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Hauptversammlung: Scherbengericht oder Schlussstrich?

Volkswagen Hauptversammlung: Scherbengericht oder Schlussstrich?

Wolfsburg/Hannover. Schon bevor die Staatsanwaltschaft die brisante Nachricht herausgab, konnte sich die VW-Spitze auf einen unangenehmen Tag einrichten. Doch bei der heutigen Hauptversammlung sorgen die neuen Ermittlungen wegen möglicher Marktmanipulation gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und den amtierenden VW-Markenchef Herbert Diess für zusätzlichen Zündstoff.

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VW-Hauptversammlung: Erstmals nach dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals müssen Aufsichtsrat und Vorstand den Anteilseignern Rede und Antwort stehen.

Quelle: dpa (Archiv)

Die Finanzaufsicht Bafin habe sogar den kompletten VW-Vorstand wegen Verdachts auf Marktmanipulation angezeigt, berichteten gestern „Spiegel Online“ und die Nachrichtenagentur Reuters. Die Staatsanwaltschaft hat sich aber offenbar zunächst auf zwei Top-Manager fokussiert.

Die Ermittlungen rücken eine für viele Aktionäre wichtige Frage wieder in den Fokus: Wann wusste der Vorstand von den manipulierten Abgaswerten, und hat er die Finanzwelt zu spät informiert? Diesen Vorwurf machen viele Investoren der VW-Führung seit langem, er ist die Grundlage für milliardenschwere Schadensersatzklagen.

Erstmals nach dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals müssen Aufsichtsrat und Vorstand den Anteilseignern Rede und Antwort stehen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Konzern, Vorstand und Aufsichtsrat müssten sich wohl einen Tag lang nur anschreien lassen.

Allein mit Blick auf die Gegenanträge droht ein Scherbengericht. Aktionäre wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wollen VW wegen der angeblich zu späten Information an die Finanzwelt zu einer unabhängigen Sonderprüfung zwingen. Außerdem schmeckt es vielen Investoren gar nicht, Vorstand und Aufsichtsrat zu entlasten - so wie es die Tagesordnung vorsieht.

Viele Antworten fehlen VW. In den USA gibt es noch keinen Kompromiss zwischen Volkswagen und den Klägern. Eine andere offene Baustelle ist die Schuldfrage. Angesichts dieser Gemengelage scheint es fraglich, ob es Volkswagen heute überhaupt gelingt, den Blick nach vorn zu richten.

In Aufsichtsratskreisen heißt es, die Hauptversammlung sei immerhin für einen Schnitt geeignet: gewissermaßen als Schlusskapitel für die schlimmste Zeit der Krise. In einem Jahr schaue es schon wieder anders aus - die Hoffnung sei berechtigt.

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