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Die VW-Affäre erschütterte 2005 die ganze Republik

Volkswagen Die VW-Affäre erschütterte 2005 die ganze Republik

Die VW-Affäre um geheime Boni, Schmiergelder und teure Lustreisen auf Firmenkosten samt Bordell-Orgien erschütterte Mitte 2005 nicht nur den Auto-Konzern, sondern Wolfsburg und die ganze Republik.

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Stolperte im Strudel der VW-Affäre: Der frühere Betriebsratschef Klaus Volkert (l.) musste sich vor Gericht verantworten.

Der Skandal zog den Mitbestimmungsgedanken als Errungenschaft der Gewerkschaftsbewegung in den Dreck und kratzte am Image von Volkswagen. Als „Mist“ bezeichnete der damalige VW-Betriebsratschef Klaus Volkert seine Rolle rückblickend. Er habe VW, der Arbeitnehmerseite und seiner Familie sehr geschadet.

Volkert selber kassierte damals fast zwei Millionen Euro an Boni von Personalvorstand Peter Hartz, der einräumte, den Betriebsratschef Volkert „gekauft“ zu haben. Volkerts Geliebte aus Brasilien bekam zudem rund 400.000 Euro zugeschanzt. Während Hartz mit Bewährung und Geldstrafe davonkam, erhielt Volkert zwei Jahre und neun Monate Haft, aus der er ein Jahr vor Ablauf entlassen wurde.

VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer, der Luxushotels, Partys und Nachtclubs organisierte, bekam wie Hartz Bewährung. „Gebauer, wo bleiben die Weiber?“, soll damals im System VW oft ein Ausruf gewesen sein.

In jenen Zeiten kriselte es bei VW auch wirtschaftlich. Von 89 Milliarden Euro Umsatz blieben 2004 nur rund 700 Millionen Euro Überschuss. VW galt vor zehn Jahren als „kranker Mann der Automobilindustrie“, so Branchenkenner Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach. „Die Affäre symbolisierte die negativen Folgen von Intransparenz und ungesunden Einfluss- und Machtbeziehungen im Volkswagen-Konzern.“

Die große Bedeutung des VW-Betriebsrates war historisch ge wachsen. Das VW-Gesetz und die VW-Satzung räumen der Arbeitnehmerseite eine große Macht ein. Entsprechend viel hatte die Konzernführung von einem Betriebsrat, der bei Laune gehalten wurde.

Experte Bratzel ist überzeugt, dass auch die Arbeitnehmerseite von dem Schock der Affäre gelernt hat. „Die Prozesse sind jetzt deutlich transparenter und offener“, sagt er. In den vergangenen zehn Jahren sei die positive Dimension des Machtfaktors Betriebsrat zum Vorschein gekommen. So werde das Gremium inzwischen seinem wahren Auftrag, dem der Korrektivfunktion, wieder gerecht. „Das tat dem Unternehmen gut“, bilanziert Bratzel.

Auch Branchenanalyst Frank Schwope von der NordLB sagt, die Aufarbeitung der Probleme habe VW nach vorne gebracht. Und: „Skandale und Affären lassen sich in Großorganisationen selten ganz vermeiden, wie aktuelle Beispiele wie beim ADAC oder der Fifa belegen“.

Inzwischen gibt sich VW geläutert und verweist auf Reformen für mehr Prüfung und Transparenz. „Die Kombination aus Vorbeugung, Kontrolle und Sanktion im Fall von Regelverstößen ist sehr wirkungsvoll“, sagt Stephan Wolf, Stellvertreter des Betriebsratschefs Bernd Osterloh, der am 5. Juli 2005 auf Volkert nachfolgte.

VW-Affäre: Darum ging es

In der VW-Affäre ging es um Schmiergelder und Vergnügungsreisen, teure Geschenke, Bordellbesuche und Partys – auf Firmenkosten finanziert und abgerechnet. Unter anderem sollten damit Betriebsräte auf Unternehmenslinie gehalten werden.

Im Strudel der Affäre mussten unter anderem der prominente VW-Personalvorstand Peter Hartz und der mächtige Betriebsratschef Klaus Volkert zurücktreten.

Der Skandal war im Juni 2005 aufgeflogen, bei der tschechischen Tochter Skoda waren Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Das wahre Ausmaß der Affäre kam erst nach und nach ans Licht.

In der juristischen Aufarbeitung gab es mehrere Prozesse. Hartz wurde 2007 wegen Untreue und Begünstigung eines Betriebsrats zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 576 000 Euro verurteilt. Er hatte vor Gericht bestätigt, den früheren Betriebsratschef Volkert mit Zahlungen in Millionenhöhe „gekauft“ zu haben. Volkert selbst erhielt eine Haftstrafe.

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