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Sex, Prügel und Basketball

Die New York Knicks sind die Lachnummer der NBA Sex, Prügel und Basketball

Die New York Knicks aus der US-Basketballliga NBA versinken im Chaos, selbst Edelfan Spike Lee wirft das Handtuch. Ein Trauerspiel abseits des Broadways.

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Haben nicht viel zu lachen: Knicks-Superstar Carmelo Anthony (l.) und Teamkollege Courtney Lee.

Quelle: imago26626603h

New York. Es gibt Geschichten, die sind zu schlecht für eine Seifenoper. Dies wäre solch eine: Der Sportchef des FC Bayern kritisiert Nationalstürmer Thomas Müller wochenlang hinter vorgehaltener Hand. Münchens Trainer Carlo Ancelotti bekommt vom Management das Spielsystem vorgeschrieben. Und während eines Heimspiels lassen die Vereinsbosse Bayern-Legende Paul Breitner von Sicherheitskräften aus dem Stadion schmeißen, ein Millionenpublikum verfolgt es live vor dem Fernseher. Unvorstellbar? Nicht bei den New York Knicks aus der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA, die seit Jahren an ihrem Image als Chaosclub arbeiten.

Vom Ruhm vergangener Zeiten ist nicht viel geblieben

Der Madison Square Garden, die Heimatstätte der Knicks, gilt bei vielen Spielern und Fans noch heute als das „Mekka des Basketballs“. Hier lieferten sich die Los Angeles Lakers um Wilt Chamberlain in den 70er Jahren unvergessene Duelle mit dem Team aus dem Herzen Manhattans, hier elektrisierte Michael Jordan in den 90ern die Massen und in keiner anderen Arena hat NBA-Superstar LeBron James geglänzt wie hier. Doch bei den Knicks ist nicht viel übrig vom Ruhm vergangener Zeiten: Nur drei Mal in den letzten 15 Jahren erreichten sie die Playoffs, die Endrunde der 16 besten NBA-Teams. Elf Trainer wurden im selben Zeitraum verschlissen. Und für Schlagzeilen in den New Yorker Boulevardzeitungen sorgen inzwischen häufiger die Skandale von Spielern und Management als die Erfolge der Mannschaft.

Einher ging der Niedergang mit der Übernahme des Vereins durch Kabelfernseh-Milliardär James Dolan. Katastrophale Fehlentscheidung beim Draft, der Wahl der besten College-Spieler, Millionen-Verträge für Stars, die sonst kein Verein verpflichten wollte, und der Bruch mit den Idolen der Fans prägen seine Regentschaft. Bei der Wahl der unbeliebtesten Teambesitzer in New York landet Dolan regelmäßig auf Platz eins.

Phil Jackson: Vom Retter zum Sündenbock

Viele Experten machen die anhaltende sportliche Talfahrt aber auch am zweiten starken Mann des Clubs fest. Im März 2014 präsentierte Dolan den legendären NBA-Trainer Phil Jackson als Retter der taumelnden Franchise. Der hatte mit den Chicago Bulls und den Los Angeles Lakers seit den frühen 90er Jahren elf Meisterschaften gewonnen, mehr als jeder andere NBA-Coach. Doch nicht als Trainer, sondern als Teampräsident, als Chef für alle sportlichen Belange, sollte Jackson die Knicks zurück in die Erfolgsspur führen. Eine Rolle, die Jackson zuvor nie inne hatte. Völlig zu Recht, sagen inzwischen viele Kritiker, denn seine Bilanz bei den Knicks ist verheerend: Seit Jacksons Amtsübernahme schlossen die Knicks jede Spielzeit mit mehr Niederlagen als Siegen ab, 45 Spieler haben seitdem das Trikot der Knicks übergestreift, an der Seitenlinie steht inzwischen der vierte Trainer. Vor allem letztere haben es unter Jackson schwer: Der 71-Jährige besteht darauf, dass die Knicks die „Triangle Offense“ spielen, ein System, mit dem er zwei Jahrzehnte lange überragende Erfolge gefeiert hatte, das unter Experten aber inzwischen als überholt gilt.

Neuzugang fehlte wegen Missbrauchs-Prozess

So weit, so schlecht. Doch was in dieser Saison passiert, übersteigt selbst die größten Befürchtungen der viel Kummer gewohnten Knicks-Fans. Es ging im Spätsommer 2016 los mit einem Vergewaltigungsprozess gegen den gerade erst aus Chicago verpflichteten Star-Aufbauspieler Derrick Rose. Während sich seine Mitspieler im Trainingslager auf die Saison vorbereiteten, sah sich Rose in Los Angeles mit Missbrauchs-Vorwürfen und einer millionenschweren Zivilklage konfrontiert. Rose bestritt die Anschuldigungen stets, am Ende gab es einen Freispruch; trotzdem hatten die Sportradio-Sender der Stadt wochenlang kein anderes Thema.

