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Abgas-Affäre kostet VW bis zu 14,7 Milliarden Dollar

Vergleich in den USA Abgas-Affäre kostet VW bis zu 14,7 Milliarden Dollar

San Francisco/Washington/Wolfsburg. Die Abgas-Affäre wird Volkswagen in den USA voraussichtlich bis zu 15 Milliarden Dollar kosten. Ein entsprechendes Paket sieht Rückkäufe, Entschädigungen und Strafen vor. Nach monatelangen Verhandlungen erzielte VW eine Einigung mit den US-Behörden und Klägern, die heute vorgestellt wurde.

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Abgas-Vergleich kostet VW in den USA bis zu 14,7 Milliarden Dollar.

Quelle: dpa

Das Unternehmen verpflichtet sich demnach, Hunderttausende vom Skandal betroffene Dieselautos in den Vereinigten Staaten zurückzukaufen oder umzurüsten. In dem Gesamtbetrag soll auch eine Zahlung von 2,7 Milliarden Dollar an einen Fonds enthalten sein, mit dem Umweltprojekte gefördert werden sollen. Außerdem soll VW mit 2 Milliarden Dollar die Verbreitung von emissionsfreien Autos fördern. Denkbar wäre zum Beispiel der Bau von Ladestationen für Elektroautos.

Umgerechnet kann die Aufarbeitung VW in den USA damit rund 13,3 Milliarden Euro kosten – dies entspricht etwa einem Jahresgewinn in früheren guten Zeiten. Bislang hat der Autobauer für die Folgen der Krise gut 16 Milliarden Euro (aktuell 17,6 Mrd Dollar) zurückgelegt.

Der nun erzielte Vergleich ist noch nicht rechtskräftig. Zunächst muss der Richter Charles Breyer in San Francisco dem Entwurf zustimmen. Bei ihm sind Klagen in den USA gebündelt. Im April hatte VW bereits eine Grundsatzeinigung erzielt, nun folgte die genaue Ausgestaltung. Breyers endgültige Entscheidung wird für Ende Juli erwartet. Danach haben Kläger die Möglichkeit, das Vergleichsangebot anzunehmen.

Nach Einschätzung des US-Justizministeriums ist der Dieselskandal eine der schwerwiegendsten Verletzungen von Verbraucher- und Umweltrechten der US-Geschichte. Verbraucher hätten VW vertraut und seien bitter enttäuscht worden, sagte Vize-Generalbundesanwältin Sally Yates. Die Einigung sei ein „wichtiger erster Schritt“, um VW für den Bruch von Gesetzen zur Rechenschaft zu ziehen. Klagen der Regierung und mögliche strafrechtliche Fragen seien davon aber noch nicht berührt.

Die Chefin der Umweltschutzbehörde EPA, Gina McCarthy, sprach von einer in jeder Hinsicht bahnbrechenden Einigung – VW müsse in vollem Umfang alle Konsequenzen seines Verhaltens tragen. „Wir senden heute eine starke Botschaft“, sagte sie: „Wenn Sie unser Gesetz brechen, gibt es sehr ernsthafte Konsequenzen.“

Die Frage, ob VW betroffene Autos notfalls außerhalb des Landes weiterverkaufen könne, verneinte sie: „Wir verfrachten diese Luftverschmutzung nicht woanders hin.“ Im Zweifel müsse entschieden werden: „reparieren oder verschrotten.“

VW zahlt US-Kunden bis zu 10.000 Dollar

Volkswagen will US-Kunden mit manipulierten Autos jeweils mindestens 5100 Dollar (4600 Euro) Entschädigung zahlen. In manchen Fällen kann die Summe sogar fast 10.000 Dollar betragen, wie aus den Vergleichsplänen hervorgeht. Die Autobesitzer könnten sich demnach aussuchen, ob VW ihre Wagen zurückkaufen oder umrüsten soll. Die Entschädigung würde in beiden Fällen fließen. F

ür den Rückkauf der Wagen und die Entschädigung der US-Kunden zahlt VW maximal bis zu 10,033 Milliarden Dollar. Diese Summe würde zustande kommen, wenn sich alle Kunden für einen Rückkauf entscheiden. Bei den von dem Kompromiss betroffenen rund 480.000 Dieselautos handelt es sich um VW-Modelle wie den Jetta oder Passat sowie um den A3 von Audi. Für die größeren Sechszylinder-Motoren mit 3,0 Litern Hubraum steht noch keine Regelung.

