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Sport in Wolfsburg Olympia-Interview mit Box-Ass Patrick Wojcicki
Sportbuzzer Sportmix Sport in Wolfsburg Olympia-Interview mit Box-Ass Patrick Wojcicki
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23:05 19.07.2012
Voller Vorfreude auf seine größte Herausforderung: AKBC-Boxer Patrick Wojcicki vor den Olympischen Spielen.

Mit WAZ-Sportjournalist Daniel Hotop (kl. Bild) sprach der 20-Jährige über seine dreimonatige Vorbereitungsphase, seine ärgsten Konkurrenten bei den Spielen in London und darüber, warum es in London keine Angstgegner für ihn gibt.

WAZ: Wenn Sie in London Ihren ersten Kampf bestreiten, werden Sie seit drei Monaten – seit der Olympia-Quali in Trabzon – keinen Kampf bestritten haben. Ist es nicht gefährlich, ohne Wettkampfpraxis in das Turnier zu gehen?
Wojcicki: Ich habe vorher sehr viel geboxt. Ich denke nicht, dass das ein Nachteil ist. Außerdem haben wir in den Trainingslagern gesparrt.

WAZ: Aber ist Sparring mit Wettkämpfen vergleichbar?
Wojcicki: Von der körperlichen Belastung her ist es schon ähnlich, auch wenn man nicht alles zeigt. Und psychisch werden die Spiele ohnehin etwas ganz Anderes. Wir werden so trainiert, dass wir zum ersten Kampf bei 100 Prozent sind.

WAZ: Das war bei der WM vor einem Jahr auch schon so – da hat es aber nicht geklappt…
Wojcicki: Das stimmt, aber es gibt große Unterschiede zu der Vorbereitung damals. Ich habe den Eindruck, dass jetzt alles viel besser durchdacht ist. Jetzt powern wir zwei Tage durch und machen einen Tag etwas lockerer.

WAZ: Wie groß ist Ihre Olympia-Vorfreude?
Wojcicki: Die hatte sich bei der Einkleidung in Mainz eingestellt, war durch meine Mandelentzündung aber etwas verschwunden. Doch vor kurzem waren wir mit Trainer Vladimir Pletnev in der Sauna und er hat von Peking 2008 erzählt – da kam die Vorfreude wieder auf.

WAZ: Sie sind die gesamte Vorbereitung mit den drei weiteren Boxern und dem Trainerteam zusammen. Gibt‘s da keinen Lagerkoller?
Wojcicki: Wir Sportler verstehen uns ziemlich gut, sind eine ganz lustige Truppe. Ich bin am meisten mit unserem Schwergewichtler Erik Pfeiffer zusammen, wir teilen uns ein Zimmer. Und auch mit den Trainern funktioniert das gut, vor Olympia erfüllen sie uns natürlich fast jeden Wunsch.

WAZ: Haben Sie abseits der Boxwettkämpfe etwas, auf das Sie sich am meisten freuen?
Wojcicki: Die Eröffnungsfeier! Da mittendrin zu sein, das wird schon ganz geil.

WAZ: Und sportlich?
Wojcicki: Das Ziel ist auf jeden Fall eine Medaille! Ob es klappt, wie die Auslosung ist, das kann man nicht einschätzen. Aber mit etwas Glück kann ich es schaffen.

WAZ: Drei Siege bräuchten Sie bis ins olympische Halbfinale. Wen würden Sie am liebsten auf diesem Weg meiden?
Wojcicki: Den Ukrainer Taras Shelestyuk, den Kasachen Serek Sapijev, den Russen Andrey Zamkovoy – und auch der Amerikaner Eroll Spence ist sehr stark. Aber das sind für mich auch keine Angstgegner.

WAZ: Wie meinen Sie das?
Wojcicki: Angstgegner klingt danach, dass ich Schiss hätte, sie zu boxen. Das stimmt aber nicht. Angstgegner gibt es für mich nicht. Das sind Gegner, gegen die meine Chancen nicht so gut stehen. Zum Beispiel Sapijev, gegen den ich im Februar beim Chemiepokal verloren habe. Er ist eine Klasse für sich, aber ich lag nach den ersten zwei Runden nur mit zwei Punkten hinten. In der dritten habe ich dann aufgemacht und mit 6:11 verloren.

WAZ: Im Boxen ändert sich häufiger mal der Stil, wie man boxen muss, um zu punkten. Wie wird das bei Olympia sein?
Wojcicki: Man muss Kombinationen schlagen, aber mit Akzent. Zum Beispiel zweimal vorbereiten und dann den dritten treffen. Das aktivere Boxen wird gefördert, nicht das zurückhaltende wie vorher.

WAZ: Was kommt nach London? Ein Wechsel zu den Profis oder ein Einstieg in die Profi-Serie der Amateure, wo Sie weiter bei Olympia starten dürften?
Wojcicki: Dann mache ich erst mal Urlaub! Ich denke nicht, dass die Serie des Weltverbands AIBA gleich ein Thema wird. Da würden zwölf pro Gewichtsklasse starten, man würde also immer gegen die Topleute boxen. Bei den Profis bestreitet man erst Aufbaukämpfe. Das Profi-Lager ist immer Thema, aber man muss erst einmal abwarten, was einem geboten wird.