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Carl H. Hahn: „Ich fühle mich als Wolfsburger“

Volkswagen Carl H. Hahn: „Ich fühle mich als Wolfsburger“

Carl H. Hahn spricht im WAZ-Interview über sein enormes Arbeitspensum im Alter von 90 Jahren, die Bedeutung gesellschaftlichen Engagements und seine Wahlheimat Wolfsburg. Vor dessen 90. Geburtstag stellte WAZ-Redakteur Ulrich Franke dem ehemaligen VW-Chef Carl H. Hahn die Fragen für das folgende Interview.

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Carl Horst Hahn: Seinen 90. Geburtstag feiert der frühere Volkswagen-Chef und Wolfsburger Ehrenbürger mit etwa 250 Freunden und Familienmitgliedern.

Quelle: Archiv

Vor zehn Jahren haben Sie anlässlich Ihres 80. Geburtstags in einem Interview gesagt, Sie seien voll beschäftigt mit etwas mehr als 35 Wochenstunden. Wie viele Stunden hat Ihre Arbeitswoche zehn Jahre später?
Ich liege immer noch ziemlich genau auf Höhe der gesetzlichen Wochenarbeitszeit der Schweiz.

Wie begehen Sie Ihren heutigen 90. Geburtstag – gibt es, abgesehen vom Empfang der Stadt, auch eine private Feier?
Aus Anlass meines Geburtstages habe ich die riesengroße Freude, alle meine Kinder, Enkel, Geschwister und engen Freunde aus der halben Welt zu einem Familienfest bei mir zu vereinen. Gott sei es gedankt.

Seit Jahren haben Sie sich der Kunst und Kultur, aber auch sozialen Projekten sowie der frühkindlichen Förderung verschrieben. Wie wichtig ist es, dass Menschen sich abseits ihres beruflichen Umfelds auch für die Gesellschaft engagieren?
Das ist nicht nur eine zentrale Aufgabe, sondern auch Bürgerpflicht. Nachdem Manager inzwischen in der Welt zu Hause sind, sein müssen, sie große Erfahrungen auf immer breiterer Grundlage erwerben und besitzen, sollten sie dieses Wissen, ihr wertvollstes Kapital aktiv auch zum Wohle der Allgemeinheit nutzen und es nicht einrosten lassen. Bedarf dafür gibt es überall auf der Welt und Freude bereitet es auch. Was gibt es schöneres, befriedigenderes? Noch nie gab es so viele Chancen des Fortschritts. Vielen muss allerdings geholfen werden, sich diese Chancen erarbeiten zu können, den Weg dahin zu finden. Unersetzbar ist es deshalb für die Jugend von heute, auf einer Bildung für die Welt von morgen, nicht aber gestern ihr Leben aufbauen zu können.

Sie sind gebürtiger Chemnitzer, gelten heute aber als überzeugter Wolfsburger. Was bedeutet für Sie Heimat?
Heimat heißt für mich der Ort, wo man seine Wurzeln besitzt – in meiner Jugend war es Chemnitz und seit fast 63 Jahren ist es Wolfsburg.

Sie galten stets als nahbar, aßen im Kunstmuseum zu Mittag und gingen in St. Christophorus zur sonntäglichen Kommunion. Woher rührt diese Volksnähe?
Ich fühle mich als Wolfsburger, wie jeder andere hier auch, und als solcher mit den Menschen dieser Stadt besonders verbunden, ganz einfach weil ich hier zu Hause bin.

Eine letzte Frage aus gegebenen Anlass: Sie galten in den 50er Jahren für VW als der Türöffner im US-Geschäft, eroberten mit dem Käfer Amerika. Wie sehr schmerzt es zu sehen, dass jahrzehntelang mühsam erworbenes Image mit dem Diesel-Skandal womöglich zunichte gemacht wird?
Wir sollten positiv denken, uns nicht wegen eines ehemaligen Strukturfehlers hypnotisieren lassen. In den USA – ja überall in der Welt – haben wir einen einzigartigen Namen zu verteidigen. Daran gilt es jeden Tag zu arbeiten. Volkswagen ist aus dem Elend und Trümmern des Zweiten Weltkrieges zu einem Weltunternehmen ohne Beispiel geworden – dank harter Arbeit und seiner Eliten.

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Carl Horst Hahn: Er geht auch Jahre nach seiner Pensionierung jeden Tag zur Arbeit, hat unter anderem eine eigene Stiftung gegründet.

Wolfsburg. Carl Horst Hahn feiert am Freitag seinen 90. Geburtstag. Der Name des ehemaligen VW-Chefs ist untrennbar verknüpft mit dem Aufstieg von Volkswagen zur Weltmarke und insbesondere mit der Eroberung des amerikanischen Markts.

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