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Ich habe meiner Mutter gesagt: Es ist noch alles drin!

WAZ-Interview mit Nadine Keßler Ich habe meiner Mutter gesagt: Es ist noch alles drin!

Im Winter hatte es nicht danach ausgesehen, dass die VfL-Fußballerinnen eine ähnlich erfolgreiche Saison spielen könnten wie im Triple-Jahr 2013. Inzwischen haben sie die Champions League gewonnen und eine gute Chance auf die deutsche Meisterschaft. Warum das so ist, erklärte Wolfsburgs Kapitänin Nadine Keßler vor dem letzten Auswärtsspiel dieser Bundesliga-Saison morgen (14 Uhr) in Cloppenburg WAZ-Sportredakteur Robert Schreier.

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Morgen mit dem VfL in Cloppenburg: Nadine Keßler.

WAZ: Wie empfinden Sie im Moment die Stimmung in der Mannschaft?

Keßler : Sie ist schon extrem gut. Der Champions-League-Sieg hat uns beflügelt. Insgesamt haben uns die vergangenen Wochen sehr gut getan.

WAZ: Das war aber nicht immer so in dieser Saison?

Keßler: Nein, es gab den Zeitpunkt zu Beginn der Rückrunde, als auch ich nicht zufrieden war.

WAZ: Man denkt sofort an das verlorene Spiel in München...

Keßler: Ja, daran denke ich auch. Wir haben da einfach nicht die Nerven behalten. Es kam mir vor, als würden wir wie von der Tarantel gestochen über den Platz rennen. Wir waren nervös und unerfahren mit der Situation, dass es nicht wie in der Saison zuvor von alleine läuft.

WAZ: Hatten Sie damals Zweifel am Erfolg?

Keßler: Nach dem Spiel in München sind wir alle zu unseren Familien gefahren. Und ich erinnere mich, wie ich meiner Mutter sagte: Es ist noch alles drin. Tatsächlich habe ich mir in dieser schwierigen Zeit selbst Mut gemacht.

WAZ: Nun hat der VfL die Champions League gewonnen und kann aus eigener Kraft Meister werden - wann und wie gelang die Wende?

Keßler: Ein Knackpunkt war in der Tat das Spiel in München. Es war der knallharte Aufprall auf dem Boden. Danach gab es eine deutliche Ansage des Trainers, wo wir stehen und wohin die Reise geht, wenn wir nicht dagegensteuern. Der andere Knackpunkt war das Halbfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Potsdam. Zweimal in Rückstand, der Torwartpatzer - mehr kannst du nicht wegstecken. Wenn man dann wie wir trotzdem gewinnt, hat man das immer im Hinterkopf.

WAZ: Klingt, als käme es vor allem auf den Kopf an...

Keßler: Das war bei uns schon immer so. Konditionell sind wir top, von der Spielanlage auch. Man sieht es uns einfach extrem an, wenn wir mental stark sind. Ein Zeichen ist zum Beispiel, dass wir in den vergangenen Wochen wieder viel mehr miteinander sprechen. Die Ansprachen im Kreis vor den Spielen werden emotionaler. Die Spielerinnen brennen auf den zweiten Titel.

WAZ: Und wenn es „nur“ die Vizemeisterschaft ist?

Keßler: Dann ist es dennoch eine erfolgreiche Saison. Wir hatten jetzt viel mehr zu bewältigen als in der Triple-Saison. Es war alles nicht mehr so einfach. Wir haben unser Spiel umgestellt, haben jetzt mehr Ballbesitz, jeder Angriff läuft durch die Zentrale. Außerdem sind Bundesliga und Champions League stärker geworden.

WAZ: Auch Sie persönlich sind stärker geworden - wahrscheinlich sogar die beste Fußballerin der Welt. Das könnte von der UEFA und FIFA dieses Jahr honoriert werden...

Keßler: Oh, ich habe mir nie vorgenommen, individuelle Preise zu bekommen. Natürlich würde ich mich über solche Auszeichnungen riesig freuen, aber Titel mit der Mannschaft waren immer mehr meine Ziele.

WAZ: Ihr Vertrag läuft bis 2015. Muss sich der VfL Sorgen machen, dass Sie sich danach einer neuen Herausforderung stellen?

Keßler: Aktuell kann ich mir nicht vorstellen, den Verein zu wechseln. Ich bin so extrem glücklich hier. Aber es stimmt, dass ich mal im Ausland spielen möchte. Darüber nachgedacht, wann das sein könnte, habe ich aber noch nicht.

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