VW-Konzernfinanzchef nennt US-Vergleich erhebliche Bürde für Zukunft

Wolfsburg. Der Finanzchef des VW-Konzerns sieht in den Vergleichsplänen für den Diesel-Skandal in den USA eine „sehr erhebliche Bürde für unser Geschäft“. Die milliardenteure Einigung machten den eingeschlagenen Sparkurs umso nötiger, sagte Frank Witter.

„Die heutige Bekanntgabe bewegt sich im Rahmen unserer bereits veröffentlichten Rückstellungen und sonstigen finanziellen Verpflichtungen. Wir sind in der Lage, die Konsequenzen zu beherrschen“, betonte Witter. Das Gebot der Stunde sei, „die operative Exzellenz im gesamten Konzern zu verbessern“. Der Finanzvorstand warnte mit Blick in die USA: „Vergleichslösungen in dieser Größenordnung belasten uns ohne Zweifel erheblich.“

VW-Konzernchef Matthias Müller nannte die Vereinbarungen „einen wichtigen Schritt nach vorn“. Doch der Weg sei noch weit, mahnte er. „Wir sind uns bewusst, dass wir noch viel tun müssen, um das Vertrauen der Menschen in Amerika zurückzugewinnen. (...) Wir werden Volkswagen zu einem besseren und stärkeren Unternehmen machen“, sagte er. Nach dem Skandal um die Abgas-Manipulationen sei es das erklärte Ziel, einer der Marktführer für „nachhaltige Mobilität“ zu werden.

dpa/RND

Krise ist noch nicht vorbei

ein Kommentar von Florian Heintz

Mit dem Vergleich in den USA hat Volkswagen gestern eine dicke Rechnung im Abgas-Skandal kassiert. Sie fällt sogar deutlich höher aus, als es die meisten Beobachter zuletzt erwartet hatten. Haben die US-Behörden nun ein Exempel an Volkswagen statuiert?

Der Vergleich mit General Motors drängt sich auf: Der US-Hersteller kaufte sich im vergangenen Jahr mit 900 Millionen Dollar frei, obwohl seine defekten Zündschlösser mit mehr als 120 Toten in Verbindung gebracht werden. Trägt Volkswagen tatsächlich mehr Schuld durch seine Umweltsünden? Ich habe Zweifel.

Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied: GM konnte seine Autos durch einen Rückruf reparieren. Volkswagen hat in den USA offenbar keine technische Lösung gefunden, mit der sich die Autos in einen gesetzeskonformen Zustand bringen lassen, ohne dass sich dafür andere Eigenschaften der Wagen verändern. Demzufolge machen die Kosten für den Rückkauf der Dieselfahrzeuge den mit Abstand dicksten Brocken der Rechnung aus.

Was sind nun die Folgen für Volkswagen? In einer ersten Reaktion betonte der Konzern, dass die bereits erfolgten Rückstellungen ausreichen. Die Botschaft lautet wie seit Monaten: Wir schaffen das. Allerdings muss betont werden: Mit einem Vergleich in den USA ist der Abgas-Skandal noch nicht ausgestanden. Die Milliardenklagen von Anlegern in Deutschland wegen angeblicher Marktmanipulationen stehen erst noch bevor. Die Umrüstung der weltweit elf Millionen Fahrzeuge ist noch lange nicht abgeschlossen. Und neben den finanziellen Folgen muss Volkswagen vor allem auch an seiner wichtigsten Währung arbeiten: Dem Vertrauen der Kunden.

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