Tischtuch mit Superstar Anthony scheint zerschnitten

Das Chaos ging dann aber erst richtig los, als nächstes im Mittelpunkt: Knicks-Superstar Carmelo Anthony. Vor sechs Jahren als großer Hoffnungsträger verpflichtet, hat er die in ihn gesetzten Erwartungen nie ganz erfüllen können. Im Umfeld der Knicks ist es inzwischen ein offenes Geheimnis, dass Teampräsident Jackson seinen Star, der noch einen Vertrag bis 2019 besitzt, lieber gestern als heute loswerden würde. Offen sagt Jackson das aber nicht – er hat seit Saisonbeginn kein Wort mit Journalisten gesprochen. Der Knicks-Präsident setzt auf subtilere Angriffe: Über lancierte Medienberichte und kryptische Tweets demontiert er Anthony seit Wochen, das Tischtuch zwischen beiden scheint zerschnitten. Dass der Flügelspieler überhaupt noch bei den Knicks spielt, hat einen einfachen Grund: Er will New York nicht verlassen und hat als einer von nur drei Spielern in der Liga eine No-Trade-Klausel in seinem Vertrag. Bedeutet: Anthony muss jedem Tausch zu einem anderen Team zustimmen. Vereinbart hatte dieses ungewöhnliche Vertragsdetail Phil Jackson.

Eklat um Knicks-Legende

Ihren vorläufigen Tiefpunkt erreichte die Saison am 8. Februar. Während eines live im nationalen Fernsehen übertragenen Spiels gegen die L.A. Clippers kam es im Publikum, nur wenige Meter vom Platz des Teambesitzers entfernt, zu einem Handgemenge. Mittendrin: Knicks-Legende Charles Oakley, wegen seiner robusten Spielweise noch heute von den Fans geliebt. Handyaufnahmen zeigen, wie Oakley von Sicherheitspersonal bedrängt wird, er nach einem Wortgefecht einen der Männer schubst und schließlich aus der Halle gezerrt wird. Warum genau die Situation eskalierte, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Kein Geheimnis ist allerdings, dass Oakley im Garden schon lange kein gern gesehener Gast mehr war: Er hatte Dolan in der Vergangenheit immer wieder heftig kritisiert.

Wer dachte, mehr Seifenoper geht nicht, sah sich getäuscht. Nur Minuten nach dem Vorfall veröffentlichte die PR-Abteilung der Knicks eine Pressemitteilung: Oakley habe sich während des Spiels höchst unangebracht und völlig ausfallend verhalten, stand da. „Er war ein großartiger Knick und wir hoffen, dass er bald Hilfe bekommt.“ Und am nächsten Tag legte Dolan, der noch seltener mit Journalisten spricht als sein Teampräsident, in einem Radiointerview nach: „Ich denke, Charles hat Probleme. Er ist physisch und verbal ausfallend. Er könnte ein Alkoholproblem haben, wir wissen es nicht.“ Unterstellungen, die selbst Filmregisseur Spike Lee, Dauergast und Edelfan der Knicks, die Zornesröte ins Gesicht trieben: „Wie kann man behaupten, jemand sei ein Alkoholiker?“, schimpfte er. Und auf Teampräsident Phil Jackson angesprochen, meinte der Star-Regisseur: „Ich würde Jackson helfen, seine Koffer zu packen.“

Auch sportlich eine Lachnummer

Dass es auch sportlich wieder nicht rund läuft, verkommt da schon fast zur Randnotiz: Nachdem das Team zu Saisonbeginn immerhin noch 14 der ersten 24 Spiele gewinnen konnte, hagelte es danach Pleiten in Serie. Sechs Wochen vor Ende der Spielzeit stehen die Knicks inzwischen bei einer Bilanz von 24 Siegen und 36 Niederlagen, die Playoffs sind auch in diesem Jahr kaum noch zu erreichen. Doch wenigstens aus finanzieller Sicht muss sich James Dolan keine Sorgen machen: Mit einem Wert von 3,3 Milliarden Dollar sind die Knicks laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes das teuerste aller NBA-Teams. Zumindest in diesem Punkt gibt es dann doch noch eine Gemeinsamkeit mit den Bayern, einem der wertvollsten Fußballclubs der Welt.

Von Sebastian Heintz

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