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Ein Titel muss es sein? „Das funktioniert nicht“

WAZ-Interview Ein Titel muss es sein? „Das funktioniert nicht“

Ralf Kellermann ist seit 2008 Trainer und seit 2010 auch sportlicher Leiter der VfL-Fußballerinnen. Der ehemalige Torwart (unter anderem MSV Duisburg, FSV Frankfurt) hatte zuletzt die beiden erfolgreichsten Jahre seiner Karriere, sein Team holte 2013 drei von drei und 2014 zwei von drei möglichen Titeln. Der Vertrag des gebürtigen Duisburgers wurde im März bis 2017 verlängert. Vor dem Start der Frauenfußball-Bundesliga am Samstag (VfL gegen Freiburg, live um 13 Uhr im Internet auf DFB-TV) sprach WAZ-Sportjournalist Dieter Kracht mit dem 45-Jährigen über die Lage vorm ersten Spiel und die Ziele in der neuen Saison.

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Quelle: Photowerk (mv)

WAZ: Sie haben mit dem VfL in den beiden vergangenen Jahren fünf Titel geholt, gehen als Titelverteidiger in die Meisterschaft und die Champions League. Was ist in diesem Jahr möglich?

Kellermann: Unser offizielles Saisonziel heißt: Qualifikation für die Champions League. Wir wissen, dass wir um alle drei Titel mitspielen können. Aber trotzdem werden wir uns nicht hinstellen, und sagen, ein Titel muss es sein. Das funktioniert nicht.

WAZ: Sind Sie und Ihr Team gerüstet für den Saisonstart?

Kellermann: Definitiv. Wir sind jetzt mit Sicherheit in einem besseren Zustand, als wir es vor einem Jahr waren. Damals war im Vorfeld die WM, diesmal hatten wir die Vorbereitung ohne ein großes Turnier. Bis auf die Verletzten und zuletzt die U-20-Nationalspielerinnen hatten wir eine komplette Vorbereitung.

WAZ: Wie wichtig ist es, alle sechs Testspiele gewonnen zu haben?

Kellermann: Es waren auch Spiele dabei, wo der Ausgang im Grunde klar war. Aber gegen Twente und Paris haben wir das gut gemacht, auch die Partie gegen die Männer des TSV Danndorf zählte zu den besseren.

WAZ: Wie ist der aktuelle Stand bei den verletzten Spielerinnen?

Kellermann: Maren Tetzlaff wird noch nicht dabei sein, bei Zsanett Jakabfi dauert es auch noch etwas länger. Nadine Keßler kann hoffentlich nach dem zweiten Spiel wieder einsteigen, ebenso Viola Odebrecht. Und Laura Vetterlein wird nach einer Knie-OP drei bis vier Wochen ausfallen.

WAZ: Gut, dass der Kader mit 26 Spielerinnen relativ groß ist.

Kellermann: Durch die Mehrfachbelastung mit Meisterschaft, Pokal und Champions League ist das schon notwendig.

WAZ: Und dann kommen noch Länderspiele dazu...

Kellermann: Ja, wir haben 13 Spielerinnen, die regelmäßig mit ihren Auswahlmannschaften im Einsatz sind. Dadurch kann man schon von einer Vierfach-Belastung sprechen. Aber das wollen und werden wir mit diesem großen Kader auffangen.

WAZ: Wie wichtig sind die Neuzugänge Vanessa Bernauer, Caroline Hansen, Isabel Kerschowski und Babett Peter?

Kellermann: Wichtig, denn es war ja klar, das wir nach den Abgängen von Josephine Henning, Conny Pohlers und Ivonne Hartmann sowie vorher schon Olga Petrova und Desire Oparanozie etwas tun mussten.

WAZ: Charakterisieren Sie die vier „Neuen“ bitte in ein paar kurzen Sätzen.

Kellermann: Babett Peter wird Josis Position in der Innenverteidigung übernehmen. Sie ist ein absoluter Lea-der, sehr professionell. Nach ihrer langen Verletzungspause braucht sie noch Praxis, da ist noch Luft nach oben. Vanessa Bernauer hat sich trotz großer Konkurrenz auf der Sechserposition für uns entschieden. Aber aufgrund der vielen Spiele in dieser Saison wird sie uns helfen, das hat sie im Training und in den Tests schon angedeutet. Isabel Kerschowski kam mit zuletzt wenig Einsätzen in Leverkusen zu uns. Wir werden sie behutsam aufbauen. Gegen Twente und Paris hat sie aber schon gezeigt, dass sie Druck auf die Außenbahnspielerinnen machen wird. Und Caro Hansen ist schon eine besondere Spielerin...

WAZ: Inwiefern?

Kellermann: Sie macht Dinge mit dem Ball in einem derart hohen Tempo, das kann bei uns und wohl auch in Deutschland keine andere Spielerin. Am Ball ist die Frankfurterin Dzsenifer Marozsan genau so stark, aber bei Caro ist das Tempo noch etwas höher.

WAZ: Allerdings ist sie erst 19.

Kellermann: Richtig, aber gerade deswegen werden wir sie nicht verheizen, werden ihr individuelle Pausen gönnen. Zumal sie physisch noch zulegen muss.

WAZ: Frankfurt, Potsdam und Bayern München hatten Sie in der Vorsaison als stärkste Konkurrenten auf dem Zettel. Gilt das auch für diese Spielzeit?

Kellermann: Davon gehe ich aus. Das wird ein richtig spannender Kampf um die ersten beiden Plätze, die zur Teilnahme an der Champions League berechtigen. Frankfurt hat mit der Spanierin Veronica Boquete kurzfristig noch eine ganz starke Spielerin geholt, München hat sich mit den Nationalspielerinnen Melanie Behringer und Melanie Leupolz verstärkt. Und Potsdam zählt immer zum Favoritenkreis.

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