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Die neue Führungskraft aus dem Norden

Frauenfußball-Bundesliga Die neue Führungskraft aus dem Norden

Wolfsburg. Sara Björk Gunnarsdottir ist keine Frau für lange Anläufe. Interview auf Deutsch? „In zwei Wochen versuchen wir‘s“, meinte sie nach dem Spiel am Sonntag gegen Leverkusen lachend, „mit dem Druck komme ich klar.“

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In der Bundesliga angekommen: Sara Gunnarsdottir. Schon in Malmö (kl. Bild) spielten die VfLerinnen Mittag, Bachmann und Gunnarsdottir (v. l.) erfolgreich zusammen.

Quelle: Sebastian Bisch / imago sportfotodienst

Dass sie mit dem sportlichen Druck klarkommt, war kurz zuvor beim 2:0-Heimsieg der Wolfsburger Bundesliga-Fußballerinnen schon zu sehen. Obwohl es ihr erster Startelf-Einsatz für den VfL war, zeigte die 25-jährige Isländerin schon Führungsqualitäten, dirigierte ihr Mitspielerinnen, sorgte im Mittelfeld für körperliche Präsenz.

„Sie geht immer voran, das ist ihre Mentalität“, erklärt Mitspielerin Anja Mittag. Die beiden kennen sich aus erfolgreichen Zeiten in Malmö, wo sie für den FC Rosengard spielten. „Sara hat eine mehr als hundertprozentige Einstellung zu ihrem Beruf, achtet auf alles, vom Schlaf bis zur Ernährung. Und dabei ist sie auch noch ein lustiger Typ.“

Dass die Nationalspielerin nicht nur ein einfacher Mittelfeld-Zugang, sondern eine neue Führungskraft ist, das war auch Ralf Kellermann schnell klar. „Das haben wir eigentlich schon beim ersten Gespräch gemerkt - und genau das ist der Grund, warum sie hier ist“, so der VfL-Trainer. Neben ihren sportlichen Qualitäten sei Gunnarsdottir auch „verbal sehr präsent, dazu sehr offen im Umgang und darum vom ersten Tag an im Team akzeptiert.“

Der sportliche Werdegang der Neu-VfLerin aus dem Norden kann sich sehen lassen. Geboren ist sie in einer Fußball-Hochburg, der FH Hafnarfjördur wurde in den letzten zwölf Jahren sieben Mal isländischer Meister bei den Herren. Beim Nachbarverein Haukar fing Gunnarsdottir mit sechs Jahren an. Als sie 14 war, zwang sie eine schwere Knieverletzung zu zwei Jahren Pause. Sie behauptete sich dennoch in ihren U-Nationalmannschaften, wechselte zu Breidablik UBK nach Kópavogur, einer Top-Frauenfußball-Adresse in Island. Mit 20 Jahren wagte sie den Schritt von der Insel, wechselte nach Schweden zum LdB Malmö, der seit 2014 FC Rosengard heißt. Ihre Bilanz dort: Vier Meistertitel in fünf Jahren.

Nun also Deutschland, der nächste Schritt. „Bisher fühlt es sich gut an“, sagt sie. „Aber es ist auch hart. Jede Spielerin rennt 90 Minuten, jede ist in guter Form, dadurch wird alles schneller. Das ganze Spiel hat mehr Tempo.“ Und anders als in Schweden ist die Liga ausgeglichener. „Jeder kann jeden schlagen, dadurch ist alles irgendwie intensiver. In einem großen Klub wie Wolfsburg hast du außerdem immer den Druck, gewinnen zu müssen. Und nie aufzugeben, ist sowieso ein Teil der deutschen Mentalität. Das wollte ich, darum bin ich hier.“

Und was ist mit der Sprache? „Ja“, sagt sie noch auf Englisch, „ich lerne jeden Tag.“ Oft fragt sie bei ihren Mitspielerinnen nach deutschen Redewendungen, die ersten Kommandos auf Deutsch gibt sie auf dem Platz auch schon. „Ich finde noch nicht immer die richtigen Wörter“, gibt sie schmunzelnd zu, „aber ich finde es wichtig, dass ich das immer wieder versuche. So finde ich mich nicht nur in der Mannschaft besser zurecht - es ist auch besser für unser Spiel.“

apa

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