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Scoccimarro: Olympia Schritt für Schritt

Judo Scoccimarro: Olympia Schritt für Schritt

Sie war mit 16 schon U-18-Europameisterin. Und sie ist eine Kandidaten für Olympia 2020 - wenn Giovanna Scoccimarro ihren Weg so zielstrebig weitergeht wie bisher. WAZ-Sportredakteur Jürgen Braun sprach mit ihr - über die abgelaufene Saison, ihre Karriere, ihre Opfer und ihre Ziele.

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Schritt für Schritt zu Olympia: Judo-Ass Giovanna Scoccimarro hat 2015 viel erreicht - und hat auch fürs neue Jahr große Ziele.

Auch in ihrem ersten Jahr in der Altersklasse U 21 bot das Judo-Ass aus Lessien, das für den MTV Vorsfelde startet, starke Leistungen. Mit gerade einmal 17 Jahren. Im November ist sie 18 geworden.

WAZ: Was war Ihr Highlight 2015?
Scoccimarro: Das war im Juli, ein Turnier in Polen, da bin ich Zweite geworden. Da habe ich gut gekämpft, mich richtig gut gefühlt.

WAZ: Platz drei bei der U-21-WM mit der Mannschaft siedeln Sie nicht so hoch an?
Scoccimarro: Doch, auch die U-18-WM steht weit oben. Aber die war positiv und negativ. Im Einzel war ich nach Platz fünf traurig. Obwohl ich im Nachhinein sagen kann, dass man damit auch nicht unbedingt rechnen durfte und ich jetzt sehr stolz darauf bin. Mit der Mannschaft gab es Bronze, das war toll. Dass ich mit einer schönen Technik eine Gegnerin geschlagen habe, gegen die ich zuvor im Europacup verloren hatte, hat mich sehr gefreut.

WAZ: Wenn man Sie hört, hat man immer das Gefühl, dass Ihnen Judo Spaß macht...
Scoccimarro: Absolut. Ich liebe Judo.

WAZ: Um diese Jahreszeit lassen Sie es aber ruhiger angehen?
Scoccimarro: Naja, statt sehr intensivem Training sowie Wettkämpfen und Lehrgängen am Wochenende gehe ich etwas seltener zum Training.

WAZ: Und lassen es da mal ruhiger angehen, gehen auch mal früher?
Scoccimarro: Nein. Ich gehe nicht gerne früher vom Training weg. Es ist wirklich so. Ich mache gerne Judo.

WAZ: Wie lange betreiben Sie den Sport schon?
Scoccimarro: Etwa zwölf Jahre. 2004 ist das erste Datum in meinem Pass, Gelbgurt-Prüfung, ich muss dafür aber ja schon vorher angefangen haben.

WAZ: Sie sind regelmäßig bei Turnieren im Ausland. Wie sieht so ein Wochenende, sagen wir mal beim Europacup in St. Petersburg, aus?
Scoccimarro: Freitags fliegen wir los, nach St. Petersburg sind wir ab Düsseldorf geflogen, dann Check-In in einem Hotel. Manchmal dauert es etwas, bis man ins Zimmer kann. Mir macht das nichts. Ich reise gern. Samstags ist Training, aufwärmen, zuschauen. Ich kämpfe meist sonntags, muss vorher noch etwas abnehmen.

WAZ: Sie müssen abnehmen?
Scoccimarro: Ja. Ich kämpfe in der Klasse bis 70 Kilo, mein normales Gewicht ist etwas höher, ich esse einfach zu gerne...

WAZ: Sie müssen also hungern?
Scoccimarro: Nein, nein. Das Gewicht zum Wettkampf hin zu bekommen, ist kein Problem. Zwar ist es anstrengend, aber am Ende passt es immer gut. Ich muss aber in absehbarer Zeit über einen Wechsel in die höhere Gewichtsklasse nachdenken, da ich noch mit dem Krafttraining anfangen werde.

WAZ: Wenn Ihr Gewicht passt und Sie gekämpft haben, müssten Sie doch montags in der Schule total kaputt sein?
Scoccimarro: An die Turniere schließt sich immer noch ein Lehrgang an. Meistens bis Mittwoch. Ich werde vom Phoenix-Gymnasium freigestellt. Schulleiter Wolfgang Preuk, meine Tutorin und viele Lehrer haben mich über die Jahre unterstützt. Ihnen bin ich sehr dankbar. Genau wie meinen Eltern, dem Verein, den Trainern und meinen Trainingspartnern.

WAZ: Die Kampftage sind enorm intensiv, oder?
Scoccimarro: Ja, wenn man weit kommt. Dann hat man mehrere Kämpfe. Morgens um zehn kann der erste sein, der letzte gern mal gegen 17 Uhr. Das ist mental hart. Man muss ja in jeder Sekunde auf der Matte bereit sein, angespannt, man greift an, versucht, seinen Gegner in Bewegung zu bekommen, eine Technik anzubringen, muss den Gegner abwehren. In der scheinbar kurzen Kampfzeit läuft man unter Volllast.

WAZ: Haben Sie Glücksbringer?
Scoccimarro: Ja, vier. Unter anderem ein Marzipanschwein, das habe ich schon ewig.

WAZ: Wie viel Freizeit bleibt Ihnen zwischen Judo und Schule?
Scoccimarro: Nicht so viel. Ab und an mal nach Braunschweig, in den Sommerferien einmal richtig shoppen mit einer guten Freundin in Hannover, das hat Tradition, ansonsten Inlinefahren. Brome und zurück, 30 Kilometer, das mache ich gern.

WAZ: Sie haben jetzt den Führerschein und ein Auto, das erleichtert einiges, oder?
Scoccimarro: Den Führerschein hatte sich sogar schon länger, so schnell wie ich ihn haben konnte. Begleitet bin ich dann schon gefahren. Seit ich allein fahren darf, entlastet das meine Eltern.

WAZ: Sie haben an den Olympischen Jugendspielen teilgenommen, 2020 ist ein weiteres olympisches Ziel...
Scoccimarro: Ja, das würde ich gern erreichen. Aber ich denke nicht ständig daran, sondern denke von Jahr zu Jahr, eine Saison muss man planen, denn diese Planung ist der Weg zu einem größeren Ziel. Man sollte Schritt für Schritt gehen.

WAZ: Wie sieht der Plan für die neue Saison aus?
Scoccimarro: Mit meinem Landestrainer Gottfried Brucker spreche ich meine Termine durch, einige auch mit Klubtrainer Jens Dannies. Das Abitur steht im Frühjahr an. Ein paar Europacup-Teilnahmen sind drin. Eventuell reicht es nächstes Jahr auch für die U-21-EM in Malaga.

WAZ: Was wollen Sie nach dem Abitur machen?
Scoccimarro: Ich habe mich bei Volkswagen beworben.

WAZ: Sie sind auch umworben. Vor einem Jahr wollten Bundesliga-Klubs Sie - und diesmal?
Scoccimarro: ...gab es wieder Anfragen. Aber ich bleibe in Vorsfelde, kämpfe gern für den MTV. Woanders hätte ich lange Anfahrten, möglicherweise dann nicht mal einen Kampf. Klar, gäbe es eine Aufwandsentschädigung, aber ob die den Spaß aufwöge, den ich habe? Die Freude am Judo ist mir das Wichtigste - und das gute Team, das ich hier habe.

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