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Im Frauenfußball muss sich etwas ändern

WAZ-Interview Im Frauenfußball muss sich etwas ändern

Wo steht der Frauenfußball? Offen, ehrlich und klar sprach Ralf Kellermann, Trainer des Champions-League-Siegers VfL Wolfsburg, im Gespräch mit WAZ-Sportredakteur Robert Schreier (r.) über diese Themen seiner Sportart:

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Entwickelt sich die Bundesliga weiter?

Sportlich werden die Spiele knapper, an der Spitze ist es spannend. Doch über das Niveau hinter den Top Vier gibt es unterschiedliche Meinungen.

Kellermann: „Ja, ich denke schon, dass sich die Liga entwickelt. Auch wenn Herford etwas hinterherhinkt, ist es wichtig, dass die Aufsteiger nicht von vornherein als Absteiger feststehen. Der Vierkampf an der Spitze ist positiv. Das wird auch bis zum Saisonende so eng bleiben. Es gibt fast keine Mannschaft mehr, zu der du fährst und weißt, dass du klar gewinnst, ohne 100 Prozent gegeben zu haben. Die Mannschaften werden fitter, und wir haben mehr und mehr schöne Stadien. Dass wir auf Nebenplätzen spielen müssen, gibt es kaum noch.“

Warum steigen die TV-Quoten nicht?

Die Liga läuft bei Eurosport - eher schlecht als recht. Besser werden sie im Vergleich zum Vorjahr jedenfalls nicht, teilweise haben die Spiele nicht einmal 100.000 Zuschauer.

Kellermann: „Die Zuschauerzahlen bei unseren Spielen sind im Vergleich zum Vorjahr in Ordnung. Aber: Wenn die Einschaltquote stark sein soll, dann muss es die Topspiele zu sehen geben. Da hatte der DFB bei den Ansetzungen kein gutes Händchen. Wolfsburg gegen Frankfurt kann aus Termingründen nicht gezeigt werden, Potsdam gegen Wolfsburg auch nicht. Termine am Samstagmittag sind generell problematisch. Damit kann kein Zuschauer etwas anfangen. Genauso wenig, wenn die Übertragungen mal dann und mal dann sind. Wir brauchen einen festen Sendetermin fürs Topspiel. Abend-Partien ziehen immer. In Holland und Belgien klappt das gut, da findet das Spitzenspiel immer freitags und 20 Uhr statt.“

Warum ist der Spielplan so zerrissen?

Alle sechs Partien eines Bundesliga-Spieltags an einem Wochenende - das ist eine Seltenheit. Oft müssen Partien in der Woche nachgeholt werden, weil die Champions League an Samstagen oder Sonntagen gespielt wird.

Kellermann: „Die Bundesliga muss zu viel auf andere Wettbewerbe achten und - beispielsweise - die Wochenenden für die Champions League freimachen und stattdessen an Wochentagen spielen. Wenn man aber ein Produkt richtig vermarkten will, braucht man eine Regelmäßigkeit. Die Bundesliga gehört mit kompletten Spieltagen an die Wochenenden. Das erhöht den Wiedererkennungswert. DFB-Pokal- und Champions-League-Spiele müssen unter der Woche ausgetragen werden.“

Muss man die Bundesliga vergrößern?

Die Diskussion tobt. Die einen halten eine Verkleinerung der aktuell zwölf Mannschaften starken Bundesliga für nötig, damit das Niveau höher ist. Andere wollen die Liga aufstocken, damit mehr Vereine in der höchsten Spielklasse Fuß fassen können.

Kellermann: „Grundsätzlich fände ich mehr Bundesliga-Spiele gut. Aber der Rahmenterminplan gibt das nicht her. Wir haben einfach zu viele Abstellfristen für die Nationalmannschaften. Ich würde mir bei den Qualifikationen für die Turniere eine Vorquali wünschen. So wie es sich jetzt darstellt, halte ich die aktuelle Liga-Stärke mit zwölf Mannschaften für angemessen. Verkleinern würde ich die Liga nicht.“

Europapokal: Ist der Modus noch zeitgemäß?

Die Frauen spielen nur im K.o.-Modus. Im gerade ausgetragenen Achtelfinale hat der VfL gegen völlig überforderte Österreicherinnen zwei peinlich souveräne Siege eingefahren. Dafür wurde Mitfavorit Lyon im Duell mit Paris schon aus dem Wettbewerb geworfen.

Kellermann: „Das Modell muss man überdenken. Angemessen wäre eine erste Runde gefolgt von einer Phase mit vier Vierergruppen. Die Gruppensieger spielen dann in den Halbfinals die Endspiel-Teilnehmer aus. Das wären nur zwei Termine mehr als jetzt und man hat ein Niveau, das ausgeglichener ist.“

Wird die WM auf Kunstrasen eine Farce?

Im nächsten Sommer soll in Kanada nur auf Kunstrasen gespielt werden. Dagegen haben Starspielerinnen wie Nadine Angerer sogar Klagen eingereicht.

Kellermann: „Ich halte nichts von den Plänen, auf diesem Kunstrasen zu spielen, wie er jetzt in Kanada ist. Ich bin ein Verfechter von Naturrasen, aber wenn es schon Kunst sein muss, dann einheitlich - auch auf den Trainingsplätzen - und nach modernsten Standards. Diese Bedingungen hätte man stellen müssen. Es wäre für den Frauenfußball nicht gut, wenn man die Kritik nicht beachten würde.“

Wie viel Potenzial steckt im Frauenfußball?

Die Zuschauerzahlen in der Liga stag-nieren, die Sportart scheint an ihre Grenzen zu stoßen.

Kellermann: „In Wolfsburg haben wir noch eine Menge Luft nach oben - auch was die Zuschauerzahlen angeht. Spiele mit 12.500 Besuchern waren Ausreißer. Ich bin mir aber sicher, dass wir mit dem Umzug ins neue Stadion eine bessere Atmosphäre und mehr Komfort bieten können und die Zuschauerzahlen steigern. Darüber hinaus arbeitet das Team hinter dem Team tagtäglich an der bestmöglichen Vermarktung unseres Produkts.“

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