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Norm Milley im Interview: „Das Team ist für mich auch eine Familie“

EHC Wolfsburg Norm Milley im Interview: „Das Team ist für mich auch eine Familie“

Christoph Höhenleitner hat mehr Spiele für den EHC gemacht, mehr Punkte als Norm Milley (92 Tore, 242 Vorlagen in 359 Spielen) hat kein Profi des Eishockey-Erstligisten. Ein Liga-Top-Wert. Was Milley über die Saison und seine Zukunft denkt, verriet er im Interview mit WAZ-Sportredakteur Jürgen Braun.

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Seit 2008 beim EHC: Norm Milley skorte im Schnitt fast einen Punkt pro Spiel für Wolfsburg.

WAZ : Der Start rückt näher, sie kennen die Mannschaft gut - wie weit ist der EHC? Bereit?
Milley : Sicher sind wir bereit. Es ist immer schön, wenn es losgeht. Wir sind auf einem guten Weg, aber es gibt noch viele kleine Dinge, an denen es zu arbeiten gilt. Das ist ganz normal.

WAZ : Sie haben schon viele Spieler beim EHC kommen und gehen gesehen - wie fühlt sich die Mischung diesmal an?
Milley : Wie jedes Jahr sehr gut. Und das sage ich nicht nur so daher. Es ist erstaunlich, wie Manager und Trainer es jedes Jahr hinkriegen, dass die Chemie so gut passt. Talent gibt es bei einigen anderen Klubs oft mehr. Aber ein Grund, warum wir auch als Underdog oft weit gekommen sind, war sicher die Chemie im Team.

WAZ : Haben Sie sich die Kader der anderen Teams angeschaut, wie schätzen Sie die Liga ein?
Milley : Klar schaut man drauf, was die anderen treiben. Ich denke, die Klubs sind enger zusammengerückt, wobei ich ohnehin das Gefühl habe, dass die DEL besser und besser wird. Ein guter Start wird wichtig sein.

WAZ : Kriegt der EHC ihn hin?
Milley : Ich hoffe es. Und ich glaube schon. Wir könnten Vorteile haben, weil wir zwar einerseits viele Neue, aber auch einen starken Kern behalten haben.

WAZ : Mit einigen spielen Sie schon seit fünf und mehr Jahren zusammen - hätten Sie das gedacht, als Sie 2008 zum ersten Mal in Wolfsburg unterschrieben?
Milley : So weit hatte ich nicht gedacht. Es war ein Abenteuer. Mal sehen, wie es wird, haben wir uns gesagt.

WAZ : Und wie wurde es?
Milley : Wir sind hier zu Hause. Noah ist in der zweiten Klasse, Charlotte, die in Wolfsburg geboren wurde, ist im Kindergarten, am Hageberg fühlen wir uns total wohl.

WAZ : Können Sie sich vorstellen, noch einmal woanders zu spielen?
Milley : Das ist eine schwierige Frage. Ich möchte auf jeden Fall noch ein wenig weiterspielen, ein paar Jahre, so lange es mein Körper zulässt.

WAZ : Spekulationen, nach denen diese Ihre letzte Saison in Deutschland sein könnte, verbieten sich?
Milley : Sicher. Ich möchte noch spielen. Und möglichst so gut, dass der EHC mir guten Gewissens noch einmal ein Angebot machen kann. Schon allein wegen der Kinder möchte ich nicht wechseln. Und dieses Team ist für mich auch eine Familie. Aber das hängt alles an meinen Leistungen.

WAZ : Vergangene Saison haben Sie unter Ihrem üblichen Schnitt geskort. Ärgert Sie das?
Milley : Klar. Ich war verletzt, habe einige Partien verpasst, auch danach dauert es ein paar Spiele, wieder Tritt zu fassen. In den Play-Offs lief es ja ganz gut. Aber ich möchte in der regulären Saison wieder besser skoren, dem Team mehr helfen.

WAZ: Geht es irgendwann wieder heim nach Kanada?
Milley: Ja, das ist der Plan.

WAZ : Ihr Teamkollege Matt Dzieduszycki, der wie sie Barrie als Heimathafen hat, sorgt schon mit einer Auto-Werkstatt für die Zukunft vor. Denken Sie auch schon über die Zeit nach dem Eishockey nach? Was haben Sie mal vor?
Milley : Ja. Man muss sich langsam umhören. Ich habe mal erste Kontakte geknüpft, möchte im Trainer-, aber noch lieber im Scouting-Bereich arbeiten. Da muss man normalerweise nicht so oft den Standort wechseln.

WAZ : Da lassen Sie jetzt Kontakte spielen - Ihr Teamkollege Nick Schaus hat erzählt, in Buffalo sind sie als Ex-NHL-Profi durchaus eine lokale Berühmtheit.
Milley : Naja, man kennt da natürlich ein paar Leute, hört sich um. Und der eine oder andere erinnert sich. Das ist manchmal erstaunlich. Jüngst erwähnte mich Patrick Kane, der Superstar der Chicago Blackhawks. Er erzählte, dass ich ihn mal ein bisschen in einem Camp trainiert habe, als er jung war. Das war dann auch in den Hockey News zu lesen. Das fand ich nett, und meinen Vater hat es sehr gefreut.

WAZ : Damals hatten Sie noch einen größeren Namen als Patrick Kane...
Milley (schmunzelt): Ja, das war wohl so. Aber dieser Kane, der hatte damals schon unglaublich gute Hände.

WAZ : Zurück zum EHC. Wolfsburg war einmal im Finale, warum hat es nicht für den Titel gereicht?
Milley : Berlin war erfahrener, das hat, glaube ich, den Unterschied gemacht. Das verlorene Finale war eine große Enttäuschung. Aber es ist ein Prozess, sich zu einem starken Team zu entwickeln.

WAZ : Wolfsburg ist jetzt über Jahre ein starkes Team, muss da nicht auch mal der Titel gehen?
Milley : Den will jeder. Aber die Krone zu holen, das ist immer wieder schwer. In jedem Jahr, in jeder Liga.

WAZ : Was ist Ihr Leitspruch für den EHC 2014/15?
Milley : Alles geben. In jeder Partie kämpfen, eine gute Mannschaft sein. Und gute Mannschaften sollten nicht zweimal in Folge verlieren.

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