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Sport in Wolfsburg Nina Pape und Co.: Für sie ist nur eine Halle hoch genug
Sportbuzzer Sportmix Sport in Wolfsburg Nina Pape und Co.: Für sie ist nur eine Halle hoch genug
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14:04 08.11.2018
Großes Talent und große Sprünge: Nina Pape vom FC Reislingen ist eine der besten Trampolinturnerinnen Deutschlands, darf jetzt erneut zur Weltmeisterschaft. Quelle: Tim Schulze
Reislingen

Sie fliegt. Hoch, höher, drei Meter, vier Meter, fünf Meter, ein Salto in der Luft, dann zwei, Übergang in eine geschraubte Drehung, freier Fall – und wieder hoch. Nina Pape fliegt. Es sieht so einfach aus, wenn Wolfsburgs beste Trampolin-Turnerin abhebt. Bei meinem Trainingsbesuch in der Dreifeld-Halle in Reislingen, die als einzige in Wolfsburg hoch genug ist für diesen Sport, wird mir schnell klar: Dahinter steckt Schwerstarbeit.

Fünfmal in der Woche Training

Fünfmal in der Woche trainiert Pape beim FC Reislingen. Nicht nur jetzt, kurz vor der Jugend-Weltmeisterschaft im Trampolin-Turnen in St. Petersburg. Am 9. November ist Abflug. Fünfmal Training in der Woche, dazu Lehrgänge an den Stützpunkten, das ist nicht nur für Pape normal, auch für einige andere aus der Leistungsgruppe des FC Reislingen, der mit Trainerin Bianca Baumgärtner in Niedersachsen zu einer Hochburg dieses Sports geworden ist. Die 14-Jährige allerdings ist buchstäblich die Überfliegerin.

Als sie sieben war, nervte sie ihre Eltern so lange, bis sie ein Garten-Trampolin bekam. „Meine Cousine hatte Trampolinturnen gemacht, ich hatte auch Spaß dran. Ich bekam das Trampolin. Meine Mutter war aber nicht begeistert“, erinnert sich die Reislingerin. Pape kniete sich rein. Ihr wurde klar: „Ich will mehr können. Das will ich regelmäßig machen.“ Also startete sie in der Abteilung durch.

Spielerisch leicht sieht es aus. Pape fliegt, ich stehe direkt am Mattenrand, bekomme Gänsehaut an den Armen. Dann weiß ich, warum. Baumgärtner sagt: „Das war Ninas WM-Kür!“

Es geht bis zu neun Meter hoch

Trampolinturnen ist kein Rumgehüpfe. Ohne Sprungkraft keine Höhe, ohne Körperspannung und absolute körperliche Fitness keine Eleganz, keine guten Haltungsnoten, weniger schwere Sprünge. Und weniger Air-Time. Die Zeit in der Luft – sie ist ein Wertungskriterium. Und sie ist auch das, was Sportlerinnen wie Pape süchtig macht. Und ihnen die Möglichkeit zu neuen Figuren gibt. Die Gymnasiastin erklärt: „Das Faszinierende ist, dass man immer wieder etwas Neues machen kann, dass es immer weitergeht.“

Gut drauf: Top-Trampolin-Turnerin Nina Pape vom FC Reislingen freut sich auf die WM in St. Petersburg. Quelle: Tim Schulze

Spitzenturner springen bis zu neun Meter hoch. Es sieht so leicht aus. Aber es ist schwer. Und nicht ungefährlich. Pape brach sich 2016 das Schienbein und verpasste eine ganze Saison. Schlimm. Und im Nachhinein doch gut. „Es war eine Zeit, den Kopf freizubekommen.“ Ohne die Chance, regelmäßig zu springen, vernachlässigte sie vieles. Ohne ihren Sport fehlte ihrem ganzen Tag Struktur. In der Schule „ging es fast einen Notenpunkt runter, obwohl ich eigentlich eine gute Schülerin bin“. Die Zwangspause zeigte ihr: „Ich will springen.“ Sie kehrte nach einer verlorenen Saison zurück. Fand rasant zur alten Leistung, war 2017 mit Niedersachsens Team DM-Dritte, startete danach bei der Jugend-WM in Sofia und wurde jüngst mit einer Partnerin aus Frankfurt deutsche Synchronmeisterin. Angst darf sie nicht haben, hat sie auch nicht. Aber: „Den Sprung, bei dem ich mich verletzt habe, den habe ich nicht wieder gemacht.“ Muss sie auch nicht. Es gibt genügend andere.

