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VfL Wolfsburg Britta Carlson über ihren Abschied beim VfL
Sportbuzzer VfL Wolfsburg Britta Carlson über ihren Abschied beim VfL
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20:46 01.06.2018
Von der VfL-Co-Trainerin zur Co-Trainerin der deutschen Nationalmannschaft: Britta Carlson wechselt in der kommenden Woche den Job. Quelle: Gero Gerewitz
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Wolfsburg

Saisonfinale – Abschiedszeit: Wenn die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg morgen (14 Uhr) gegen den 1. FC Köln das letzte Bundesliga-Spiel bestreiten, sagt auch Britta Carlson dem VfL „Tschüss“. 2007 war die damalige Nationalspielerin nach Wolfsburg gekommen, wurde nach einer Bundesliga-Saison Co-Trainerin des Teams. Für ihre Fußballlehrerinnen-Ausbildung und eine Tätigkeit als Verbandstrainerin verließ sie den VfL zwischenzeitlich, kehrte dann aber 2012 zurück, war Assistentin von Ralf Kellermann und seit dieser Saison von Stephan Lerch. Ab der kommenden Wochen ist Carlson (40) Co-Trainerin der deutschen Nationalmannschaft. AZ/WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann sprach mit der gebürtigen Kielerin.

Mit welchem Gefühl blicken Sie Ihrer Verabschiedung am Sonntag entgegen?

Ich mag solche Zeremonien eigentlich nicht, aber das wird schon sehr emotional – nicht nur bei mir, sondern auch bei Spielerinnen wie Luisa Wensing oder Merle Frohms, die sehr lange da waren.

Sie kamen 2007 als Spielerin zum VfL, der Frauenfußball insgesamt und die Bedingungen speziell hier in Wolfsburg haben sich seitdem sehr geändert...

Auf jeden Fall. Wir haben damals dreimal die Woche abends trainiert, das war’s – und wir hatten alle auch noch einen Job. Heute sind die meisten Spielerinnen Profis und spielen unter sehr professionellen Bedingungen.

Und heute gehören immer mehr Frauen-Teams zu Vereinen, die auch in der Männer-Bundesliga aktiv sind – Wolfsburg, Bayern, Freiburg, Hoffenheim, vielleicht bald auch Frankfurt. Ein guter Trend?

Es gibt wahrscheinlich keine Alternative. So schön es war, dass Klubs wie Turbine Potsdam oder der 1. FFC Frankfurt mit viel Idealismus und Begeisterung den Frauenfußball nach vorne gebracht haben, strukturell sind die Männer-Bundesligisten einfach im Vorteil. Wichtig ist, dass diese Fannähe und der Idealismus auch von Frauenteams in großen Klubs weiter gelebt werden. Ich denke, wir in Wolfsburg bekommen das ganz gut hin.

Und strukturell...?

...können wir in Wolfsburg auf internationalem Top-Niveau schon jetzt eigentlich nicht mehr mithalten.

Wie meinen Sie das?

In England etwa nutzen die Frauenmannschaften von Chelsea oder Manchester City komplett alle Anlagen des Männerteams, das macht diese Vereine auch für Top-Spielerinnen attraktiv. In Lyon stellt der Präsident Aulas den Frauen die gleichen Strukturen zur Verfügung wie den Männer und der Verein lebt ein gemeinsames Motto: "Nous sommes l´Olympique Lyonnais“, wir sind Olympique Lyon. In Wolfsburg ist alles auf drei Standorte verteilt – Elsterweg, Akademie, AOK-Stadion. Das ist historisch so gewachsen, da kann man niemandem einen Vorwurf machen. Aber ich würde mir für den VfL wünschen, dass sich in dieser Richtung noch etwas bewegt, um weiter mit den großen Klubs mithalten zu können.

Jetzt geht es für Sie zum DFB - warum haben Sie sich dafür entschieden?

Es ist so etwas wie ein nächster Schritt. Und das Angebot, für eine Nationalmannschaft zu arbeiten, bekommt man ja nicht alle Tage. Für mich ist es eine Ehre!

Es wäre auch ein nächster Schritt gewesen, eine Bundesliga-Mannschaft als Cheftrainerin zu übernehmen...

Da gab es mal die eine oder andere lockere Anfrage, aber das hat mich nie wirklich gereizt. Beim VfL Wolfsburg konnte ich unter absolut professionellen Bedingungen mit einem Vollzeit-Team arbeiten – und ehrlich gesagt, möchte ich, was das betrifft, keinen Rückschritt machen.

Die deutsche Nationalmannschaft befindet sich nach dem frühen EM-Aus im vergangenen Jahr in einer schwierigen Phase. Wo sehen Sie den deutschen Frauenfußball international?

Wir haben weiterhin Top-Spielerinnen. Aber nach so einer EM wird natürlich viel hinterfragt. Was müssen wir in der Spitze verändern? Wie sieht es mit den Nachwuchs-Nationalmannschaften aus? Was bringt die U-17-Bundesliga? Ich denke, da wird es die richtigen Antworten geben, wenn man die richtigen Fragen stellt.

Der Mädchen-Fußball boomt, es gibt auch immer mehr Mädchen-Ligen, Sie hingegen mussten noch relativ lange mit Jungs zusammenspielen...

Ich finde es toll, dass mittlerweile viele Mädchen in Mädchenteams spielen können. Aber für die Spitze des Frauenfußballs ist diese Entwicklung vielleicht nicht unbedingt ein Vorteil.

Wie meinen Sie das?

Es ist auch heute noch so, dass die Top-Spielerinnen meistens relativ lange mit Jungs zusammengespielt haben – und dass das für ihre Entwicklung gut und wichtig war. Warum nicht 16-jährige Fußballerinnen mit der männlichen U 14 spielen lassen? Aber das sind Grundsatzfragen, über die ich eigentlich nicht reden sollte (lacht).

Warum nicht?

Ich habe immer gesagt, dass ich bis zum letzten Spieltag nur an den VfL denke – und dieses letzte Spiel haben wir am Sonntag gegen Köln. Und ich würde mich da gern an meine eigene Vorgabe halten.

Von Andreas Pahlmann

Am Samstag (15.30 Uhr) steigt das Kellerduell zwischen dem VfL Wolfsburg und dem Hamburger SV. Vorab hat sich AZ/WAZ-Sportredakteur Marcel Westermann mit Marcell Jansen unterhalten, der nicht nur jahrelang für den Bundesliga-Dino aufgelaufen ist, sondern auch den jetzigen Trainer Bruno Labbadia aus seiner aktiven Karriere sehr gut kennt.

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