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Der lange (Um)weg nach Rio

Leichtathletik Der lange (Um)weg nach Rio

Die letzte große Herausforderung, bevor sich ein Traum erfüllen soll – Sven Knipphals ist in Amsterdam eingetroffen, will dort am Wochenende mit der deutschen Sprintstaffel über 4x100 Meter um eine EM-Medaille laufen. Im Team war er zuletzt immer. Das will er danach auch bei den Olympischen Spielen sein.

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Wo alles begann: Sven Knipphals im Stadion West.

Mal laufen – nachdem er 2012 Ersatz war.

Knipphals ist VfLer durch und durch – seine Urgroßmutter war Gründungsmitglied des Klubs, sein Großvater deutscher Handball-Meister, sein Vater ein Spitzenleichtathlet. „Allerdings“, so erinnert sich der Jüngste dieser Tage, „sind die ersten Leichtathletik-Erinnerungen nicht mit dem Elsterweg verknüpft“. Die WAZ wandelte mit ihm auf historischen Spuren. „Irgendetwas klingelt da“, sagt Knipphals schmunzelnd auf der Aschenbahn im Stadion West. „Hier hat mich Trainer Karl Götze laufen lassen.“

Auf dem Platz des TSV stieg er ein. Und wieder aus. Der VfL hatte das Pokalfinale im Fußball erreicht. „Meine Klassenkameraden machten alle Fußball, ich auch. Bei der JSG Barnstorf/Hehlingen.“ Es gab oft auf die Knochen. Sein Vater wandte sich an Leichtathletik-Trainer Werner Morawietz, Knipphals versuchte es noch mal in der Leichtathletik. Als Spätstarter. „Die Zeiten waren anfangs nichts“, sagt er. Aber er blieb dran. Und als er bei 11,06 Sekunden über 100 Meter angekommen war, hatte er endgültig Blut geleckt.

Sein Studium zum Chiropraktor absolvierte er in England, er wurde immer schneller. Nun arbeitet er in Leipzig, hat einen straffen Zeitplan, trainiert täglich mehrere Stunden außer Sonntag, arbeitet dreimal in der Woche als Chiropraktor. Inzwischen hat er einige Sponsoren, die Fußball-GmbH unterstützt ihn auch. „Zehn Jahre lang habe ich nur Miese gemacht. Das ist jetzt nicht mehr so.“

In Amsterdam gut sein, dann in Rio laufen, das ist sein Traum. Schluss machen will Knipphals 2018. EM in Berlin. „Dann reicht es“, sagt er. Reicht es für Rio? Es sollte. Im April hatte ihn Trainer Ronald Stein mal beiseite genommen. „Ich hatte im Olympiajahr einfach zu viel richtig machen wollen, war verkrampft.“ Seitdem läuft es wieder. An seiner Bestzeit von 10,13 Sekunden ist er fast wieder dran.

In Amsterdam wird schon trainiert. „Ich bin heiß wie Frittenfett“, postete er auf Facebook. Rio im Blick, Wolfsburg im Herzen. „Wahnsinn, wie sich diese Stadt immer wieder verändert“, sagt er mit Blick auf die Häuser, die am Stadion West auf dem Gelände des ehemaligen Schwimmbades entstanden sind. Ihm fällt es auf, weil immer ein paar Wochen zwischen seinen Besuchen liegen. Die sind ihm wertvoll. Die Olympiaverabschiedung mit Wettkampf in Mannheim am 29. Juli lässt er deshalb auch sausen: „Mein Großvater wird 90. Ich habe noch alle Großeltern. Das ist ein Privileg. Das geht vor.“ Aber dann zählt nur noch Rio.

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