Nina Pape in Aktion: Die Sprünge tragen sie auch mal sechs Meter hoch. Quelle: Tim Schulze

Pape ist sehr realistisch

Nina Pape fliegt. Es sieht so einfach aus. In ihrem Alter zählt sie zur Elite Deutschlands. Wo fliegt sie noch hin? Da bleibt das Talent, das so hoch hinaus kommt, geerdet: „Wenn ich sehe, wie die Spitzenturner anderer Länder trainieren, dass sie teilweise in Internaten sind, wie sie unterstützt werden – dann weiß ich, dass es mit einer Olympiateilnahme für mich wohl nicht klappen wird.“ Einen automatischen Startplatz habe man nämlich auch als Deutschlands Beste nicht. Die Reisen zu internationalen Wettkämpfen – sie gehen übrigens immer auch ans Portemonnaie der Aktiven und ihrer Familien. Bei der Jugend-WM muss sie in der Altersklasse 15/16 ran, die meisten Konkurrentinnen sind älter. „Ein Platz unter den Top 40“ würde sie unter den 80 Besten der Welt glücklich machen. Weiter macht sie sowieso. Auch ohne Medaille. Pape: „Weil es einfach Spaß macht, besser zu werden.“ Und höher zu springen. Und länger zu fliegen.

Die Trampolin-Hochburg FC Reislingen

Dreifeldhalle Reislingen-Südwest, hier ist Wolfsburgs abgehobenste Sportabteilung zu Hause. Die Trampoliner des FC Reislingen. Die 65-köpfige Sparte sammelt Medaillen am Fließband in Bezirk und Land. Bei der deutschen Meisterschaft startete jüngst ein Quintett: Nina Pape, Kira Rother, Michelle Baumgärtner, Kiana Katzenberger und Marrit Ramacher. Sie bilden die Leistungsgruppe.

Kiana Katzenberger: Eine weitere hervorragende Turnerin des FCR. Quelle: Tim Schulze

Trainerin Bianca Baumgärtner hat sie geformt, oder formt sie noch, wie die jungen Ramacher und Emma Schubert. Trampolinspringen ist aber nicht so einfach, wie es aussieht. „Turnerische Grundausbildung ist von Vorteil“, so die Trainerin. Früher war sie selbst aktiv. Als die Abteilung dann keine Trainerin mehr hatte, „bin ich ins kalte Wasser gesprungen, ich wollte, dass es weitergeht“, sagt sie. Da war sie 20. Die Sparte ist gewachsen, Mit Karen Horn und Jessica Schubert kamen zwei Trainerinnen dazu, Michelle Baumgärtner und Rother als Spitzensportlerinnen helfen schon bei der Nachwuchsausbildung, beraten, korrigieren. An jedem Gerät steht eine Aufsicht, stets bereit eine Matte unter die Aktiven zu schubsen, bevor die landen. Bianca Baumgärtner: „Wenn wir sehen können, dass es gefährlich wird, bremsen wir so den Sprung.“

Trainerin Bianca Baumgärtner: Sie formte die Trampolin-Asse des FC Reislingen. Quelle: privat

Sprunghöhe, Zeit in der Luft, Haltung, Schwierigkeit der Flugteile, das alles wird gewertet. Seit drei Jahren läuft im Training immer eine Kamera, mit Laptop verbunden, mit. „So können die Mädchen ihre Übung selbst kontrollieren“, erklärt die Trainerin. Um möglichst starke Mannschaften oder auch Synchronpaare bilden zu können, arbeitet der FCR seit einiger Zeit eng mit der TGJ Salzgitter zusammen. Schade nur: Geräte und Reisen zu Wettkämpfen sind kostspielig. „Die Eltern müssen viel in Eigeninitiative aufbringen“, so Baumgärtner. „Wir freuen uns über jede Unterstützung.“ Große Sprünge – sie kommen nicht von allein.

Von Jürgen Braun

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