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Golf-Produktion steht eine Woche still

Volkswagen Golf-Produktion steht eine Woche still

Wolfsburg. Die beispiellose Machtprobe zwischen Volkswagen und zwei kleinen Zulieferern geht weiter. Die Fertigung des Golf im Wolfsburger VW-Werk steht wegen des Lieferstreits mindestens eine Woche still. Von Montag (22.) an bis einschließlich kommenden Samstag (27. August) ruht die Golf-Produktion, wie VW heute in einem Schreiben an die Mitarbeiter mitteilte.

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Golf-Produktion in Wolfsburg: In der kommenden Woche stehen die Bänder still.

Quelle: Archiv

Unabhängig davon soll es auch im Oktober und Dezember zu Produktionspausen von einigen Tagen kommen.

Im Zuliefererstreit wolle der Konzern „bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen“ Kurzarbeitergeld für die betroffenen Mitarbeiter beantragen. Zuerst müssten aber teilweise Überstunden abgebaut werden. Hintergrund der Stilllegung ist ein Streit mit zwei Unternehmen, die ihre Teilelieferungen eingestellt haben (WAZ berichtete). Der Boykott lähmt den Autobauer, da Sitzbezüge und Gehäuse für sogenannte Ausgleichgetriebe fehlen.

In Emden hatte VW bereits vor einer Woche für 7500 Menschen Kurzarbeit angemeldet. Der Konzern prüft dies auch für die Standorte Braunschweig, Zwickau, Kassel und eben Wolfsburg. Insgesamt könnten von dem Lieferstopp mehr als 20.000 VW-Mitarbeiter betroffen sein, davon rund 10.000 Beschäftigte in Wolfsburg. Bei der VW-Tochter Sitech in Sandkamp ruht in der nächsten Woche die Produktion der Golf-Sitzgarnituren. Rund 500 Beschäftigte des Sitzherstellers werden deshalb zu Hause bleiben, sagte eine Sitech-Sprecherin.

Der VW-Anteilseigner Niedersachsen spricht sich angesichts des Lieferstopps zweier VW-Teilehersteller notfalls für Zwangsmaßnahmen aus. Der bereits beträchtliche Schaden würde sich mit jedem Tag vergrößern, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Sollte die Verhandlungslösung scheitern, müsse Druck ausgeübt werde. „Dann wird man auch Zwangsmaßnahmen aufnehmen müssen“, meinte Weil. Der Schaden werde größer, je länger der Streit dauere. Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh verurteilte den Lieferstopp zweier VW-Teilehersteller. „Hier läuft ein ganz mieses Spiel“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Bei den VW-Arbeitern am Werkstor ist der Ärger groß. „Volkswagen wird erpresst, und das darf nicht sein“, sagte ein Gast in der „Tunnelschänke“. Es herrscht eine Mischung aus Trotz, Zuversicht und Kampfgeist. „Wir werden auch das überleben“, sagte einer der Werker.

Weitere Produktionsruhezeiten

Unabhängig von der Zwangspause durch den Zuliefererstreit wird die Produktion in Wolfsburg auch in den Kalenderwochen 40 und 51 ruhen. Dabei geht es um insgesamt acht Produktionstage, da es sich um die Wochen nach dem 3. Oktober und vor Weihnachten handelt.Einen verlängerten Weihnachtsurlaub hatte es auch im Vorjahr gegeben.

Allerdings war zuletzt auch der Absatz der Marke VW gesunken, was nach AZ/WAZ-Informationen ein Grund für die Produktionspause sein soll.

Lieferstopp: Hier ruht nächste Woche die Produktion

Wolfsburg. Der Versorgungsstopp eines Zulieferers zwingt die Golf-Produktion in Wolfsburg für mehrere Tag zum Stillstand. In einer internen Mitteilung an die Beschäftigte teilte VW gestern mit, dass die Arbeit von Montag, 22. August, bis Samstag, 27. August, in folgenden Bereichen ruht:

  • Fertigung 1: Montagelinie 2 und 3, Karosseriebau.
  • Teilbereiche der Fertigung 1: Wagenfertigstellung (nur Golf-Fertigung).
  • Teilbereiche der Fertigung 1: Lackiererei (nur Golf-Fertigung).
  • Teilbereiche der Qualitätssicherung (nur Golf-Fertigung).
  • Teilbereiche des Presswerks (nur Golf-Fertigung).
  • Teilbereiche der Logistik (nur Golf-Fertigung).
  • Teilbereiche der Geschäftsfelder Fahrwerk und Kunststoff Wolfsburg (nur Golf-Fertigung).
  • sowie in den angrenzenden Bereichen.
  • Beschäftigte, die von dem Arbeitsausfall nicht betroffen sind, werden informiert.

Produktion ruht: Folgen für VW-Mitarbeiter

Im Streit mit zwei Zulieferern hat VW für Beschäftigte im Werk Emden bereits das sogenannte konjunkturelle Kurzarbeitergeld beantragt, weitere Standorte könnten folgen.

Verdienen VW-Arbeiter jetzt weniger? Viele ja, wenn Kurzarbeit beantragt wird. Die betroffenen Beschäftigten erhalten vom Arbeitgeber zwar weiter Lohn und Gehalt – aber nur für die tatsächlich geleistete Arbeitszeit. Ihr ausfallendes Netto-Entgelt wird von der Bundesagentur für Arbeit durch das Kurzarbeitergeld teils ausgeglichen: zu 60 Prozent bei Kinderlosen, zu 67 Prozent bei Beschäftigten mit mindestens einem Kind.

Welche Möglichkeiten bestehen neben Kurzarbeit? In einer Mitteilung an die Beschäftigten erklärte VW, dass bestehende Zeitguthaben auf dem „individuellen Flexibilitätskonto“ vorrangig zur Vermeidung von Kurzarbeit einzubringen sind – also zunächst Überstunden abgebaut werden müssen.
Nicht einzubringen sind laut VW Zeitguthaben auf dem „individuellen Flexibilitätskonto“, die „den Umfang von 10 Prozent der ohne Mehrarbeit geschuldeten Jahresarbeitszeit übersteigen“; die „länger als ein Jahr unverändert bestanden haben (kleinster Monatsendwert der letzten 12 Monate)“; die „durch Freizeitentnahme im Anspruchzeitraum (Kalendermonat) ausgeglichen werden“. Ebenfalls nicht einzubringen sind Zeitguthaben auf dem individuellen Langzeitkonto.

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Im Streit mit den beiden Zulieferern hat Volkswagen einstweilige Verfügungen erwirkt. Dadurch kann der Konzern die fehlenden Teile beschlagnahmen. Die Verfügungen seien bereits wirksam, teilte das Landgericht Braunschweig mit. Unterdessen hat sich der Zulieferer gegen die Vorwürfe von VW gewehrt.

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