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Bernd Osterloh: „In Wolfsburg werden wir sogar noch zulegen“

Volkswagen Bernd Osterloh: „In Wolfsburg werden wir sogar noch zulegen“

Volkswagen steht nach einem starken Jahr 2013 vergleichsweise glänzend da. Im Interview mit der WAZ zieht VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh die Bilanz eines erfolgreichen Jahres und gibt einen Ausblick auf die kommenden Monate. So erwartet Osterloh, dass es 2014 auf den wichtigen europäischen Automärkten wieder aufwärts geht. Für den Standort Wolfsburg rechnet der Betriebsratschef mit einer „sehr guten Auslastung“.

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Golf-Produktion in Wolfsburg: Das Stammwerk wird laut VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh im Jahr 2014 „sehr gut ausgelastet sein“ und die Stückzahlen erneut steigern.

WAZ : Herr Osterloh, wie beurteilen Sie das Jahr 2013 aus Sicht von Volkswagen?
Osterloh : Auch das Jahr 2013 war ein erfolgreiches Jahr für Volkswagen. Das ist eine tolle Mannschaftsleistung. Trotz der Schwäche auf den Automobilmärkten in Europa stehen wir besser da als die meisten Wettbewerber und wachsen weiter. Das wirkt sich auch positiv auf die Beschäftigung aus. Im abgelaufenen Jahr ist die Zahl der Beschäftigten im Unternehmen um mehr als 5000 gestiegen, davon allein in Wolfsburg weit mehr als 2000. Und wir haben 1800 Zeitarbeiternehmerinnen und Zeitarbeitnehmer übernommen. Das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

WAZ : Beim Fahrzeugabsatz wird der Konzern sein Jahresziel erreichen und die Auslieferungen erneut steigern. Wie sieht es bei den Zielen Umsatz und operatives Ergebnis aus?
Osterloh : Mit den steigenden Auslieferungen steigt erst einmal auch der Umsatz. Die Märkte sind aber hart umkämpft. Viele Konkurrenten versuchen, ihre Marktanteile mit Rabatten zu halten. Das gilt vor allem für Westeuropa. Damit kommen die Erlöse unter Druck. Wie sich das am Ende auf das operative Ergebnis auswirkt, werden wir im Frühjahr 2014 sehen.

WAZ : Welche Ziele hat sich Volkswagen für 2014 gesteckt?
Osterloh : Wir wollen den Wachstumskurs halten und bis zum Jahre 2018 an die Spitze der Automobilindustrie aufrücken. Dazu werden wir unsere Position in den wichtigen Märkten nicht nur halten, sondern auch ausbauen. Bei Technik und Design der Fahrzeuge wird Volkswagen wie bisher Maßstäbe setzen. Mit den Investitionsentscheidungen haben wir dafür das richtige Fundament gelegt. Es gibt eine Menge von Neuanläufen. Ein Schwerpunkt wird die Umsetzung der Elektromobilität sein. Volkswagen bringt eine Reihe von Fahrzeugen mit reinem Elektroantrieb oder Hybridantrieb. Aus Sicht des Betriebsrates geht es darum, die Zukunftsfähigkeit der Standorte langfristig zu sichern. Da sind wir auf einem sehr guten Weg. Im kommenden Jahr stehen einige Produktentscheidungen an, die auch für unseren Standort wichtig sind.

WAZ : In Wolfsburg laufen 2014 neben dem Golf Sportsvan zwei weitere neue Modelle an: der E-Golf und der Golf mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Werden die beiden Letzteren zunächst Nischenmodelle bleiben oder können sie zur Auslastung des Werkes beitragen?

Osterloh : Der Sportsvan wird an den Erfolg des Vorgängers anschließen. Da bin ich mir sicher. Der Sportsvan ist ein rundherum gelungenes Auto. Und viele Kunden warten auf den Sportsvan. In Sachen E-Mobilität verfolgen wir eine andere Strategie als andere Hersteller. Die Montage ist in die bestehenden Werke integriert. Der E-Golf läuft auf denselben Montagebändern wie die Modelle mit Verbrennungsmotor. Deshalb sind wir nicht so anfällig für mögliche Nachfrageschwankungen. Über das Volumen entscheidet nicht zuletzt der Kunde. Ich glaube aber, wir haben genau das richtige Angebot für Käufer, die konsequente Nachhaltigkeit haben wollen.

