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Dieser Wolfsburger klagt gegen VW

Volkswagen Dieser Wolfsburger klagt gegen VW

In der Diesel-Krise haben die Wolfsburger den Schulterschluss mit Volkswagen gezeigt. Zwar hinterließ der Abgas-Betrug auch in der VW-Heimat empörte Mitarbeiter und enttäuschte Kunden - aber eine Klage gegen den mächtigen Konzern, das ist eine Ausnahme. Genau diesen Schritt ist der Wolfsburger Claus H. gegangen.

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Enttäuschter Kunde: Claus H. aus Wolfsburg klagt gegen VW und fordert eine Entschädigung für seinen Skoda Yeti, der von den Abgas-Manipulationen betroffen war.

Quelle: Boris Baschin

Wolfsburg. Sein Skoda Yeti mit 2,0-Liter-Dieselmotor war mit der unerlaubten Motorsteuerung ausgestattet, die Prüfsituationen erkennt und dann den Stickoxid-Ausstoß verringert. Der 60-Jährige arbeitet zwar nicht bei Volkswagen, will aber trotzdem nicht seinen vollen Namen in der Zeitung sehen. Eine Klage gegen VW sei in Wolfsburg schließlich ein sehr emotionales Thema.

„Mittelbar ist auch mein Arbeitsplatz von Volkswagen abhängig“, weiß H., der in einem Tiefbau-Ingenieurbüro arbeitet und dabei vom Boom beim Wolfsburger Wohnungsbau profitiert. Trotzdem entschloss er sich zu klagen, denn zu groß sei seine Enttäuschung gewesen.

Der Skoda Yeti von Claus H. wurde im Februar 2015 zugelassen. Knapp ein halbes Jahr später wurde der Abgas-Skandal öffentlich. „Ich bin davon ausgegangen, dass ich ein sauberes Auto fahre, das ich langfristig nutzen kann“, sagt der 60-Jährige. Jetzt sehe er sich mit drohenden Fahrverboten in Innenstädten konfrontiert und fürchte um den Wiederverkaufswert seines Wagens.

Mehr noch ärgert ihn ein anderes Thema: „Die Ungerechtigkeit im Vergleich mit amerikanischen Kunden. Die bekommen 5000 Dollar oder geben ihr Fahrzeug mit vollem Wert zurück.“ VW pocht zwar darauf, dass die Fälle in Europa und den USA nicht vergleichbar seien: Während hier die meisten Autos mit einem Software-Update umgerüstet werden könnten, gebe es dort keine einfachen technischen Lösungen. Claus H. hätte aber zumindest eine Geste des guten Willens erwartet, „vielleicht eine kostenlose Service-Aktion oder etwas ähnliches, aber es kam nichts“.

Im Dezember 2016 erhielt der Skoda Yeti von Claus H. ein Software-Update in der Werkstatt. Seitdem habe sich das Fahrverhalten des Autos verändert. „Im Kaltstart rumpelt es wie ein Trecker.“ Der Benzinverbrauch sei um 0,3 bis 0,5 Liter gestiegen. VW betont dagegen, dass weniger als ein Prozent der Kunden mit den Maßnahmen unzufrieden sei.

Um eine Entschädigung zu erhalten, hat der Wolfsburger seine Ansprüche an die Internetplattform myright übertragen, die in der Abgas-Affäre eine Klage gegen Volkswagen im Namen von mindestens 20.000 Kunden angekündigt hat. Die Klage von Claus H. richtet sich nicht gegen Skoda, sondern gegen VW als Hersteller des Motors. Trotz seiner Verärgerung kann sich der 60-Jährige aber vorstellen, auch in Zukunft wieder ein Auto des Konzerns zu kaufen. „Ich fahre schon mein ganzes Leben Volkswagen“ - erst einen Käfer, später einen Golf III, der ihn über 300.000 Kilometer begleitete. „Ich war immer sehr zufrieden.“

htz

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