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Betriebsratschef bei der Arbeit: WAZ begleitet Bernd Osterloh

Volkswagen Betriebsratschef bei der Arbeit: WAZ begleitet Bernd Osterloh

Er gilt als Deutschlands wichtigster Betriebsratschef und als einer der mächtigsten Männer in der deutschen Wirtschaft. Die Bezeichnung Co-Manager gefällt Bernd Osterloh (57) aber nicht, stattdessen spricht er von „qualifizierter Mitbestimmung“ und verweist auf die Belegschaft, die den Betriebsrat bei Volkswagen stark mache. Vor der anstehenden Betriebsratswahl, der sich Osterloh erneut stellt, schaute ihm die WAZ einen Tag lang über die Schulter.

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Ein ganz normaler Arbeitstag: WAZ-Redakteur Florian Heintz begleitete VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Sein Arbeitstag beginnt normalerweise morgens um 8 Uhr. Heute kommt Bernd Osterloh etwas später in sein Büro in Sektor 19 des VW-Werks. „Es sind Ferien. Die Chance habe ich genutzt, damit ich mal mehr Zeit für meine Kinder habe“, erklärt er. Neben seinen Verpflichtungen als dreifacher Vater und oberster Arbeitnehmervertreter bei VW halten ihn zahlreiche Ehrenämter auf Trab. Oder, wie in dieser Woche, eine Aufsichtsratssitzung beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg.

Erster Termin des Tages ist ein BR-Dialog in der Lackiererei in Halle 15b. Rund 40 Mal im Jahr gehen Osterloh oder sein Stellvertreter Stephan Wolf in die Bereiche, um über aktuelle Themen zu diskutieren. Heute sieht Osterloh beim Blick in die Reihen einige bekannte Gesichter, denn bis 2005 war er hier der zuständige Betriebsrat. „Den einen oder anderen Arbeitsgang könnte ich heute noch – zumindest erklären“, sagt Osterloh mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Heute wollen die Kollegen über Arbeitszeiten, Beschäftigungssicherung und die Situation der Leiharbeiter reden. Über eine Stunde lang spricht Osterloh ohne Pause, berichtet auch ungeschminkt von Auseinandersetzungen mit dem Management. Manchmal wird er dabei so emotional, dass er sich fast in Rage redet. Die wichtigen Zahlen hat Osterloh ohne besondere Vorbereitung parat. Muss er auch, schließlich sitzt der Betriebsratsvorsitzende auch im VW-Aufsichtsrat und entscheidet dort über die zukünftige Strategie des Konzerns mit.

„Bernd ist ein starker Verhandlungspartner, wenn es um die Interessen der Belegschaften geht“, sagt einer, der ihn seit vielen Jahren kennt – Andreas Blechner, der Betriebsratsvorsitzende in Salzgitter. Osterloh habe „genügend Härte, wenn es darauf ankommt“, er wisse aber auch, „wann Diplomatie gefragt ist“.

Zurück im Büro wartet der nächste Termin: Ein vertrauliches Gespräch auf Vorstandsebene, es geht ums Geschäft in China. „Hoch spannend“ sei der Termin verlaufen, berichtet der Betriebsratschef hinterher. Mehr darf er nicht sagen, mehr Zeit bleibt aber auch nicht, denn es geht sofort weiter in die Autostadt.

Bei der kurzen Fahrt im Auto durchsucht Osterloh seine Taschen – er hat seinen Werksausweis nicht dabei. Für den Betriebsratschef – seit 37 Jahren bei VW – dürfte das doch eigentlich kein Problem am Werkstor sein? Doch Osterloh nimmt es genau, er will für sich keine Extrabehandlung.

Bei den Betriebsräten in der Autostadt informiert sich Osterloh dann über aktuelle Themen. Im Gespräch macht er sich aufmerksam Notizen, am Ende blickt er kritisch auf das voll beschriebene Blatt: „Ich bin verwundert, dass man bei einigen Projekten mit der Geschäftsführung noch nicht weiter ist.“

Keine Zeit zum Durchatmen: Als nächstes trifft sich Osterloh in seinem Büro mit Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs. Ein Thema sind die Verkehrsprojekte in der Stadt. Osterloh und Mohrs haben ein gemeinsames Ziel: Die VW-Beschäftigten sollen möglichst entspannt an ihrem Arbeitsplatz ankommen. Der Oberbürgermeister lobt die enge Zusammenarbeit mit dem Betriebsratschef: „Bernd Osterloh ist durch seine starke Rolle im Volkswagen-Konzern ein sehr wichtiger Botschafter für die Stadt Wolfsburg. Er ist ein verlässlicher Streiter für die Interessen der Stadt und hat sich regelmäßig ganz besonders für Wolfsburg, die Hauptstadt von Volkswagen, eingesetzt“, sagt Mohrs.

Am Abend steht noch eine Diskussion über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Gewerkschaftshaus auf dem Terminplan. Dort sitzt der Betriebsratschef gemeinsam mit Personalvorstand Horst Neumann auf dem Podium. Und morgen? Da reist Osterloh in aller Frühe nach Stuttgart und informiert sich bei Audi in Neckarsulm über ein neues Logistikkonzept. Danach wartet ein Termin bei Porsche in Zuffenhausen. Mit diesem Pensum geht es auch in den nächsten Tagen weiter. „Wenn die Arbeit keinen Spaß macht, dann verliert man auch das Interesse“, sagt Osterloh.

Der Sieg der IG Metall bei der Betriebsratswahl gilt als sicher. Trotzdem blickt der Spitzenkandidat dem Termin mit Spannung entgegen. „Ein hoher Organisationsgrad und gute Wahlergebnisse zeigen, dass die Menschen hinter uns stehen. Nur deshalb können wir ihre Interessen mit Nachdruck vertreten“, sagt Osterloh.

htz

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