Aber individuelle Mobilität ist für viele chinesische Kunden weiterhin ein absolut erstrebenswertes Ziel.

WAZ: Noch einmal zurück zum Fußball: Würden Sie es aus Marketing-Sicht befürworten, wenn der VfL einen chinesischen Spieler in seinen Reihen hätte?

Heizmann: Wenn man den Richtigen findet, durchaus. Braunschweig hat den chinesischen Nationalspieler Zhang Chengdong in der Mannschaft. Seine Popularität hier in China ist aber eher gering. Wenn der Spieler aber das richtige Niveau hat, wäre das für alle Seiten ein absoluter Gewinn.

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