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Abgas-Affäre: „Jetzt erst recht“ - Mitarbeiter rücken zusammen

VW-Skandal Abgas-Affäre: „Jetzt erst recht“ - Mitarbeiter rücken zusammen

Wolfsburg. Wie geht es weiter mit VW? Das treibt auch die Arbeiter in Wolfsburg um. Viele bangen um die Zukunft des Konzerns - rücken aber auch enger zusammen und zeigen sich kämpferisch.

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Bei den Mitarbeitern von Volkswagen in Wolfsburg herrschen unterschiedliche Stimmungen - von Sorge um den Arbeitsplatz bis hin zu "Jetzt erst recht!".

Quelle: DANIEL ROLAND/dpa

Die Stimmung ist teilweise gedrückt vor Tor 17. Tausende VW-Arbeiter gehen hier täglich vorbei, die Bänder laufen auch am Tag 1 nach dem Rücktritt von Vorstandschef Martin Winterkorn wie gewohnt. Die VW-Beschäftigten fragen sich: Wie steckt ihr Arbeitgeber den Skandal um manipulierte Abgastests weg? Was bringt der Rücktritt des Chefs? Und ist der eigene Job nun in Gefahr? 

VW-Arbeiter: "Jetzt erst recht!"

Direkt an einem der Eingänge zum Volkswagengelände gibt es einen kleinen Haarsalon. Selbst dort will der Friseur seinen Namen nicht preisgeben, er kehrt gerade Flusen zusammen. Er ist nah dran an den Mitarbeitern, die Leute schütteten ihm ihr Herz aus und machten sich Sorgen, berichtet er. „Die da oben juckt das nicht“, sagt er. „Aber ein Arbeiter, der 1500 Euro verdient, braucht seinen Job.“ Sollten die Geschäfte von VW einbrechen, wäre das eine Katastrophe für die ganze Region, sagt der Friseur. „Wir leben alle hier von Volkswagen.“ Er verweist auf die vielen Zuliefererfirmen in und um Wolfsburg, auch in Braunschweig und Salzgitter hängen Tausende Arbeitsplätze an Volkswagen und Dienstleister wie der Friseur am Werksgelände verdienen ebenfalls indirekt an dem Autobauer. 

Vor Tor 17 hört man an diesem Tag 1 nach dem Abgang des Chefs immer wieder das Wort „Image“. Und das Wort „Schaden“. Der müsse nun wieder ausgebügelt werden, sagt der Mann in der Jeansjacke. Wird ihn das bei der Arbeit zusätzlich anspornen? „Ja, auf alle Fälle: Jetzt erst recht.“

Volkswagen zittert

Volkswagen zittert - und die Angestellten zittern mit. „Es macht mir Angst“, sagt ein graumelierter Mittfünfziger in VW-Kluft am Donnerstag. Seinen Namen will er wie alle Mitarbeiter an diesem Tag nicht in der Zeitung lesen, denn er fürchtet um seinen Arbeitsplatz. Wie viele in Wolfsburg hat der VW-Beschäftigte Verwandte in Italien. „Für die gab es bislang nur ein Auto: Volkswagen.“ Der Imageverlust schade allen im Konzern. Doch gestrichen würde zuerst bei den einfachen Arbeitern, fürchtet er. Dennoch steht er zu seinem Ex-Chef Winterkorn, der am Mittwoch seinen Rücktritt erklärt hatte - er kennt ihn von Auftritten bei Betriebsversammlungen. „Ich fand den gut.“ Es sei schade, dass der 68-Jährige nun gehe. Ein Kollege in Jeansjacke schätzt Winterkorn zwar ebenfalls, gibt aber zu bedenken: „Wenn er nichts von den Manipulationen gewusst hat, ist das schlecht. Sollte er etwas gewusst haben, ist das auch schlecht.“ 

Noch ist nicht abzusehen, welche Folgen der VW-Skandal um die gefälschten Abgaswerte bei Dieselautos haben wird. Europas größter Autobauer hatte eingeräumt, dass elf Millionen Motoren mit einer Software ausgestattet sind, um die Messung des Schadstoffausstoßes zu manipulieren. Auch wie es in der Führungsetage von VW weitergeht, ist noch unklar. Über einen neuen Vorstandsvorsitzenden will der Aufsichtsrat am Freitag beraten. 

dpa

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