Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° Regen

Navigation:
„Meine Töchter finden es klasse, den Papa auf den Plakaten zu sehen“

Eishockey: Grizzlys Wolfsburg „Meine Töchter finden es klasse, den Papa auf den Plakaten zu sehen“

Vergangene Saison war er spät in Fahrt gekommen, bekam auf den letzten Drücker einen Vertrag. In dieser Saison zog Angreifer Brent Aubin (30) durch. Der Franko-Kanadier war der Top-Torjäger der Grizzlys. Vor dem Play-Off-Start um die deutsche Eishockey-Meisterschaft sprach WAZ-Sportredakteur Jürgen Braun mit ihm. 

Voriger Artikel
Schock vor Play-Offs: Ex-Grizzlys-Coach Toni Krinner tot
Nächster Artikel
Macht Haie-Blut die Grizzlys heiß?

Raus mit der Freude: Brent Aubin jubelt wild wie kaum ein anderer. Und vergangene Saison so oft wie nie in der DEL. Nun ist der Angreifer das Play-Off-Motiv der Grizzlys.

Sie sind das Plakat-Motiv der Grizzlys für die Play-Offs. Was ist das für ein Gefühl?
Das ist toll, es ist eine Ehre. Meine Töchter finden es auch klasse, den Papa auf den Plakaten zu sehen.

Sie haben drei Töchter, wie bei allen Profis kommen auch ihre Kinder liebend gern mit zu den Spielen, wenn der Termin passt – ist das auch Druck für einen Profi?
Na, ja, klar. Unsere Heimschwäche am Anfang der Saison haben wir zwar auswärts kompensiert, aber die Kinder kommen nach Siegen so gern mit auf‘s Eis zur Ehrenrunde. Und die Fragen natürlich ‚Papa, wann können wir denn mal wieder mit?‘ Da ist es nicht schön, wenn man mehrmals hintereinander zu Hause verliert.

Das Play-Off-Covermotiv mussten die Grizzlys mit heißer Nadel stricken – Ihr Vertrag wurde erst spät, dafür dann aber lange verlängert...
Das macht mich – oder besser uns  – glücklich. Wir wollten gern bleiben, länger als ein Jahr, weil meine Älteste in die dritte Klasse kommt. Am Ende ist es ein Drei-Jahres-Vertrag geworden, das gibt beiden Seiten Sicherheit und ist in diesem Geschäft nicht so häufig. Das hat gut gepasst. Es gab andere Angebote, im Endeffekt ging es nicht um Geld. Eine etwas größere Wohnung, ein zweites Auto, Manager Charly Fliegauf hat es hingekriegt. Perfekt.

Das zweite Auto ist für die Familien-Fahrdienste gedacht, nehme ich an. Wie sieht ihr Tagesablauf normalerweise aus?
So wie bei vielen Familienvätern, schätze ich. Gegen 6 Uhr stehe ich auf, mache erst einmal eine heiße Schokolade, damit die beiden älteren Töchter mobil werden, wenn ich sie wecke. Dann frühstücke ich mit ihnen, fahre sie nacheinander zu Kindergarten und Schule. Meine Frau kümmert sich gleichzeitig um die Kleinste. Dann fahre ich in die Halle. Um 8.30 Uhr ist Training. Danach fahre ich heim zum Essen und hole dann die Kinder nacheinander wieder ab.

Sie hatten immer betont, gern bleiben zu wollen. Das sagen auffällig viele Wolfsburger Profis...
Und das sagen wir sicher nicht einfach nur so. Diese Mannschaft hat einen starken Kern, das ist eine Gemeinschaft, wie ich sie nur selten kennengelernt habe. Das ist schon eine spezielle Chemie. Geht ein Neuer nicht unseren Weg, dann hat er es schwer.

Horcht der Manager auch mal in die Mannschaft rein, wenn er einen Neuen holen will?
Er fragt schon, wenn er glaubt, dass wir Infos haben könnten über Fähigkeiten und Charakter möglicher Kandidaten.

In dieser Saison hat er lange abwarten müssen, bis er die letzten Importplätze besetzen konnte.
Aber er hat uns auch informiert, gesagt, dass man nicht um jeden Preis irgendeinen holen will. Ich denke, es ist gut geworden. Stephen Dixon hat uns noch ein bisschen Größe gegeben, Nick Johnson liebt das Spiel vor Gegners Tor, den Typ haben wir nicht zu oft. Mit Rob Hisey kam noch ein Mittelstürmer. Auf der Centerposition Tiefe zu haben, ist immer gut, denn ein Center kann auch Außen spielen, ein Außen aber oft nicht als Center. Mit Tyler Haskins, Mark Voakes, dazu Dixon, Fabio Pfohl, Gerrit Fauser und Tyson Mulock haben wir ganz viele Akteure für diese wichtige Rolle.

