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„Karriereende? Davor habe ich keine Angst“

Frauenfußball-Bundesliga „Karriereende? Davor habe ich keine Angst“

In dieser Saison hat sie nur eine Halbzeit lang Fußball gespielt. Eine komplizierte Knieverletzung bremst Weltfußballerin Nadine Keßler seit Monaten aus. Doch die Kapitänin des Frauenfußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg kämpft verbissen um ihr Comeback.

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„Ich bin Fußballerin mit Leib und Seele. Es ist schlimm, nicht zu spielen“

In den vergangenen Jahren hatte sie es immer wieder geschafft, nach langen Pausen stark zurückzukommen. Wie es diesmal aussieht, hat sie WAZ-Sportredakteur Robert Schreier im ersten großen Zeitungsinterview seit der Operation geschildert.

WAZ : Wie geht es Ihnen, Frau Keßler?
Keßler : Im Moment geht es mir ganz okay. Ich schaue von Woche zu Woche, wie es sich entwickelt.

WAZ : Was können Sie im Moment trainieren?
Keßler : Ich mache Krafttraining und gehe laufen.

WAZ : Was genau bremst sie im Moment noch aus?
Keßler : Das ist ein sehr komplexer Sachverhalt, der sich nicht nur mit einer Diagnose erklären lässt. Da sind mehrere Dinge, die einander bedingen. Ich habe mit den Ärzten vereinbart, dass das unter uns bleibt und auch ich nicht darüber spreche.

WAZ : Können Sie sagen, wann Sie wieder Fußball spielen?
Keßler : Meine Ärzte und Physiotherapeuten haben ein klares Konzept und sind optimistisch, dass ich in dieser Saison noch einmal auf dem Platz stehe. Dieser Meinung bin ich auch. Aber einen Zeitplan gibt es nicht. Wir schauen weiter von Woche zu Woche und hoffen auf Besserung.

WAZ : Hatten oder haben Sie Angst vor einem möglichen Karriereende?
Keßler : Nein, absolut nicht. Wenn man schon so viele Verletzungen hatte wie ich, dann ist man ein bisschen routiniert darin, damit umzugehen. Und es bringt auch nichts, Angst zu haben, dass man nicht mehr so stark wird wie zuvor.

WAZ : Das klingt ein bisschen bittersüß...
Keßler : Nun ja, es ist eine Lebensgeschichte, die mich prägt und gelehrt hat, wie man sich dabei verhält.

WAZ : Wie fühlen Sie sich denn, wenn Sie nicht auf den Platz dürfen?
Keßler : Ich bin Fußballerin mit Leib und Seele. Also ist es natürlich ganz schlimm, nicht spielen zu können. Es fehlt mir extrem, ein aktiver Teil meiner Mannschaft zu sein.

WAZ : Müssen Sie sich bewusst ablenken, um nicht so viel nachzudenken?
Keßler : Nein, Reha und Behandlungen nehmen sehr viel Zeit in Anspruch. Damit bin ich bis zu sechs Stunden am Tag beschäftigt. Im Sommer werde ich aber wieder studieren, ich möchte noch den Master machen.

WAZ : Stichwort Sommer - Ihr Vertrag beim VfL läuft aus. Wie geht es weiter?
Keßler : Aktuell sind wir mit dem Verein im Gespräch. Ich denke, in den nächsten Wochen werden wir sehen, wo die Reise hingeht.

WAZ : Führt sie weg aus Wolfsburg, möglicherweise ins Ausland?
Keßler : Ich wünsche mir, dass ich gesund werde und schnell wieder Fußball spielen kann. Einen speziellen Plan, ins Ausland zu gehen, habe ich im Moment nicht. Der VfL ist mein erster Ansprechpartner.

WAZ : Nehmen Sie aktuell Einfluss auf Ihre Mannschaft?
Keßler : Natürlich interessiere ich mich dafür, wie sich alles entwickelt. Ich würde gern mit auf dem Feld stehen, aber ich sehe, dass die Mannschaft es gut macht und dass ein gutes Klima herrscht. Da brauche ich nicht so viel zu tun.

WAZ : Ist es ein gutes Gefühl zu sehen, dass es auch ohne Sie erfolgreich geht?
Keßler : Die Hinrunde war sehr gut, ich finde es super, wenn die Mannschaft funktioniert und nicht nur auf eine Spielerin angewiesen ist. So habe ich null komma null Druck und kann mich voll auf meine Gesundheit konzentrieren.

WAZ : Die Bayern haben Ihnen quasi schon die Meisterschaft geschenkt, indem der Trainer meinte, der VfL sei uneinholbar.
Keßler : Hochmut kommt vor dem Fall. Also wären wir schlecht beraten, jetzt nachzulassen. Bei den Männern des FC Bayern sieht man ja, dass nicht immer alles so einfach weitergeht.

WAZ : Ist dennoch das Triple realistisch?
Keßler : Mit dieser Mannschaft besteht die Möglichkeit, drei Pokale zu gewinnen.

WAZ : Einen vierten könnte es bei der WM im Sommer geben - wie gegenwärtig ist das Ziel für Sie?
Keßler : Die WM ist sicherlich aktuell das am weitesten entfernte Ziel für mich. Aber ich sehe immer noch die Chancen, dabei zu sein. Es ist eine ganz große Vision für mich. Und ich werde sie so schnell nicht aufgeben.

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