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Aktuell WAZ-Interview mit dem neuen Manager: "Ich bin mit mir im Reinen"

VfL Wolfsburg WAZ-Interview mit dem neuen Manager: "Ich bin mit mir im Reinen"

Vor acht Tagen ist Klaus Allofs als neuer Geschäftsführer Sport beim VfL vorgestellt worden. Wie denkt er über den Wolfsburger Fußball-Bundesligisten? Was sagt er über seinen plötzlichen Abschied aus Bremen? Und wie tickt der 55-jährige Manager privat? Das und mehr beantwortet Allofs im großen Interview mit den WAZ-Sportredakteuren Andreas Pahlmann, Engelbert Hensel und Robert Schreier.

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Hat große Pläne mit dem VfL: Wolfsburgs neuer Manager Klaus Allofs.

WAZ : Herr Allofs, wie haben Sie eigentlich den VfL Wolfsburg in Ihrer Zeit bei Werder wahrgenommen?
Allofs (lacht): Sie verstehen, dass ich Ihnen irgendwelche Vorurteile jetzt nicht nochmal offenbare...

WAZ : Aber die Vorurteile gegenüber dem VfL sind doch sehr verbreitet, das wird Ihnen keiner übel nehmen...
Allofs : Zuletzt war das aus meiner Sicht so, dass es hier eine große Fluktuation gab. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Wenn ich jetzt die Treppen zu meinem Arbeitsplatz hochgehe, sehe ich die ganzen Mannschaftsfotos. Da sind viele verschiedene Trainer, da sind viele verschiedene Verantwortliche – und da sind sehr viele verschiedene Spieler. Darüber hinaus war der VfL für mich ein Klub, der einige Sorgen, die andere Vereine haben, nicht hat. Hier und da hat man sich über das System hier vielleicht auch mal geärgert.

WAZ : Also war der VfL für Sie auch ein Verein, der in schöner Regelmäßigkeit den großen Geldkoffer aufmacht, um mal wieder die Mannschaft auszutauschen?
Allofs : Das wurde von der Allgemeinheit teilweise so wahrgenommen. Aber es ist nicht so, dass man sagen kann: Das hier ist das Paradies und Geld spielt keine Rolle. Alles geht bestimmt nicht – und das Paradies ist auch nicht das, was ich suche.

WAZ : Sondern?
Allofs : Einen Klub, bei dem Möglichkeiten und Ambitionen zueinander passen und ich die Möglichkeit habe, die Entwicklung entscheidend mitzugestalten.

WAZ : In Bremen hat das funktioniert – indem man auf Kontinuität gesetzt hat, indem man etwa auch Spieler nach der Karriere eingebunden hat. Geht so etwas nur bei Werder?
Allofs : Kontinuität ist kein Prinzip. Bei Werder hat es sich so ergeben. Wenn sich Menschen mit einer Sache identifizieren, dann führt es eben dazu, dass man langfristig miteinander arbeiten kann.

WAZ : Klingt, als wäre der VfL eine Art Gegenentwurf zu Werder.
Allofs : Nein. Aber wir wollen hier eine gewisse Verlässlichkeit hinbekommen. Natürlich nimmt man Erfahrungen und Ideen aus 13 Jahren Bremen mit, aber ich möchte mich nicht nur darauf beschränken und immer sagen: In Bremen war es aber so und so. Das funktioniert nicht.

WAZ : Bei Ihrer Vorstellung hier hat VfL-Aufsichtsratschef Francisco Garcia Sanz gesagt: „Wir wollen ein sympathischer Verein werden.“ Dieser Mangel an Sympathie – war das auch ein Thema in den Gesprächen mit VW?
Allofs : Also ein Mangel an Sympathie heißt ja nicht gleich, dass etwas unsympathisch ist. Und mit Sympathie ist ja nicht gemeint, dass wir jetzt Everybodys Darling werden wollen. Wir wollen als seriöser Verein, der seine finanziellen Mittel sinnvoll einsetzt, wahrgenommen werden. Wir wollen, dass man sich in und um Wolfsburg mit dem VfL identifizieren kann.

WAZ : Hatten Sie eigentlich Angst, dass bei Ihrem plötzlichen Wechsel mitten in der Saison Ihre Reputation leiden könnte?
Allofs : Ich kann nicht erwarten, dass alle sagen: Mensch, das hat er richtig gemacht! Dass das öffentliche Interesse an diesem Wechsel so intensiv ist, hätte ich allerdings ehrlich gesagt nicht gedacht. Ich habe mich 13 Jahre lang klar zu meinem Klub bekannt, habe die Dinge ziemlich konsequent gemacht. Und ich denke auch nicht, dass sich durch den Wechsel an meinem Ansehen etwas verändert hat.

