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Frau gegen Ex-Profi: Wolfsburgs ungewöhnlichstes Trainer-Duell

Fußball Frau gegen Ex-Profi: Wolfsburgs ungewöhnlichstes Trainer-Duell

Susanne Reidt gegen Bruno Akrapovic, TV Jahn gegen DJK – vorm Spitzenspiel der der 1. Fußball-Kreisklasse Wolfsburg sprach WAZ-Sportjournalist André Pichiri mit beiden Trainern.

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Ungewöhnliches Duell: Trainerin Susanne Reidt bittet morgen mit dem TV Jahn Wolfsburg die DJK um Spielercoach und Ex-Profi Bruno Akrapovic zum Spitzenspiel der 1. Kreisklasse.

Quelle: Photowerk (he)

WAZ: Mit dem Jahn-Stadion haben Sie eine gemeinsame sportliche Heimat. Da läuft man sich schon mal öfter über den Weg, oder?
Reidt: Dienstags haben wir beide Training. Dann wird immer ausgiebig über den vergangenen Sonntag gequatscht.
Akrapovic: Unsere Spieltaganalyse, da tauschen wir uns aus, geben uns auch Tipps.
WAZ: Dem Konkurrenten Tipps geben? Eher ungewöhnlich…
Akrapovic: Das sehen wir nicht so eng, wir verstehen uns sehr gut. Es macht einfach Spaß, sich mit Susanne über Fußball zu unterhalten. Da merkt man schnell, dass da viel Kompetenz dahintersteckt.
WAZ: Schaut man sich da auch schon mal was ab?
Reidt: Warum nicht, man kann immer was verbessern.
Akrapovic: Auf jeden Fall, mit einem Auge schaut man immer rüber.
WAZ: Herr Akrapovic, Hand aufs Herz: Hätten Sie gedacht, dass eine Frau Ihnen im Fußball mal so die Stirn bieten würde?
Akrapovic: Für mich sind Kompetenz und Sachverstand entscheidend; nicht das Geschlecht. Es geht nicht um Außendarstellung, sondern darum, was dahinter steckt.
WAZ: Frau Reidt, vor dieser Saison waren Sie im Jugendbereich tätig, jetzt sind Sie die einzige Trainerin im Wolfsburger Herrenbereich…
Reidt: Ursprünglich hatte ich das gar nicht vor. Aber die Mannschaft besteht fast ausschließlich aus meiner A-Jugend der Vorsaison. Die Jungs wollten weiter ausschließlich unter mir spielen, sonst hätten sie den Verein verlassen.
Akrapovic: Ich wollte bei der DJK ursprünglich auch nicht Trainer werden; nur spielen, um mich fit zu halten. Aber dann kam ich zu dem Schluss, dass mein Trainer ein armer Hund gewesen wäre, weil ich eh das gemacht hätte, was ich will. Also habe ich das Amt gleich mit übernommen.
WAZ: Und mit 42 Jahren werden Sie zum Torjäger, Sie stehen bei 16 Toren…
Akrapovic: Als Profi kam ich beim Toreschießen zu kurz, weil ich hinten immer jeden abgesichert habe. Jetzt hole ich das eben nach.
WAZ: DJK gegen TV Jahn – alte Hasen gegen junge Wilde?
Reidt: Wie gesagt, fast die komplette Truppe kam aus der A-Jugend. Hier und da merkt man, dass sie noch ein bisschen unerfahren ist.
Akrapovic: Naja, so alt sind wir auch nicht. Unser Torwart Uwe Dolinski und ich machen den Schnitt kaputt. Er ist 47 Jahre alt, ich 42. Aber wir haben auch junge Spieler. Eine gute Truppe.
WAZ: …der Sie auch Disziplin eingeimpft haben…
Akrapovic: Nach meiner ersten Ansprache habe ich gleich ein paar Leute rausgeworfen, beim nächsten Training noch mal welche. Disziplin fängt im Training an. Wenn ich vor dem Trainer keinen Respekt habe, wie soll ich ihn dann im Spiel haben?
WAZ: Sind Sie auch ein harter Hund, Frau Reidt?
Reidt: Manchmal schon. Aber in erster Linie spreche ich viel mit den Spielern. Was bei mir an erster Stelle steht, ist die Fairness – den Mit-, den Gegenspielern und den Schiris gegenüber.
WAZ: Ihr Spiel beim VfR Eintracht Nord II war jüngst wegen Tumulten vorzeitig abgebrochen worden…
Reidt: Da sind auch zwei Zuschauer aus unserem Verein aufs Spielfeld gelaufen. Die bekommen von mir eine Disziplinarstrafe.
Akrapovic: Ich habe einen Spieler nach einer Roten Karte mal richtig laufen lassen. Den habe ich einfach nicht kaputt gekriegt. Der lief und lief, als wenn nichts wäre.
WAZ: Sie haben dann aufgegeben?
Akrapovic: (lacht). Nein. Es gibt hier ja noch den Klieversberg…
Reidt: …den wir auch sehr gern nutzen.
WAZ: Fit sind Ihre Teams beide. Wo sehen Sie sonst noch die Stärken des Anderen.
Reidt: Ich denke, dass die DJK im Sturm besser besetzt ist. Meine Jungs brauchen noch zu viele Chancen.
Akrapovic: Jahn hat eine eingespielte Truppe, die diszipliniert auftritt – da erkennt man die Handschrift von Susanne, ihr gutes Training.
WAZ: Das Hinspiel gewann Jahn 1:0. Wie geht’s nun aus?
Reidt: Es wird schwer, aber wir wollen wieder gewinnen.
Akrapovic: Wir haben 13 Mal in Folge gewonnen, wollen diese Serie fortsetzen. Entscheiden werden die Tagesform und die Kraft.
Reidt: Wir hoffen ja, dass am Ende beide aufsteigen.
Akrapovic: Verdient hätten es beide, sie haben den schönsten Fußball gespielt. Und ich bin überzeugt, dass beide auch eine Liga höher eine gute Rolle spielen würden.

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