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„Grizzlys haben ihre Nominierung verdient“

WAZ-Interview mit WM-Experte Goldmann: „Grizzlys haben ihre Nominierung verdient“

Als TV-Experte sorgt er bei den Eishockey-Übertragungen von Sport1 für Insider-Wissen, Analysen und den gewissen Witz - und auch bei der heute beginnenden Heim-WM in Köln ist Ex-Nationalspieler Rick Goldmann wieder mit von der Partie. AZ/WAZ-Journalist Yannik Haustein sprach mit dem gebürtigen Dingolfinger über das Turnier, die Chancen der deutschen Mannschaft und die Grizzlys Wolfsburg.

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Vorfreude: Ex-Eishockey-Nationalspieler und Sport1-Experte Rick Goldmann.

Quelle: Nadine Rupp / Ruppografie

Wie heiß sind Sie auf die Heim-WM?

Ich freue mich natürlich wahnsinnig. Auch für uns Ex-Profis ist es etwas Besonderes. Ich habe bei der WM 2001 gespielt, 2010 war ich schon bei den Sport1-Übertragungen als Experte im Einsatz - man merkt, wie heiß die Spieler und die Fans sind. Das Turnier bekommt natürlich auch mehr Aufmerksamkeit.

Bei der WM 2010 schaffte es die deutsche Mannschaft auch dank der tollen Atmosphäre auf Platz vier. Kann die das Team wieder so pushen?

Die Fans sind immer ein Faktor. Es kann auch nach hinten losgehen, wie im vergangenen Jahr für die Russen: Sie hatten zu viel Druck und hohe Erwartungen von den Fans und den Medien. 2010 war das Gegenteil: Das Rekordspiel in Gelsenkirchen (2:1 n.V. gegen die USA vor 77.800 Zuschauern, Anm. d. Red.) brachte den Stein ins Rollen, auch wegen der Stimmung.

Sie haben im Rahmen des Deutschland-Cups im November vergangenen Jahres davon gesprochen, dass die Heim-WM eine gute Gelegenheit wäre, Eishockey in Deutschland präsenter zu machen. Wie kann das gelingen?

Über die Vermarktung, was teilweise bereits passiert ist. Jetzt helfen vor allem der sportliche Erfolg und die Geschichten über die Spieler selbst. Es braucht immer Ergebnisse, um das Interesse zu fördern.

Welche Chancen darf sich die deutsche Mannschaft ausrechnen?

Die erste Partie gegen die USA ist das Schlüsselspiel. Gegen Schweden und Russland wird normalerweise nichts zu holen sein, daher ist ein guter Auftakt wichtig. Dieses Jahr sind fast alle Topspieler da, Thomas Greiss war bereits letztes Jahr überragend im Tor, nachdem er aus der NHL dazu kam. Christian Ehrhoff ist dieses Mal von Anfang an dabei, er und Dennis Seidenberg bringen für die Verteidigung viel NHL-Erfahrung mit. Tobias Rieder ist in der Offensive eine Verstärkung. Dazu ist die Mannschaft durch die WM 2016 und den Deutschland-Cup eingespielt. Das lässt hoffen, realistisch ist das Viertelfinale.

Mit Gerrit Fauser und Felix Brückmann sind zwei Akteure der Grizzlys Wolfsburg im vorläufigen deutschen Kader. Was halten Sie von ihnen?

Beide haben sich ihre Nominierung absolut verdient. Fauser hat schon letztes Jahr in den DEL-Playoffs und bei der WM bewiesen, was er für einen Sprung gemacht hat. Dieses Jahr hat er dazu noch gezeigt, dass er Tore schießen kann. Er bringt Härte mit, kann auch in Unterzahl spielen - das ist Gold wert. Bei Brückmann muss man sehen, wie viele Einsätze er hinter Greiss bekommt. Er war aber über weite Strecken der beste Torhüter der DEL-Saison, hat schließlich auch einen neuen Shutout-Rekord (315:01 Minuten ohne Gegentreffer, d. Red.) aufgestellt.

Wolfsburg schaffte es in der abgelaufenen Saison zum zweiten Mal in Folge ins DEL-Finale. Wie hat ihnen die Serie gegen den EHC München gefallen?

