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Sport überregional Boris Becker wird „Head of Mens Tennis“ beim DTB
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19:00 21.08.2017
Übernimmt einen Job beim Deutschen Tennis-Bund: Boris Becker.  Quelle: DPA
Frankfurt

 Es ist eine kleine Ewigkeit her, dass Dirk Hordorff eine provozierende Frage stellte. Diese Frage lautete: „Was macht eigentlich ein Teamchef?“ Das war im Herbst 1999, auf dem Höhepunkt eines Machtkampfes, den der 61-jährige Bad Homburger Tennisfunktionär mit dem dreimaligen Wimbledon-Champion Boris Becker führte. Becker war Teamchef der deutschen Davis-Cup-Mannschaft – und Hordorff sein größter Gegner. Irgendwann in den Scharmützeln waren sie in jenen Zeiten dann aber alle Verlierer, Hordorff gab sein Amt als Sportwart des Deutsche Tennis Bundes (DTB) auf, Becker legte Ende 1999 seinen Job bei der Nationalmannschaft entnervt nieder.

Wie sich die Zeiten ändern können. Wenn der DTB am Mittwoch zu einer Pressekonferenz in den Plenarsaal des Frankfurter Römers bittet, dann werden Becker und Hordorff zusammen auf dem Podium sitzen. Die Eiszeit zwischen den früheren Streithähnen ist vorüber, man respektiert und schätzt sich. Und beide sind zentrale Figuren – bei der spektakulärsten Personalrochade im deutschen Tennis in jüngerer Zeit. 16 Jahre und acht Monate nach seiner Demission wird Becker wieder eine wichtige Rolle im nationalen Männertennis einnehmen, darum geht es nicht nur, aber vor allem bei dem Medientermin mit „spannenden Neuigkeiten“ (so die Ankündigung des Verbands).

Becker und der DTB hatten über eine Zusammenarbeit mehrfach in diesem Jahr gesprochen, Becker hatte betont, dass er sich vorstellen könne, wieder für den Verband tätig zu werden, „in welcher Funktion auch immer“.

Bedeutende Funktion beim Davis-Cup-Team

Hordorff gilt inzwischen als Fürsprecher des Champions, der DTB-Vizepräsident für den Leistungssport scheint es zuvorderst gewesen zu sein, der an der Einfädelung des Deals mit dem 49-Jährigen beteiligt war. Offiziell bestätigt wird die Vereinbarung nicht von Hordorff („Das ist reine Spekulation“) und den DTB-Präsidiumskollegen, aber am Engagement Beckers bestehe kein Zweifel, verlautete aus dem Umfeld des Verbandes.

So werde Becker in seiner Arbeit auch eine bedeutende Funktion beim Davis-Cup-Team haben, hieß es. Jobtitel: Head of Mens Tennis. Man darf wohl davon ausgehen, dass er bei der Davis-Cup-Relegationspartie im September in Portugal, bei der es um den Verbleib in der Weltgruppe geht, zum Team stoßen wird. Er könnte Aufgaben erledigen, die vorher Niki Pilic, früherer Erfolgscoach, eingenommen hatte.

Beckers DTB-Einstieg ist nicht die einzige Personalie, die mit einem Knalleffekt daherkommt kurz vor den US Open, dem letzten Grand-Slam-Turnier der Saison: Denn nach gut zwölf Jahren als Chefin des deutschen Fed-Cup-Teams wird nach Recherchen dieser Zeitung auch Barbara Rittner eine neue Rolle übernehmen und sich aus vorderster Front zurückziehen. Wer sie beerben soll, blieb noch unbekannt.

Doch die sich abzeichnende Rückkehr Beckers zum DTB stellt das Wechselspiel bei den Frauen in den Hintergrund. Für ein paar Wochen war der einstige Nationalheld im Sommerloch verschwunden, nachdem ihn in Wimbledon die Schlagzeilen um seine Finanzen begleitet hatten. Nun taucht der jüngste Wimbledonsieger der Geschichte wieder auf als jemand, der dem deutschen Männertennis Schwung und Leben einhauchen soll. Becker hatte seine Expertise zuletzt auch nach Ansicht der DTB-Spitzenleute als Trainer des früheren Weltranglistenersten Novak Djokovic und in seiner Rolle als TV-Kommentator bewiesen. Er soll für das deutsche Tennis mit einem neu aufgestellten DTB der Leuchtturm sein, der neue Strahlkraft bringt.

„Er hat einfach großen Spaß daran, für das deutsche Tennis zu arbeiten“

Der 49-Jährige soll mit seiner Präsenz etwa dafür sorgen, dass ein aufstrebender Alexander Zverev und ein Nachwuchsmann wie der 16-jährige Berliner Rudi Molleker für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen. Allerdings kennt Becker auch aus seiner ersten Schaffensperiode als Teamchef im Davis Cup die Probleme mit jüngeren Profis und ihrem Umfeld, damals mit Nicolas Kiefer und Tommy Haas.

Derzeit bemüht sich der DTB um Ausnahmetalent Nicola Kuhn. Der 17-Jährige hatte zwar im Dezember 2015 die spanische Staatsbürgerschaft angenommen, sei aber nicht mehr glücklich mit dieser Entscheidung. Aber die Kombination Zverev, Molleker, Kuhn weckt bei den Funktionären Zukunftsträume.

Gerüchte über eine Verpflichtung Beckers waren bereits Mitte Februar am Rande der deutschen Erstrundenpartie gegen Belgien im Davis Cup aufgekommen. Doch Becker war damals in Frankfurt selbst in der Öffentlichkeit vorgeprescht, er hatte nach einem Gespräch mit den DTB-Funktionären eine Beschäftigung beim Verband thematisiert – trotz verabredeter Diskretion. Die Funktionäre waren irritiert, aber es änderte sich nichts am DTB-Interesse, Becker in ihre Dienste zurückzuholen. Und offenbar will der auch: „Er hat einfach großen Spaß daran, für das deutsche Tennis zu arbeiten“, sagt ein DTB-Insider.

Von Jörg Allmeroth/RND