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Aufsichtsrat soll Führungskrise entschärfen

Volkswagen Aufsichtsrat soll Führungskrise entschärfen

Es bleiben ihnen maximal drei Wochen. Noch vor der Hauptversammlung Anfang Mai wollen die VW-Aufsichtsräte die Führungskrise bei Europas größtem Autobauer entschärfen. Die große Frage ist: Bleibt Konzernchef Winterkorn oder kommt ein Kronprinz zum Zug?

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Machtkampf bei Volkswagen: Die Aufsichtsräte sollen die Führungskrise bis zur Hauptversammlung entschärfen – dann sitzen Vorstandschef Martin Winterkorn und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch üblicherweise Seite an Seite.

Quelle: Archiv

Im Machtkampf bei Volkswagen suchen die Aufsichtsräte hinter den Kulissen nach einem Ausweg aus der festgefahrenen Situation. Die Zeit drängt. In der jetzigen Lage sei die Hauptversammlung am 5. Mai in Hannover "undenkbar", sagte ein Aufsichtsratsinsider am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Weitere mit der Arbeit des Kontrollgremiums vertraute Personen bestätigten, dass im Hintergrund "die Drähte glühen". Konzernchef Martin Winterkorn ist nach der Attacke von VW-Patriarch Ferdinand Piëch stark angeschlagen. Der 77-Jährige hatte am Freitag dem "Spiegel" gesagt: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn."

Gewiss scheine in der unübersichtlichen Lage nur: Schleunigst müsse intern eine Weichenstellung her und dann extern ein Zeichen gesetzt werden, um die Führungskrise bei Europas größtem Autobauer zu beenden, sagten Insider.

Regulär tagt der Aufsichtsrat erst wieder am 4. Mai, einen Tag vor dem Aktionärstreffen. Das "Handelsblatt" berichtete von Plänen, außer der Reihe eine Aufsichtsratssitzung einzuberufen. Dafür gab es zunächst keine Bestätigung.

Mit der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und den zwei Vertretern des Landes Niedersachsen auf der Kapitalseite hat sich eine Allianz für Winterkorn ausgesprochen. Doch in der derzeitigen Führungskrise geht es nicht ums Stimmenzählen der Aufsichtsratsmandate. Übereinstimmend berichteten Insider, dass Frontenbildung im Aufsichtsrat kontra Piëch niemanden weiterbringe. Piëch gilt als VW-Machtzentrum, an seinem Willen vorbei sei bei Volkswagen nachhaltig keine Politik zu machen.

Der Ball liegt nun offensichtlich im österreichische Bundesland Salzburg, wo die Piëchs und Porsches zu Hause sind. Piëch dürfte zunächst den Dialog mit den Porsches suchen, wie Kenner der Führungsabläufe berichten. Wolfgang Porsche, Sprecher des Familienzweigs, hatte Piëchs vernichtendes Zitat zwar zunächst als "Privatmeinung" zurückgewiesen. Die Aussage sei nicht abgestimmt. Das aber ist noch lange kein Treueschwur für Winterkorn, der hinter den jüngsten Rekorden des Autobauers steht, aber eben doch auch einige ungelöste Dauerbaustellen in seinem Zwölf-Marken-Reich hat. Winterkorn galt bisher als enger Vertrauter und als Nachfolger Piëchs an der Spitze des Aufsichtsrates. "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen", sagte Piëch dem "Spiegel". Die Kandidaten seien bereits im Unternehmen. Namen nannte er nicht.

Als ein Favorit gilt Porsche-Chef Matthias Müller. Der 61-Jährige gilt in der Branche als exzellenter Produktstratege. Doch auch viele andere Namen werden gehandelt. Piëchs Motive für den Bruch mit Winterkorn sind indes weiter unklar. Der Piëch-Biograf Wolfgang Fürweger sieht dafür rein fachliche Gründe. "Piëch agiert sehr rational und weniger emotional als manche gerne glauben", sagte der Österreicher der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Fürweger sieht Probleme der Hausmarke VW Pkw als Auslöser. Die Kernmarke rund um Golf und Passat verliert nach ihrer Rekordjagd im Vorjahr spürbar an Tempo. Mit einem erneuten Rückgang der Verkäufe auch im März steckt die Marke nun schon ein halbes Jahr in Folge im Rückwärtsgang. Hauptgründe sind Einbrüche in Russland und Südamerika, aber auch der einst verlässliche Wachstumsbringer China schwächelt. VW-Pkw hat zudem Renditeprobleme. Beim Verhältnis von Gewinn zum Umsatz liegen die Wolfsburger hinter Konkurrenten wie dem Branchenprimus Toyota.

dpa

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