Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Bernd Osterloh: „In Wolfsburg werden wir eher zu viel Arbeit haben“

Volkswagen Bernd Osterloh: „In Wolfsburg werden wir eher zu viel Arbeit haben“

Die Werksferien sind vorbei, bei Volkswagen sind ab heute wieder alle Büros besetzt und die Produktion in den Werkshallen wird hochgefahren. WAZ-Redakteur Florian Heintz befragte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, der auch im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzt, zu seinen Erwartungen an das zweite Halbjahr, zum Wohnungsbau in Wolfsburg und zur Situation der Pendler.

Voriger Artikel
Bauarbeiten auf A 39: Ab Montag droht Mega-Stau!
Nächster Artikel
Auf dem Weg zur Sensation: VW-Rallye-Team siegt wieder

VW-Werk in Wolfsburg: Betriebsratschef Bernd Osterloh erwartet trotz der europäischen Absatzkrise auch im zweiten Halbjahr eine gute Auslastung des Werks.

WAZ: Herr Osterloh, nach wie vor scheint sich Volkswagen auf gutem Kurs zu befinden, auch wenn die Probleme in Europa deutlich sichtbar sind. Was erwarten Sie für das Werk Wolfsburg im zweiten Halbjahr?

Osterloh: Wir werden auch im zweiten Halbjahr hier in Wolfsburg eine gute Auslastung haben. Da sehe ich bis Jahresende eher zu viel als zu wenig Arbeit.

WAZ: Gutes Stichwort: In Wolfsburg stehen weitere Sonderschichten an, außerdem der Anlauf neuer Golf-Modelle. Die kommenden Monate werden wieder eine echte Herausforderung für die Belegschaft, oder?

Osterloh: Wir fahren jetzt im sechsten Jahr in Folge auf hohem Niveau. Inklusive Sonderschichten zur Auftragserfüllung der Kundenwünsche und Neuanläufen unserer Modelle Golf, Golf Plus, Tiguan, Touran und der jeweiligen Derivate. Das ist für die Belegschaft anstrengend. Auf der anderen Seite muss man auch einmal betonen: Mit Martin Winterkorn hat sich die Auslastung durch die Modelloffensive so verbessert, dass die schwierigen Jahre 2004 bis 2006 fast vergessen sind. Deshalb geht der Dank an unsere Kolleginnen und Kollegen, aber auch an Dr. Winterkorn.

WAZ: Knapp 500 Leiharbeiter aus Emden sind zeitlich befristet nach Wolfsburg gekommen. Wenn ihr Einsatz endet, müssen dann zusätzliche Mitarbeiter in der Golf-Produktion eingestellt werden?

Osterloh: Wir haben jetzt erst einmal bis Jahresende geplant. Ins neue Jahr schauen wir in einigen Monaten. Dann kann ich Ihnen diese Frage beantworten.

WAZ: Die Wohnungsnot in Wolfsburg ist fast täglich in den Schlagzeilen. Das Thema betrifft viele VW-Mitarbeiter, die gerne hier leben würden. Wurden aus Sicht des Betriebsrats beim Wohnungsbau die richtigen Schritte eingeleitet?

Osterloh: Als Betriebsrat stehen wir dazu in engem Kontakt mit unserem Oberbürgermeister Klaus Mohrs. Und da ich gleichzeitig gemeinsam mit meinem Kollegen Andreas Heim im Aufsichtsrat der Volkswagen Immobilien bin, kann ich aus eigener Überzeugung „Ja“ sagen. Was derzeit erarbeitet wird, wird ein differenziertes Wohnen für jeden Geschmack in Wolfsburg ermöglichen. Und auch entsprechende Möglichkeiten, selbst zu bauen. Natürlich scharren viele mit den Hufen - und Klaus Mohrs wie ich würden gerne jetzt schon neuen VW-Kollegen oder anderen Interessierten konkrete Angebote machen. Aber ein wenig Geduld muss man in Deutschland schon mitbringen. Baugebiete lassen sich nun mal nicht über Nacht ausweisen.

WAZ: Ist denn sichergestellt, dass neben hochwertigen Wohnungen auch ausreichend Wohnraum geschaffen wird, der für alle bezahlbar ist?

Osterloh: Wenn ich von differenzierten Angeboten spreche, dann betrifft das nicht nur den Baustil, sondern auch die Preisfrage. Attraktiv soll der neue Wohnraum aber durchgehend sein. Bei beiden großen Wohnungsbaugesellschaften liegt heute der durchschnittliche Preis der Kaltmiete pro Quadratmeter bei unter sechs Euro. Und ich bin mir sicher, dass es dabei auch in Zukunft bleiben wird. Denn weder die städtische Neuland noch die VW Immobilien sind rein auf Gewinn getrimmt. Im Fokus ihres Handelns steht die qualitativ hochwertige Wohnraumbereitstellung für alle Wolfsburger Bürger.

WAZ: Die Bahn-Pendler aus Berlin haben es wegen der beeinträchtigten ICE-Verbindung derzeit schwer. Die Belastung durch stundenlange Fahrtzeiten muss für die Betroffenen doch enorm sein?

Osterloh: Natürlich ist das für die Kollegen schwierig. Es gab dazu auch viele Gespräche zwischen VW, Stadt und Bahn. Insbesondere unser Bereich Konzernaußenbeziehungen mit Herrn Dr. Steg und Herrn Maass macht sich da für die Kollegen, die in Berlin wohnen, stark. Erste Verbesserungen der Bahnanbindung nach Wolfsburg gibt es zwar jetzt. Das reduziert die reine Bahnfahrzeit auf etwa zwei von vorher über drei Stunden. Aber das ist natürlich immer noch keine Alternative zur vorherigen Verbindung von einer Stunde. Da muss weiter nach Lösungen gesucht werden, wie eine halbwegs optimale Versorgung bis Jahresende aussehen kann.

WAZ: Lässt sich die Zahl der Pendler durch den Wohnungsbau in Wolfsburg Ihrer Meinung nach spürbar reduzieren, was vielleicht sogar zur Entspannung der Verkehrssituation beitragen kann?

Osterloh: Natürlich ist auch das ein Ziel des Wohnungsbaus. Aber vor allem bin ich davon überzeugt, dass die neuen Baugebiete und Mietangebote so attraktiv sein werden, dass sich die Menschen von selbst für Wolfsburg und die nähere Region entscheiden werden.

WAZ: Sie sitzen auch im Aufsichtsrat des VfL Wolfsburg. Wo sehen Sie die Mannschaft in der kommenden Bundesligasaison?

Osterloh: Auf gutem Kurs. Mit Klaus Allofs hat der VfL jetzt einen exzellenten Manager, der auf Nachhaltigkeit statt auf kurzfristige Erfolge setzt. Und mit Dieter Hecking einen besonnenen Trainer, der die Spieler zusammenschweißt und ihnen Raum zur Entwicklung gibt. Das entspricht der Unternehmensphilosophie von Volkswagen. Und es bringt die notwendige Ruhe in den Verein. Dass in dieser Ruhe eine Menge Kraft liegt, haben wir am Samstag beim Pokalspiel gegen Karlsruhe gesehen. Deshalb freue ich mich auf die kommende Saison - und sehe den VfL im oberen Drittel der Tabelle.

Voriger Artikel
Nächster Artikel