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Grizzlys-Manager Fliegauf im großen WAZ-Interview

Eishockey: Start der Play-Offs Grizzlys-Manager Fliegauf im großen WAZ-Interview

Wer Meister werden will, muss an Wolfsburg vorbei – so läuft das in der Eliteklasse des deutschen Eishockeys. Seit 2009 waren die Grizzlys immer im Play-Off-Viertelfinale. Das hat kein Konkurrent geschafft. Gegen die Düsseldorfer EG geht es am Mittwoch (19.30 Uhr) los. WAZ-Sportredakteur Jürgen Braun sprach mit Wolfsburgs Manager Charly Fliegauf.

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Darauf kann man stolz sein: Als einziges DEL-Team war Wolfsburg seit 2009 immer in den Play-Offs dabei – und Grizzlys-Manager Charly Fliegauf zeigt, dass das auch auf den neuen Trikots steht.

Quelle: Photowerk (bas)

WAZ: Wieder in den Play-Offs. Wieder im Viertelfinale. Nun mal wieder auf direktem Weg - wie stolz macht das?

Fliegauf: Top Sechs war unser sehr anspruchsvolles Ziel für die Hauptrunde. Dass es zum Schluss Platz vier wurde, zeigt , dass vieles gut lief. Darauf kann man durchaus stolz sein. Eine Saison ist immer ein Marathon, da gibt es Phasen, wo es gut läuft, und Zeiten, in denen man sich durchbeißen muss. Bei uns gab es am Anfang die Phase, wo wir daheim viel verloren haben. Von zehn Heimspielen haben wir sieben verloren. Dass wir das drehen konnten... Das haben wir sehr gut gemacht. Die Serie von neun Spielen ohne Niederlage und der Schlussspurt waren mitentscheidend dafür, dass wir Kurs auf die Play-Offs nehmen konnten.

WAZ: Dieser Lauf kam mitten in die VW-Krise hinein, mitten in die Phase, als bekannt wurde, dass auch die Grizzlys sparen müssen. Wie haben Sie diese Phase erlebt?

Fliegauf: Das schärfte bei jedem die Sinne. Auch bei mir. Man trägt viel Verantwortung und muss das Positive, an das ich immer geglaubt habe, auch vorleben. Es war eine schwierige Situation für die ganze Organisation. Die Spieler befassten sich zwangsläufig auch mit dem Thema. Und es hat sie beschäftigt, das habe ich gemerkt, als ich ihnen in der Kabine die Lage erläutert habe. Da rückte man vielleicht noch enger zusammen.

WAZ: Mit welchen Zahlen die Grizzlys in Zukunft planen können, hing zu der Zeit in der Schwebe, genau wie Ihr Bleiben und das des Trainers...

Fliegauf: Für mich war klar, dass ich Geduld habe, die Spieler haben die Problematik offenbar nicht mit aufs Eis genommen. Es hat sie sogar beflügelt. Das war stark. Und die Serie kam zur richtigen Zeit. Man weiß nicht, ob es Einfluss auf die Entscheidungsträger beim Hauptsponsor hatte, aber geschadet hat die Serie nicht.

WAZ: Wolfsburg war speziell zuhause schwach gestartet. Macht sich ein Manager auch mal Sorgen?

Fliegauf: Ich halte es schon immer so, dass ich mir ein erstes Urteil erst nach dem ersten Viertel einer Saison bilde. Man konnte sehen und mir war klar, dass wir Probleme haben, wenn nicht alle hundertprozentig bei der Sache sind. Sorgen, nein, die hatte ich nicht, weil ich überzeugt war, dass wir eine gute Mannschaft haben. Und es war klar, dass man nicht die ganze Saison gut spielen kann. Eine schlechte Serie haben wir im Verlauf nicht mehr hingelegt. Keine Mannschaft spielt die ganze Saison auf einem Niveau. Und nach hinten heraus hat man dann gesehen, dass viele andere Mannschaften Probleme kriegten.

WAZ: Darf man die spannendsten Play-Offs aller Zeiten erwarten?

Fliegauf: Es sieht so aus. Hamburg war als Team für die Top Sechs eingeschätzt, Köln auch. Mannheim und Ingolstadt, Meister und Vizemeister, sind raus, das ist schon Wahnsinn. Es gibt keinen großen Favoriten. Von den acht kann jeder Meister werden.

WAZ: Es fällt auf, dass Wolfsburg keinen Star hat, keinen, der extrem viele Punkte macht. Das Team scheint der Star zu sein...