Am Schluss war sie relativ deutlich, das hatte ich nicht erwartet. In der Vorsaison waren die Münchner ab Weihnachten so dominant, dass es klar war, dass sie den Titel holen würden. Dieses Jahr war das nicht so. München hatte mit den Fischtown Pinguins und den abgekämpften Eisbären Berlin einen relativ leichten Weg ins Finale - dank des letzten Spieltags, an dem der EHC die Adler Mannheim von der Tabellenspitze gestoßen hatte. Manchmal ist der Sport gnadenlos, das zeigen die Parallelen, die es zwischen beiden Final-Serien gab. Wolfsburg hat Spiel eins wieder in der Verlängerung verloren, Spiel zwei wieder nach einer 2:0-Führung. Das war der Knackpunkt, spätestens dann werden sich die Wolfsburger wieder ans Vorjahr erinnert haben.

Immerhin gelang den Grizzlys im dritten Anlauf der erste Sieg in einem DEL-Finale. Kann Wolfsburg in absehbarer Zeit auch den Titel holen?

Das ist absolut nicht einzuschätzen. Es spricht aber für den Standort und Trainer Pavel Gross, wie das Team jedes Jahr auftritt und sich verbessert, das ist sehr stark. Diese Arbeit ist aller Ehren wert.

Zumindest kulinarisch hatte Wolfsburg die Nase vorn: Sie kürten einst die Wolfsburger Bratwurst zu ihrem persönlichen Liga-Favoriten - ist sie in ihrem Ranking weiterhin vorn?

Ich esse jedes Mal vor den Spielen eine. Wenn man in der Arena ist, hat man ja eigentlich keine Wahl. Wir schauen uns alle Würste der Liga an. Wo sie gut ankommen, erkennt man daran, dass der halbe Übertragungs-Wagen an derselben Imbissbude zu finden ist - das ist in Wolfsburg so. Für mich ist es die beste, im Pool mit den Kollegen von Sport1 und Telekom-Eishockey ist sie unter den Top Drei.

Zurück zur WM: Einige Spieler standen sich in umkämpften, intensiven Playoff-Serien gegenüber, nun sind sie Teamkollegen. Wie gehen die damit um?

Es gibt immer Spieler, die nie beste Freunde werden, aber wenn man Probleme miteinander hatte, weiß man, dass es im Spiel war. Es ist wie in einer großen Familie, auch da versteht man sich nicht mit jedem Onkel gleich gut. Wenn es aber darauf ankommt, hält man zusammen. Gegen seine besten Freunde spielt man dagegen immer besonders hart, weil man ihnen am meisten beweisen will, wer der Bessere ist. Es war bei mir aber nie so, dass man hinterher kein Bier mehr zusammen trinken gehen konnte, man lacht am Telefon eher darüber. Am Ende einer Playoff-Serie gibt man sich die Hand, und dann ist alles gut.

Nicht nur die deutsche Mannschaft ist gut besetzt, auch die anderen Teilnehmer bringen Star-Power mit. Welche Spieler sind Ihrer Meinung nach am interessantesten für die Zuschauer?

Die Kader sind ja noch nicht finalisiert, und es kann immer noch jemand nachrücken. Bei Schweden sind Victor Hedman und Oliver Ekman-Larsson stark, die Kanadier haben mit Mark Scheifele den siebtbesten NHL-Skorer an Bord, auch Claude Giroux ist stark, dazu ist Nathan MacKinnon im Gespräch. Bei den Amerikanern ist Jack Eichel dabei. Sehr interessant fände ich, wenn Alexander Radulov für Russland dabei wäre. Er ist im vergangenen Jahr aus Moskau zu den Montréal Canadiens gewechselt, damit war die KHL nicht glücklich und er war deshalb im Vorjahr nicht im WM-Kader.

Zu guter Letzt: Wer ist Ihr Favorit auf den WM-Titel?

Die Kanadier haben ein Topteam aus NHL-Profis dabei und zählen wieder zu den großen Favoriten. Die Russen haben zuletzt zweimal keinen Titel geholt und werden dementsprechend heiß sein. Dazu haben die Schweden eine interessante Mischung aus NHL-Stars in der Defensive, gepaart mit jungen, hungrigen NHL-Legionären im Sturm. Das verspricht viel Aggressivität und Bissigkeit. Diese drei Nationen sind meine WM-Favoriten.

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