Sie klingen recht zuversichtlich für die Play-Offs...
Oh, ja. Das bin ich auch. Ich glaube an unsere Truppe, ich habe ein gutes Gefühl.

Was zeichnet die Grizzlys 2016/17 aus?
Wir haben alles. Eine Mannschaft ist ein Puzzle. Man braucht Leadership, Enthusiasmus, Energie. Das alles haben wir. Wir haben eine tolle Mischung. Da gibt es zum Beispiel die, deren Leistung, ob im Spiel oder Training, kaum schwankt, die, deren Wort in der Kabine großes Gewicht hat, physisch starke Spieler, schnelle Spieler, extrem gute Allrounder, und, und, und. Und mit Pavel Gross einen Trainer, der uns wieder perfekt einstellen wird.

Und ihre Rolle?
(lacht) Ich bringe ein bisschen Atmosphäre rein.

Heißt?
Ich bin eher ein fröhlicher Typ. Wenn einer einen Fehler macht, dann grinse ich ihn zum Beispiel an, dann weiß er auch, das war nichts.

Und sie jubeln wie verrückt, wenn ein Tor fällt, egal, ob Sie getroffen haben oder einer Ihrer Mitspieler. Haben die nicht manchmal Angst, wenn Sie sie anspringen?
Nein, die kennen das ja. Ich kann nicht anders, das war immer so. Ich freue mich immer riesig, wenn meine Mannschaft ein Tor schießt. Auch das ist halt so, jeder jubelt anders.

In dieser Spielzeit hatten Sie viel Grund zum Jubeln. Ihre Reihe hat stark getroffen, Sie haben einen persönlichen DEL-Rekord geschafft. 25 Tore. Warum lief es so gut?
Da gibt es einige Faktoren. Ich war fit wie noch nie, konnte erstmals in Deutschland alle Spiele absolvieren. Und nach etwas Verletzungspech in den Jahren zuvor konnte ich im Sommer das Trainingsprogramm unseres Fitnesscoaches Anton Blessing abarbeiten. So einen individuellen Plan hatte ich noch nie. Es hat funktioniert. Und ich mache die Tore ja nicht allein. Mit Mark Voakes und Christoph Höhenleitner habe ich im Sturm starke Nebenspieler gehabt, wobei es aber auch mit Fabio Pfohl, Lubor Dibelka oder Kris Foucault gut war.

Aber die Torflut kam erst in der zweiten Saisonhälfte. Kann man das erklären?
Ich glaube nicht. Manchmal will der Puck einfach nicht rein.

Sie sind 2008 aus Kanada nach Europa gewechselt. Wie haben Sie sich seitdem verändert?
Vor allem habe ich abgenommen. Kein Witz, ich wog 90 Kilo, bei 1,75 Meter Größe. Dieses  Gewicht war die Anforderung der Toronto Maple Leafs, in deren Organisation ich nach der Juniorenzeit war. In Salzburg haben sie mir dann schmunzelnd gesagt: ,Deshalb holt Toronto ja auch den Stanley-Cup nicht‘ und mir nahegelegt, abzunehmen. Mein Skating ist seitdem sicher besser geworden.

Jetzt geht es mindestens viermal gegen Köln, versuchen Sie, den gegnerischen Torwart zu studieren, seine Schwachstellen zu finden?
Das mache ich durchaus. Aber Gustav Wesslau ist ein ganz starker Torwart. Natürlich versuche ich, seine Achillesferse zu finden. Nur: Ob ich die dann auch nutzen kann, ist eine andere Geschichte, man hat in der Regel wenig Zeit zum Schuss und das mögliche Wissen umzusetzen. Sicher ist: ich versuche, den Torwart zu überraschen.

Wolfsburg Fünfter, Köln Vierter, am Dienstag geht die Serie bei den Haien los – die Grizzlys werden versuchen, die Haie in eigener Halle zu überraschen...
Wir haben zuletzt immer wieder Wege gefunden, Spiele zu gewinnen. Auch in Köln. Das werden wir am Dienstag wieder versuchen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Grizzlys Wolfsburg
Vergleiche die Wettquoten für Spiele vom VfL Wolfsburg bei SmartBets.