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Sport in Gifhorn Steffen Lehmker aus Osloß: Der Viertel-Skandinavier googelt sich zu den Paralympics
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22:24 07.03.2018
Er kam aus dem Nichts angerauscht: Der Osloßer Steffen Lehmker wurde binnen vier Jahren zum Starter bei den Paralympics. Quelle: Ralf Kuckuck
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Pyeongchang

Der Ursprung der Antwort liegt zwei Generationen zurück. „Meine Großmutter kommt aus Norwegen“, verrät Lehmker. Zuvor war dieser Familienzweig in Schweden beheimatet. Damit ist er Viertel-Skandinavier. Seine Mutter Elke und vor allem sein Vater Rolf sind zudem begeisterte Biathlon-Fans. „Urlaube am Holmenkollen in Oslo oder in Antholz in Südtirol waren bei uns an der Tagesordnung – und als Kind musste ich ja mit“, sagt Lehmker verschmitzt. Er selbst fährt auch Ski, traf im Kindesalter Biathlon-Legenden wie Ole Einar Björndalen oder Sven Fischer. „Da war keiner abgeschirmt. Mein Vater hat sie angesprochen – und dann hat man sich zusammengesetzt.“ Bleibende Eindrücke: „Ich wollte schon als Kind so richtig schön geschmeidig laufen können wie die Biathleten.“ Für Lehmker eine besondere Herausforderung.

Denn: Sein rechter Arm ist nur begrenzt einsatzfähig. „Es war eine schwierige Geburt. Ich wäre beinahe gestorben. Die Ärzte mussten reagieren, haben mich am rechten Arm quasi rausgezogen. Dabei sind Nerven und Sehnen gerissen – und die Teillähmung entstand“, erzählt der 29-Jährige. Plexuslähmung heißt das Handicap, behindert fühlt sich Lehmker aber nicht. „Ich kenn’s nicht anders. Ich habe gar nicht so gespürt zu sagen, Mensch, wie wäre das jetzt, einen normalen rechten Arm zu haben“, berichtet der Lehramtsstudent (Wirtschaft und Sport). Grenzen („Ein Handstand geht nicht“) kennt er fast keine, spielt sogar Schlagzeug. „Da kann man kreativ sein, die Motorik ist zudem eine ganz andere.“

Überhaupt ist er ein Universaltalent. Gesundheitliche Probleme machen ihn zum Ernährungsexperten, sein „Hochleistungsmixer“ ist seitdem immer im Gepäck, Smoothies stehen auf dem Speiseplan. Tipps und Rezepte hat er im Buch „Sexy Raw Food“ veröffentlicht.

Die sportliche Weichenstellung kommt 2014. Mal wieder Winterurlaub. Sein Bruder Jens sieht sich die Paralympics in Sotschi im TV an – und animiert den jüngeren Bruder: „Steffen, das kannst du auch – du musst dich da mal bewerben.“

Er hört auf den Bruder, googelt nach einem Kontakt („Ich hatte bis dahin nicht gewusst, dass es diese Wettbewerbe überhaupt gibt“) – und darf sich im Sommertrainingslager zeigen. Er ist Mitte 20, der Großteil der Teilnehmer erst 14, 15 Jahre jung. „Das hat mich motiviert, schnell den Sprung ins Nationalteam zu schaffen“, grinst Lehmker. Das Gute: Er bringt als Marathonläufer die Ausdauer mit, kann sich hauptsächlich um die perfekte Technik kümmern. Schon als Kind ist er irgendwann mit nur einem Stock gelaufen. Einen zweiten kann er halten, aber „der ist mir dann vor die Beine geschlingert. Das hat mich eher behindert.“

Er lernt schnell in der Loipe („Das ging zuerst ganz schön auf den Rücken“) und am Schießstand. Dabei ist Lehmker hier Novize: „Auf Schützenfesten war ich als Kind mit dem Pusterohr ganz gut...“ Er verbindet sein Studium in Göttingen mit dem Training im Harz , wo er für den WSV Clausthal-Zellerfeld aktiv und Olympiasieger Arnd Peiffer sein Vereinskollege ist. Er wird immer besser. Seit 2016 nimmt er am Weltcup teil, landet bei der WM 2017 dreimal in den Top Ten. Auch ein vierter Platz beim Weltcup in Kanada im vergangenen Dezember lässt ihn am Podium schnuppern.

Ja, und auch ab Samstag geht es um Medaillen, und natürlich ist Lehmker motiviert („Ich hab’ Bock“), will im Wettkampf vorn landen – aber über allem steht ein anderer Gedanke: „In erster Linie ist es eine Ehre, dabei sein zu dürfen, wenn die Nationen zusammenkommen. Das Event steht für mich für Friede und Begeisterung.“ Lehmker will Spaß haben, will genießen – und das darf er auch. Wer es in knapp vier Jahren von null auf Paralympics schafft, ist sportlich schon ein Sieger. Eine Medaille ist da als Bestätigung nicht mehr nötig.

Von Maik Schulze

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