Fliegauf: Es ist, in Anführungszeichen, die leichtere Arbeit, im System zu bleiben, im System zu spielen, in dem jeder seine Rolle annimmt. Das haben wir sehr gut umgesetzt. Und ganz zum Schluss kommt es zurück auf unsere Identität. Wir werden nur Erfolg haben, wenn wir als Mannschaft funktionieren, wenn jeder bereit ist, den Job zu machen, für den er da ist - und final auch bereit ist, den Preis zu bezahlen.

WAZ: Ist das auch ein Prozess?

Fliegauf: Ja, und der hat eigentlich schon mit der Vorsaison begonnen und den Entscheidungen, die wir da getroffen haben. Wir haben mit Norm Milley und Matt Dzieduszycki zwei Spieler weggegeben, für die wir uns drei andere leisten konnten. Zwar haben nicht alle im Kader das gebracht, was wir uns erwartet haben, aber als Kollektiv hat es gut funktioniert, zudem hatten wir mehr Tiefe und auch mehr Konkurrenz im Team. Und mancher Spieler hat zu seiner Form noch gefunden oder kann sie noch finden.

WAZ: Ist es nicht irgendwie auch ein Glücksfall, wenn der eine oder andere nicht zu seiner Form gefunden hat - so, dass andere sich dann in den Vordergrund spielen können? Ich denke an die Eiszeit für Fabio Pfohl, die Entwicklung von Björn Krupp, der stärker zu werden scheint...

Fliegauf: Das sind die Geschichten, die eine Saison so schreibt. Ausfälle in der Produktion wurden in der Tat durch andere aufgefangen. Gerrit Fauser hat sich gesteigert. Ich sehe auch die Entwicklung von Armin Wurm, der ist wieder auf dem Niveau, wie wir ihn brauchen. Das sind solch positive Prozesse - man muss vielleicht mal auf die Fresse kriegen, aber dann wieder aufstehen.

WAZ: Wann werden die Grizzlys denn mal Meister? Ist das nicht langweilig, wenn man immer nur dabei ist?

Fliegauf: Langweilig? Nie! Man muss erst mal dabei sein. Unser Anspruch ist, so weit wie möglich zu kommen. In Sportarten mit Play-Offs hängt es an vielen Faktoren. Wir hoffen, dass wir möglichst keine Verletzten haben, dass alle an ihr Leistungsvermögen herankommen. Dann schauen wir mal, was geht. Wir wollen nicht vermessen sein. Es ist nach wie vor keine Selbstverständlichkeit, dass wir im Viertelfinale dabei sind. Ja, wir haben eine Chance, wir wollen versuchen, jedes Spiel so zu gestalten, dass wir eine Siegchance haben. Und dann schauen wir mal, wohin die Reise geht.

WAZ: Gegen die Düsseldorfer EG geht es los. Ihre Einschätzung des Gegners?

Fliegauf: Die DEG hat einen guten Mix aus Speed und Härte, dazu erfahrene Routiniers wie Norm Milley, der immer für gewisse Momente gut ist, oder Rob Collins, der auf die 40 zugeht und wahrscheinlich auch noch mit 40 auf diesem Niveau spielen kann. Und Torwart Mathias Niederberger hat eine starke Saison gespielt.

WAZ: Sie machen die Reise weiter mit, sie sind im neunten Jahr bei den Grizzlys, haben noch einmal für drei Jahre verlängert. Wolfsburg jedes Jahr in den Play-Offs - es gibt Klubs, die sich zwangsläufig für Sie interessieren müssten und wo sie mit größerem Etat vielleicht größere Titelchancen hätten.

Fliegauf: Dreimal hatte ich die Möglichkeit. Doch ich bin keiner, der oft von A nach B wechselt. Große Stadt, großer Etat, das hat Vor- und Nachteile. Das Wichtigste aber ist: Man muss sich wohlfühlen und es muss Spaß machen. Ich habe mich mit der Thematik nicht mehr beschäftigt. Und mit diesem Gebilde hier sind wir noch nicht fertig.

WAZ: Wolfsburg ist sportlich top, aber im Zuschauerschnitt, trotz Steigerung, Letzter - das wird außerhalb Wolfsburgs thematisiert, mit Sicherheit auch wieder in den Play-Offs. Nervt das?

Fliegauf: Es ist nervig, ja. Weil man oftmals auf die Zuschauerzahl reduziert wird und nicht gewürdigt wird für das, was man bisher erreicht hat. Da geht es uns genauso wie den Wolfsburger Fußballern, die das gerade wieder gegen Gent erlebt haben. Aber es sollte eigentlich auch ein bisschen ein Weckruf sein für alle, die in unserer Region leben. Ein Signal, eine Aufforderung, Ja zu sagen. Ja, wir sind Wolfsburger, wir können was, wir sind richtig gut, da gehen wir hin, das ist unser Spitzensport, das sind unsere Wolfsburger Mannschaften.

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