WAZ : Warum war genau jetzt der richtige Zeitpunkt, Bremen zu verlassen?
Allofs : Bevor ich vom Interesse aus Wolfsburg erfuhr, habe ich mich keine Sekunde mit dem Gedanken beschäftigt, Werder zu verlassen. Wir hatten tolle Jahre in Bremen und auch die laufende Saison hat wieder sehr viel Spaß gemacht. Aber dann kam diese Gelegenheit und ich habe mich gefragt: Kommt so etwas noch einmal wieder? Wahrscheinlich nicht!

WAZ : Aber wenn man sich jetzt Aussagen von Werder-Aufsichtsrat Willi Lemke oder von Ihrem ehemaligen Geschäftsführer-Kollegen Klaus-Dieter Fischer anhört, hat man nicht den Eindruck, dass alle mit Ihnen vollständig im Reinen sind...
Allofs : Doch, ich glaube, das sind sie. Dass es da Enttäuschung gibt, kann ich nachvollziehen. Man darf nicht vergessen, dass ich durch die Suche meines Nachfolgers ja auch eine Menge Arbeit hinterlassen habe. Aber insgesamt haben die Dinge bei Werder, was die Zusammenarbeit betrifft, gestimmt. Was  nicht heißt, dass es auch zwischendurch mal Reibereien gab. Doch das gehört auch mal dazu. Ich habe keine Gewissenskonflikte, ich bin mit mir im Reinen.

WAZ : Welche Rolle hat Ihre Familie bei diesem Wechsel gespielt?
Allofs : Meine Familie hat mich in meiner Entscheidung bestärkt und unterstützt mich hundertprozentig. Auch wenn wir uns in Bremen sehr wohl gefühlt haben, freuen wir uns jetzt auf die Zeit in Wolfsburg.

WAZ : Wie haben Ihre Nachbarn in Bremen reagiert?
Allofs : Die Runde, die meine Frau immer mit unserem Hund geht, dauert eigentlich rund 45 Minuten. Zuletzt hat sie dafür zweieinhalb Stunden gebraucht, weil die Nachbarn sie alle angehalten haben und ihr gesagt haben, wie schade es ist, dass wir gehen. Aber auch, dass sie Verständnis für unsere Entscheidung haben.

WAZ : Kommt Ihre Familie denn mit nach Wolfsburg?
Allofs : Meine Frau ist jetzt schon da.

WAZ : Haben Sie schon ein neues Haus gefunden?
Allofs : Wir suchen noch und hoffen, dass wir schnell etwas finden.

WAZ : Sind Sie eher ein Stadtmensch oder haben Sie gern das Grüne gleich um sich?
Allofs : Sowohl als auch, in Bremen haben wir im Grünen gewohnt. Das hat unserem Hund, einem Schäferhund-Collie-Mischling, sehr gut gefallen.

WAZ : Inwieweit können Sie schon sagen, wie groß das Fußball-Interesse in Wolfsburg im Vergleich zu Bremen ist?
Allofs : Bremen steht fast zu 100 Prozent hinter Werder. Hier kann ich das noch nicht so einschätzen. Aber ich habe gemerkt, dass alle fußballinteressiert sind. Wenn ich durch die Stadt gegangen bin, bin ich mit offenen Armen empfangen worden. Das war beeindruckend. Ich habe schon den Eindruck gewonnen, dass die Menschen hier sehr stolz sind auf die Stadt.

WAZ : Haben Sie ein Beispiel?
Allofs : Am Montag war ich zum Essen in einem Wolfsburger Restaurant. Es war voll, also haben wir uns zu zwei anderen Männern an den Tisch gesetzt. Beide waren sehr nett und haben
90 Minuten lang über die Vorzüge Wolfsburgs referiert. Da hat man schnell gespürt, wie stolz die Leute hier auf ihre Stadt sind.

WAZ : Züchten Sie eigentlich noch Pferde?
Allofs : Ich bin kein Züchter, besitze aber mit der Stiftung Gestüt Fährhof einige Galopp- Rennpferde.

WAZ : Wie sind Sie aufs Pferd gekommen, wurde Ihnen das mal als Geldanlage empfohlen?
Allofs : Nein, ich bin schon als kleiner Junge von meinem Großvater mit zur Rennbahn genommen worden. Das war in Düsseldorf-Grafenberg, in der Umgebung habe ich gewohnt und bin da aufgewachsen. Das Interesse für den Galopp-Rennsport war da natürlich programmiert. Mit der Folge, dass ich einen Teil meines ersten Gehalts als Profi nicht in ein Auto investiert habe, sondern in eine Beteiligung an einem Rennpferd.

WAZ : Was passiert schneller, dass der VfL Meister wird oder eines Ihrer Pferde Galopper des Jahres?
Allofs (grinst): Dass wir Meister werden.

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