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Brief an Belegschaft: „2016 war eine harte Probe“

VW-Betriebsratschef Osterloh Brief an Belegschaft: „2016 war eine harte Probe“

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat in einem Schreiben an die Beschäftigten Bilanz des vergangenen Jahres gezogen. Dabei zeigte sich Osterloh zuversichtlich, dass die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt sind.

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Bernd Osterloh: Der Betriebsratschef zieht Bilanz.

Quelle: Archiv

Wolfsburg. "Monatelang wirkte es so, als wollten die Negativschlagzeilen einfach nicht abreißen. Keine Frage, auch unser Image hat heftige Dellen erlitten. Ob im Sportverein, beim Bäcker oder an der Supermarktkasse - vermutlich habt Ihr Euch in letzter Zeit oft vor Freunden und Bekannten erklären müssen, wie es mit Volkswagen weitergeht und wie all das nur passieren konnte", schrieb Osterloh in einem am Freitag an die Belegschaft verschickten Brief zum Jahreswechsel.

Mit 2016 liege ein Jahr voller Aufgaben und Veränderungen hinter dem Autobauer, die "herausfordernder kaum hätten sein können". Er betonte: "Der Abgas-Skandal bildet eine milliardenschwere Finanzlast, die die Rekordfahrt des Volkswagen Konzerns gestoppt hat. Die technischen Lösungen, um die betroffenen Fahrzeuge schnellstmöglich in Ordnung zu bringen, haben unsere zuständigen Abteilungen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht. Zu allem Überfluss zwang uns die Auseinandersetzung mit einer Zulieferer-Gruppe im Sommer zu Produktionsstopps." 2016 sei schlicht eine harte Probe gewesen.

Die Arbeitnehmervertreter sehen aber die Weichen für eine Wende gestellt, es gebe inzwischen allen Grund zur Zuversicht: "In der Marke Volkswagen ist es uns mit dem Zukunftspakt gelungen, den nötigen Wandel aktiv mitzugestalten. Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung bleiben damit gleichrangige Unternehmensziele. Wir haben durchgesetzt, dass bis Ende 2025 - also in den nächsten neun Jahren - betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind. Der Umbau wird entlang der demografischen Kurve gestaltet. Damit können bald deutlich mehr Kolleginnen und Kollegen, die vom Alter her infrage kommen und das auch selber wollen, nach einem langen und verdienten Arbeitsleben in den Ruhestand gehen."

Ausdrücklich lobte Osterloh auch Konzernchef Matthias Müller: "Mit der Konzernstrategie "TOGETHER - 2025" hat unser Vorstandsvorsitzender Matthias Müller unserem Unternehmen eine klare Ausrichtung gegeben. Elektromobilität, Digitalisierung, autonomes Fahren und der Aufbau von Mobilitätsdienstleistungen - an diesen Themen wird mit großem Engagement über die Marken hinweg gearbeitet. Matthias Müller hat damit die Weichen für die Zukunft des Volkswagen Konzerns gestellt."

Der Konzernbetriebsrat werde diesen Weg weiterhin nach Kräften unterstützen.

Zudem sei es auch gelungen, entscheidende Teile der Elektromobilität nach Deutschland zu holen. So werde der neue I.D. in Zwickau gebaut, Wolfsburg bekomme das erste reine Elektro-SUV und werde "Digitalisierungs-Hauptsitz". Braunschweig entwickele die Batterie-Systeme. Salzgitter erhalte eine Pilotanlage für die Zellentwicklung, um das Know-how in diesem Bereich aufzubauen. Kassel übernehme die Führung beim Bau der E-Motoren.

Auf Druck des Betriebsrates entstehe auch neue Beschäftigung: "Insgesamt geht es um 9000 zusätzliche, zukunftsträchtige Arbeitsplätze rund um Wachstumsfelder wie Digitalisierung, autonomes Fahren und Mobilitätsdienstleistungen. Diese Dinge haben wir in den vergangenen Monaten durchsetzen können. Dank Eurem Rückhalt konnten wir klare Kante zeigen. Dafür danken wir Euch.", schreibt Osterloh.

Die Betriebsratsseite reklamiert für sich, Kahlschläge abgewendet zu haben. "Wenn es nach einigen Stimmen auf Unternehmensseite gegangen wäre, hätte es die Rasenmäher-Methode gegeben. Es kursierten Pläne für dramatische Einschnitte wie die Auslagerung der Service Factory und von Teilen der Logistik. Und die neuen Elektro-Modelle hätten auch ins Ausland abwandern können." Doch es habe Einigkeit mit VW-Markenvorstand Herbert Diess bestanden, die E-Modelle zunächst am Standort Deutschland zu fertigen - auch wegen der Nähe zur Technischen Entwicklung. "Hier möchte ich mich ausdrücklich für die Unterstützung von Dr. Diess bedanken. Volkswagen ist damit der erste Hersteller, der eine umfassende Roadmap zur Entwicklung und Produktion von E-Fahrzeugen am Standort Deutschland hat", schrieb Osterloh.

Auch den angekündigten restriktiven Unternehmenskurs zur Leiharbeit thematisierte Osterloh: "Wir werden uns aber dafür starkmachen, dass die Autovision Betroffenen bei der Vermittlung hilft. Und wenn künftig neuer Bedarf besteht, dann muss Volkswagen den Kolleginnen und Kollegen, die jetzt nicht weiterbeschäftigt werden können, als erstes ein Angebot machen."

In den nächsten Monaten müsse sich die Unternehmensseite bei der Umsetzung des Zukunftspaktes an den gemeinsam formulierten Zielen messen lassen. Dazu zähle zum Beispiel, Wünsche nach Altersteilzeit auch umzusetzen. "Aber auch unsere Führungskultur steht noch länger auf dem Prüfstand. Denn Mut, Querdenkertum und konstruktiver Widerspruch lassen sich nicht über Nacht verordnen", heißt es in dem Brief.

Dass Volkswagen nur noch aus Krise bestehe, sei grundfalsch. "Ihr wisst am besten, dass das nicht stimmt. Wir haben das Jahr über zum Beispiel erneut mit fantastischen Produkten überzeugt. Der neue Tiguan zeigt das eindrucksvoll, und auch die Produktaufwertung beim Golf gibt einen weiteren Vorgeschmack." Das weitere Zusammenrücken der Marken wie bei MAN und Scania oder Audi und Porsche beweise zudem eindrucksvoll, "wie stark alle von gemeinsamen Wegen profitieren".

Abschließend rief der Konzernbetriebsratschef dazu auf, die nächste Zeit zum Krafttanken zu nutzen. "Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel bieten eine Gelegenheit, mal wieder so richtig durchzuschnaufen."

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