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Champions League: Interview mit Lara Dickenmann

VfL Wolfsburg Champions League: Interview mit Lara Dickenmann

Sie ist die Rekordtorschützin der Schweiz und fünffache Fußballerin des Jahres in ihrem Land. Auf Klubebene hat Lara Dickenmann alle großen Titel gewonnen – auch die Champions League in den Jahren 2011 und 2012 mit Olympique Lyon.

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Holt sie den anderen Titel auch mit dem VfL? Lara Dickenmann (2. v. l.) feierte mit Wolfsburg den DFB-Pokalsieg.

Quelle: Imago

2013 hätte es der Titel-Hattrick werden können, doch ausgerechnet gegen den VfL Wolfsburg scheiterte sie im Finale. Am Donnerstag (18 Uhr) gibt es in Reggio Emilia die Neuauflage. Diesmal wird die 30-Jährige im VfL-Dress auflaufen. WAZ-Mitarbeiter Pascal Mäkelburg sprach mit ihr.

Richtig ausgiebig konnte der DFB-Pokal-Triumph ob des großen Spiels am Donnerstag nicht begossen werden. Wie fielen die Feierlichkeiten aus?

(lacht) Hauptsächlich haben wir in der Kabine und im und um den Bus herum gefeiert. Die Kölner haben gut mitgefeiert. Im Hotel wurde es dann ruhiger.

Konnten Sie Ihren ersten Titel mit dem VfL in einer Woche mit gleich zwei Endspielen überhaupt richtig genießen?

Ja, das auf jeden Fall. Ich denke, das muss man auch. Kein Titel ist selbstverständlich. Schon gar nicht in Deutschland. In Lyon habe ich in den vergangenen Jahren fast jedes Jahr die Meisterschaft und den Pokal gewonnen, da war das Feiern schon fast selbstverständlich. Das finde ich so schön hier in Wolfsburg: Die meisten in der Mannschaft haben schon einige Titel geholt und können diese trotzdem noch richtig feiern. Das hat schon Spaß gemacht.

Liegt dies vor allem auch daran, dass der Titel in der Bundesliga schwerer zu holen ist als in der französischen Division 1 Féminine?

Die Konkurrenz in Deutschland ist größer als in Frankreich. Hier einen Pokal zu holen, ist genauso schwer, wie die Champions League zu gewinnen. In der Bundesliga musst du in jedem Spiel kämpfen bis zum Schluss, das hast du in Frankreich nicht. Dass wir permanent in der Liga gefordert sind, ist ein Vorteil.

Im Moment verbinden Sie mit dem VfL viel Positives, 2013 war das anders. Welche Gefühle haben Sie, wenn Sie sich an das Endspiel vor drei Jahren zurückerinnern?

Es war ein schmerzhaftes Erlebnis. Wir hatten damals einen richtig guten Lauf und uns vielleicht zu fest darauf verlassen, dass es einfach so weitergeht. Dass die Serie irgendwann reißt, war klar. Aber dass es im Finale passiert, war schon sehr bitter.

Ist das Spiel am Donnerstag mit all Ihrer Vergangenheit beim Gegner ein ganz besonderes Spiel?

Auf jeden Fall. Ich kenne die ganze Mannschaft von Lyon und habe mit vielen von den Spielerinnen sieben Saisons gespielt. Ich kenne sie in- und auswendig und sie kennen mich in- und auswendig.

Das kann ein Vor-, aber auch ein Nachteil sein…

Ich denke, dass Elise (Bussaglia, kam 2015 ebenfalls aus Lyon zum VfL, Anm. d. Red.) und ich hier sind, ist sicher ein Vorteil für den VfL. Wir kennen die Philosophie des Trainers und die Spielweise von Lyon. Der Gegner wird sich sehr gut vorbereiten auf uns. Aber ich denke, dass es uns zugutekommen wird, dass wir als Mannschaft unberechenbarer und schwer zu studieren sind.

Schwingen bei Ihnen Emotionen mit, ausgerechnet im Finale auf das Ex-Team zu treffen?

Lyon war bis zum vergangenen Jahr meine Mannschaft, es ist natürlich speziell, gegen die alten Kolleginnen zu spielen. Aber jetzt bin ich hundertprozentig in Wolfsburg angekommen und möchte mit meinem neuen Verein unbedingt gewinnen.

Kaum jemand kennt die beiden Teams so gut wie Sie. Welche Stärken machen sie aus?

Es werden zwei verschiedene Spielstile aufeinandertreffen. Lyon spielt klar auf Ballbesitz, hier in Wolfsburg wird direkter Fußball gespielt. Wenn du schönen Fußball sehen willst, ist Lyon vielleicht die bessere Mannschaft. Aber die deutsche Mentalität zeichnet aus, dass es nicht unbedingt darum geht, wer schöner Fußball spielt, sondern wer als Sieger den Platz verlässt. Kampf, Leidenschaft und Effizienz sind deutsche Tugenden. Das spricht für uns.

Ihr Trainer Ralf Kellermann sieht den VfL als Außenseiter. Welche Rolle geben Sie Ihrer Mannschaft?

Es sind zwei der besten europäischen Teams im Finale. Eine Favoritenrolle will ich gar nicht verteilen, da es schon lange keinen direkten Vergleich mehr gab. Lyon hat immer Respekt vor deutschen Mannschaften, schon häufig gegen sie verloren. Ich denke, auch vor uns wird der Respekt groß sein. Die Französinnen wissen ganz genau, dass Schönspielen gegen deutsche Teams nicht reicht, sondern auch eine gute Portion Kampf vonnöten ist. Das kennen sie nicht so und das kann unser Mittel werden.

Reizt es Sie, am Donnerstag selbst ein Tor zu schießen?

(grinst) Ja schon.

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