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Turbine-Coach Schröder: "Erwarte Spiele mit offenem Visier"

Frauenfußball Turbine-Coach Schröder: "Erwarte Spiele mit offenem Visier"

Er ist eine lebende Trainer-Legende - und er will heute (14 Uhr) mit Turbine den ersten Schritt ins Champions-League-Finale machen: Potsdams Coach Bernd Schröder. Vor dem ersten Halbfinal-Duell mit dem VfL Wolfsburg nahm sich der 71-Jährige Zeit für WAZ-Sportredakteur Robert Schreier. Im Interview spricht Schröder über seine Erwartungen an die Partien, die Leistungen des VfL und die Diskussionen um die gescheiterte TV-Liveübertragung.

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Im Dialog: Potsdams Coach Bernd Schröder (l.) mit Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann.

WAZ: Potsdam oder Wolfsburg – wer zieht ins Champions-League-Finale ein?
Schröder: Ich hoffe, dass es die beste Mannschaft ist. Eine andere Aussage kann ich gar nicht treffen. Es wird auf die Tagesform beider Mannschaften ankommen.
WAZ: Was für ein Hinspiel erwarten Sie?
Schröder: Ich glaube nicht, dass eine der beiden Mannschaften so raffiniert und clever ist, dass sie sich nur auf taktische Spielchen verlassen kann. Beide werden versuchen, ihre Möglichkeiten auszuspielen. Ich erwarte, dass es zwei Spiele mit offenem Visier werden.
WAZ: Hätten Sie dieses Duell lieber im Finale gehabt?
Schröder: Ich glaube, dass es wenig attraktiv für neutrale Zuschauer ist, wenn sich zwei deutsche Mannschaften im Finale messen. Der Reiz des Wettbewerbs ist doch auch die Internationalität. So haben wir im Saisonendspurt noch drei Spiele zwischen Potsdam und Wolfsburg, um einiges zu erreichen. Denn in der Liga treffen wir ja auch noch aufeinander. Ich hoffe, dass man sich nicht allzu sehr die Schienbeine poliert, denn es geht ja um einiges.
WAZ: Turbine überrascht mal wieder mit der Tabellenführung in der Liga und dem Champions-League-Halbfinale. Der VfL tut sich nach der Triple-Saison teilweise schwer – war das alles so zu erwarten?
Schröder: Bei uns war es so, dass wir frei aufspielen konnten. Keiner hat von uns etwas erwartet. Und Wolfsburg? Nun, es ist ja so, dass wir vier Jahre in Folge deutscher Meister waren. Das aber nur, weil die anderen noch blinder waren als wir. Wir haben nie die großen Leistungen vollbracht.Wolfsburg hat eine sensationelle Saison gespielt – mit guten Leistungen, Glück und Gottes Beistand. Aber es war von vornherein klar, dass es danach schwierig wird, dieses Level zu halten. Der VfL kann nicht zwei Jahre in Folge auf dem Niveau spielen. Aber: Noch ist es nicht vorbei, sie haben noch gute Möglichkeiten.
WAZ: Wie viel hängt in solchen Situationen am Trainer?
Schröder: Der Cheftrainer ist ein Rädchen im Getriebe. Entscheidend ist aber sein Umfeld. Das Team ist der Star, und damit ist nicht nur die Mannschaft gemeint. Der Cheftrainer hat zwar den Hut auf, aber diesen Posten sollte man nicht so stark überhöhen. Bei Klopp und Guardiola ist es doch auch so: Entscheidend ist, welches Funktionsteam du um dich hast. Da ist es die Frage, ob Ralf Kellermann das hat, es hatte ja Veränderungen gegeben.
WAZ: Schauen Sie manchmal eigentlich etwas neidisch auf die Möglichkeiten, die der VfL hat?
Schröder: Da kann ich nur auf die Finanzen schauen und sehe das nicht so gravierend wie bei den Männern. Da habe ich in den vergangenen Jahren Geld verbrennen sehen. Natürlich ist es leichter aus einer Situation zu agieren, in der man finanziell abgesichert ist. Aber dann wird man auch immer hinterfragt, ob man aus dem Aufwand das Beste gemacht hat. Wir müssen in Potsdam auch keine Angst haben, dass wir mittags nichts Warmes zu essen bekommen. Und wir haben ein sensationelles Umfeld.
WAZ: Wie schwer wiegt es, dass dieses Halbfinale nicht im Fernsehen live übertragen wird?
Schröder: Ich kann doch nicht immer darauf reagieren, welche Sendezeiten gerade passen. Solch ein Sender muss sich auch mal Gedanken machen, ob Spiele um 12.15 Uhr in der Liga Sinn machen. Da hatten wir Einschaltquoten, die so schlecht waren, dass es keine Werbung für den Frauenfußball ist. Wenn man Leute hinterm Ofen hervorholen will, muss man sich um vernünftige Anstoßzeiten bemühen.
WAZ : Was sprach diesmal gegen den Vorschlag von Eurosport?
Schröder: Diesmal war es ja nicht so, dass wir um Mitternacht spielen sollten. Aber ich hatte mit einer Übertragung des RBB gerechnet. Als die gescheitert war, wollten wir auch nicht mehr von der geplanten Zeit weg. Man muss auch mal überlegen, was an einem Ostersamstag in den Familien los ist. Wer soll denn da ins Stadion kommen?
WAZ: Ist es dennoch schade für den Frauenfußball?
Schröder: Wir werden nicht daran scheitern, dass dieses Spiel nur im Internet zu sehen ist. Wir sind ein gestandener Verein. Hier geht es auch nicht ums Geld. In Summe bringt so etwas dem Frauenfußball nicht das, was wir uns erhoffen. Es sollte mal ein Zeichen an die Sender sein, dass man nicht alles vorschreiben kann, ohne an den Sport und die Vereine vor Ort zu denken.

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