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Der VW-Betriebsrat startet nach Werksferien eine Mitarbeiter-Umfrage

WAZ-Interview Der VW-Betriebsrat startet nach Werksferien eine Mitarbeiter-Umfrage

Volkswagen hat im ersten Halbjahr Rekordgewinne eingefahren – doch wie beurteilt der VW-Betriebsrat die Entwicklung im Unternehmen? WAZ-Redakteur Jörg Lünsmann fragte VW-Betriebsrats-Chef Bernd Osterloh.

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Bernd Osterloh: „Wenn wir eine größere Flexibilität im Karosseriebau bekommen, kann man auch über das US-Volumen sprechen.“

WAZ: Herr Osterloh, wie lief das Jahr bisher für die Arbeitnehmervertretung?
Osterloh: Wir hatten einige Herausforderungen zu meistern. Tarifrunde, Bonusrunde, Leistungsorientierte Vergütung. Insgesamt haben wir ein ordentliches Entgeltpaket hingelegt. Und vor allem beim Tarifvertrag eine so kurze Laufzeit vereinbart, dass wir schon Ende diesen Jahres intern in die Beratungen für die nächste Entgeltrunde im Frühjahr 2012 gehen werden.

WAZ: Diesmal liegen Sie mit Ihrer Tarifrunde ganz kurz hinter den Verhandlungen für den Flächentarif.
Osterloh: Das heißt, dass wir uns sicherlich an der Forderung der Fläche orientieren. Und die wird sich an der Situation der Unternehmen und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ausrichten. Nach den Halbjahreszahlen, die die großen Unternehmen – samt Volkswagen – veröffentlicht haben, ist die Tendenz wohl klar...

WAZ: Auch die Arbeitszeiten standen im ersten Halbjahr im Fokus.
Osterloh: Das stimmt. Die dreiwöchige Dauernachtschicht ist Geschichte. Und nach dem Werksurlaub werden die Kollegen auch in dem von der Mehrheit gewünschten Schichtwechsel-Rhythmus arbeiten.

WAZ: Ist die Baustelle damit auch endgültig beendet...
Osterloh: Ich bin seit fast 35 bei Volkswagen. In den letzten 20 Jahren haben sich Arbeitszeiten und Arbeitszeitmodelle ständig verändert. Und allein im Sinne unserer Kollegen bin ich immer dafür, sinnvolle Veränderungen, von denen die Belegschaft profitiert, möglichst schnell umzusetzen. Das gilt auch für die Zukunft.

WAZ: Ein Blick in die Zukunft haben offensichtlich auch die VW-Manager gewagt, als sie im Frühjahr Pläne austüftelten, dass Nordamerika-Volumen von Golf und Tiguan künftig nicht mehr in Wolfsburg zu bauen, sondern in den USA oder Mexiko...
Osterloh: Die Pläne sollen im Aufsichtsrat im September endschieden werden, bis dahin werden wir uns mit dem Vorstand verständigt haben. Wenn wir eine größere Flexibilität im Karosseriebau bekommen und wir damit in Zukunft besser auf Nachfrageschwankungen bei einzelnen Modellen reagieren können, dann kann man auch über das US-Volumen sprechen. Wir sind dazu mit dem Vorstand in Verhandlungen. Die Richtung stimmt. Ich gehe davon aus, dass wir zeitnah nach dem Werksurlaub eine Einigung erzielen, bei der es substanzielle zusätzliche Investitionen für die Produktion in Wolfsburg gibt.

WAZ: Auf jeden Fall haben Sie als Betriebsrat erst einmal verhindert, dass einfach entschieden wird, dass Stückzahlen den Standort Wolfsburg verlassen...
Osterloh: Es geht nicht ums Verhindern, es geht um Standorte, Produkte, Ergebnisbeiträge und Beschäftigung, also insgesamt um die Strategie 2018. Gemeinsam mit VW-Chef Martin Winterkorn, Horst Neumann und Michael Macht werden wir die Sachlage erst einmal vernünftig besprechen. Manche Manager sagen ja gern hinter vorgehaltener Hand, das Unternehmen gehört nicht den Arbeitnehmern. Das ist richtig, aber dem Management gehört es auch nicht. Sie kennen ja meine Haltung, auch
das Management ist abhängig beschäftigt, nur mit besseren Verträgen.

WAZ: Besprechen wollen Sie auch die Frage, wo bei VW die Mitbestimmung beziehungsweise der Betriebsrat noch besser werden kann.
Osterloh: Das ist richtig. Wir starten im September in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Ludger Pries von der Ruhr Universität Bochum eine Umfrage in allen Belegschaften der traditionellen Volkswagen-Standorte zur Mitbestimmung. Dabei geht es uns auch darum, zu schauen, wo wir im Sinne unserer Kollegen noch mehr machen sollten.

WAZ: Dabei gilt die Mitbestimmung bei VW schon jetzt als einzigartig. Wie lässt sich da noch oben drauf satteln?
Osterloh: Es geht nicht nur um die großen politischen Fragen, wie das VW-Gesetz oder die Mitbestimmung im Aufsichtsrat. Es geht vor allem darum, in der täglichen Arbeit noch besser zu werden. Wir wollen unsere Kolleginnen und Kollegen optimal betreuen, wollen bei möglichst allen Problemen Ansprechpartner und Helfer sein. Da gibt es immer Dinge, die noch besser laufen können. Und wir wollen als Betriebsrat keinen Stillstand. Wir wollen permanent an uns arbeiten. Deshalb ist die Umfrage, die nach dem Werksurlaub per Brief an alle Beschäftigten geschickt wird, für uns auch wichtig. Und ich bitte alle in der Belegschaft: Macht mit. Sendet den anonymen Fragebogen zurück.

WAZ: Gute Stimmung würde der Betriebsrat sicherlich schaffen, wenn seine Forderung nach zusätzlichem Park- und Büroraum endlich Gehör finden würde...
Osterloh : Unsere Forderung hat längst Gehör gefunden. Wir sind uns mit Dr. Winterkorn und unserem Personalvorstand Horst Neumann längst einig, dass wir sowohl neue Parkplaetze schaffen werden als auch im nennenswerten Umfang neue Büroflächen. Wir werden die Belegschaft in der September -Betriebsversammlung über die Details unterrichten. Bis dahin finden letzte Abstimmungsgespräche, auch zwischen Vorstand und Betriebsrat, zu diesen Fragen statt. Eines will ich aber jetzt schon festhalten: die Arbeitsgruppe rund um unseren Standortleiter Siegfried Fiebig macht da einen super Job.

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