WAZ : Das Werk Wolfsburg blieb bislang von der Absatzkrise in Europa völlig unberührt, es gab eher zu viel als zu wenig Arbeit. Ist für Sie eine Entwicklung denkbar, warum das 2014 anders sein könnte?
Osterloh : Der Standort Wolfsburg wird auch im kommenden Jahr sehr gut ausgelastet sein. Wir werden sogar noch zulegen und die Stückzahlen steigern. Der neue Golf ist nach wie vor der mit Abstand Beste seiner Klasse. Die Nachfrage ist hervorragend. Außerdem bewerben wir uns auch für weitere Modelle, wie Derivate schon bestehender Modelle wie den Tiguan.

WAZ : Wird Volkswagen im kommenden Jahr auch in Deutschland und in Europa wieder zulegen können?

Osterloh : Die Meinungen darüber, ob es mit der Automobilkonjunktur wieder aufwärts geht, gehen auseinander. Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass es langsam wieder bergauf geht. Ich bin optimistisch, dass sich die Nachfrage auf den wichtigen Märkten belebt. Volkswagen hat in allen Segmenten und Klassen tolle Produkte. Deshalb werden wir sicherlich von der Automobilkonjunktur profitieren. 

WAZ : Die Mitarbeiter bei Volkswagen profitieren außerdem seit vielen Jahren von der Beschäftigungsgarantie. Wie bewerten Sie dieses Instrument aus heutiger Sicht?
Osterloh : Das Modell der Beschäftigungssicherung bei Volkswagen hat sich bewährt. Den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen gibt es bei Volkswagen jetzt seit 20 Jahren. Unser Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung hat für mich dieselbe Bedeutung wie der Euro-Rettungsschirm. Er schützt unsere Arbeitsplätze im Falle einer Krise. Davon sind wir Gott sei dank weit entfernt. Trotzdem ist die Beschäftigungssicherung bei Volkswagen nicht mehr wegzudenken.

WAZ : Im kommenden Jahr stehen Betriebsratswahlen an. Welche Themen spielen für die Beschäftigten eine besondere Rolle?
Osterloh : Die Kolleginnen und Kollegen wollen sichere Arbeitsplätze. Deshalb steht eine gute Auslastung ganz oben auf der Tagesordnung. Genauso wichtig sind aber auch gute Arbeitsbedingungen und ein gutes Arbeitsumfeld. Dabei geht es nicht nur um die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen in der Montage oder gute Arbeit in den Büros. Unsere Kolleginnen und Kollegen wollen auch möglichst stressfrei zum Werk und wieder nach Hause kommen. Deshalb drängen wir auf die stetige Verbesserung der Verkehrssituation rund um das Werk. Ich bin realistisch und denke, wir werden es nicht immer allen recht machen können. Aber wir können auf eine ordentliche Bilanz unserer Arbeit in den vergangenen vier Jahren zurückblicken.

WAZ : Auf welches neue VW-Modell freuen Sie sich 2014 besonders?
Osterloh : Wir bringen im kommenden Jahr gleich mehrere neue Modelle auf die Straße. Mit jedem neuen Fahrzeug belegen wir, wie innovativ Volkswagen bei Design und Technik ist. Für unseren Standort sind natürlich der Sportsvan und der E-Golf wichtig. Damit beweist unsere Mannschaft ihre Kompetenz.

WAZ : Zum Abschluss eine Frage zum Thema Fußball: Auf welchem Platz in der Tabelle wird der VfL am Saisonende stehen?
Osterloh : Wir können auf eine insgesamt gute Saison zurückblicken. Die Mannschaft hat zuletzt eine stabile Leistung gezeigt. Nach einer Phase der Konsolidierung sind wir mit unserem VfL auf einem guten Weg. Und ich glaube, der führt weiter nach oben. Einen Platz unter den ersten fünf am Ende der Saison halte ich für realistisch.

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