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Funkschlüssel geknackt: Vor allem VW betroffen

Wolfsburg Funkschlüssel geknackt: Vor allem VW betroffen

Wolfsburg. Fast alle modernen Autos lassen sich über einen Knopfdruck am Schlüsse per Funk öffnen und schließen. Forscher haben jetzt massive Sicherheitslücken aufgedeckt. Unbekannte könnten das Signal demnach knacken und sich somit unkompliziert Zutritt zu Millionen Autos verschaffen. Am schlimmsten betroffen seien Fahrzeuge von VW sowie den Töchtern Audi, Seat und Skoda.

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Auto öffnen per Knopfdruck: Forscher haben massive Sicherheitslücken aufgedeckt.

Quelle: Roland Hermstein

Die Forscher aus Deutschland und Großbritannien haben das Leck in den Funkfernbedienungen bei mehreren Autoherstellern ausgemacht, wie der Rechercheverbund aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung berichtet. Nach Schätzungen der Wissenschaftler sind weltweit 100 Millionen Fahrzeuge betroffen. Vor allem bei Modellen von VW, Audi, Seat und Skoda ab Baujahr 1995 hätten die Forscher die Verschlüsselung beliebig knacken und reproduzieren können. Betroffen seien insgesamt 15 Hersteller, darunter auch Opel, Ford und Renault.

Volkswagen erklärte gestern, man sei mit den Wissenschaftlern im „konstruktiven Austausch“ und betonte: „Ein Fahrzeugdiebstahl ist auf diesem Wege nicht möglich.“ Man könne das Auto zwar aufschließen aber nicht damit wegfahren. „Die Hürde für den Diebstahlschutz wird ständig weiter nach oben gelegt, trotzdem kann es letztlich keine hundertprozentige Sicherheit geben“, hieß es.

Die Arbeit der Wissenschaftler zeige, dass die Sicherheitssysteme der bis zu 15 Jahre alten Fahrzeuge nicht das gleiche Sicherheitsniveau aufweisen wie neue Autos, erklärte der Konzern. Die „aktuelle Fahrzeuggeneration“ sei von den Problemen nicht betroffen.

Kriminelle können Signale reproduzieren

Worum geht es bei dem Sicherheitsleck genau? Wissenschaftlern ist es laut dem Bericht des Recherche-Netzwerks gelungen, das kryptografische Geheimnis von Chips zu extrahieren. Damit konnten sie die Funkfunktion des Schlüssels beliebig reproduzieren. Das ist etwa so, als hätten sie einen Gipsabdruck des Schüssels – nur eben in digitaler Form.

„Es handelt es sich um ein Softwareproblem“, erklärt ein ADAC-Sprecher. „Offenbar wurde ein Mastercode geknackt, damit hat man sozusagen einen Universalschlüssel für das Auto.“ Besonders problematisch: Es werden keine Einbruchspuren hinterlassen, was das Anmelden eines Anspruchs bei Versicherungen schwierig macht.

Nach Meinung des Autoexperten Stefan Bratzel hat die Branche zu wenig in die Sicherheit investiert. „Da muss Druck gemacht werden bei den Herstellern, dass die Sicherheit vorgeht und nicht aus Kostengründen hierbei gespart wird“, sagt der Professor der Fachhochschule Wirtschaft in Bergisch-Gladbach. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nie, aber man müsse es den Kriminellen so schwer machen wie möglich. Da Autos immer stärker vernetzt werden, werde man künftig immer wieder von Sicherheitslecks hören.

Ähnlich sieht es Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg Essen. Der Fall sei ein Beispiel dafür, dass die Autoindustrie zu unbedarft mit dem Thema Cyber-Security umgehe.

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