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EHC: Keeper wird zum Kampfhund

WAZ-Interview EHC: Keeper wird zum Kampfhund

Eigentlich sollte Daniar Dshunussow nur seine neue Torwart-Maske erklären. Doch einmal im Gespräch mit WAZ-Redakteur Daniel Hotop, war der Wolfsburger Goalie nicht zu bändigen. Denn bald schon ging es um viel mehr, als nur um einen Kopfschutz. Um Persönlichkeit auf dem Eis, um eine völlig neue Motivation für Dshunussow und darum, dass er dafür auf dem Eis jetzt auch merkwürdige Töne von sich gibt – Dshuni macht jetzt auf Kampfhund...

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Daniar Dshunussow

WAZ: Sie hatten in den vergangenen Jahren ein Foto von Ihrer Hochzeit auf der Torwart-Maske. Jetzt ziert ein Terrier den Helm. Wie kam’s zu dem Wechsel?

Dshunussow: Das Hochzeitsfoto hatte ich, weil wir in dem Jahr, in dem ich die Maske bekommen hatte, geheiratet haben. Jetzt bin ich zum Standard zurückgekehrt, zu dem, was mich ausmacht - Aggressivität. Und deswegen hab’ ich halt einen Terrier drauf.

WAZ: Welche Verbindung haben Sie zu diesem Hund?

Dshunussow: Ich hab’ im vergangenen Jahr, als es bei mir nicht so lief, gemerkt, dass es daran lag, dass ich diese Aggressivität, diese Explosivität, die mich ausmacht, im Spiel nicht halten konnte. Da hat es mir geholfen, dass ich gesagt habe: Wenn ich da draußen bin, möchte ich sein wie ein Kampfhund.

WAZ: Ein Kampfhund?

Dshunussow: Damit will ich natürlich nicht sagen, dass ich gut finde, was ein Kampfhund macht. Ich gehe einfach nur so das Spiel da draußen an. Deswegen schüttel’ ich auch immer meinen Kopf auf dem Eis. Ein Kampfhund macht das genauso. Weil ich den imitiere, kommen diese Aggressivität und Explosivität viel leichter und von allein, über das ganze Spiel hinweg. Das ist besser, als wenn ich einfach nur so im Tor stehe und mir sage: ‚Du musst jetzt aggressiver sein.’

WAZ: Haben Sie eine persönliche Beziehung zu einem Terrier?

Dshunussow: Nein, das ist einfach ein sehr stolzer Hund und deshalb habe ich mir den als Vorbild genommen.

WAZ: Man konnte in dem vergangenen halben Jahr dann und wann den Eindruck bekommen, Sie würden auf dem Eis auch bellen…

Dshunussow: Naja, ich schreie. Ich versuche so zu sein wie ein Kampfhund und spiele so, als wäre ich einer. Auch wenn es sich vielleicht verrückt anhört, aber ich mache das, weil es mir aus diesem Tal in der vergangenen Saison wieder herausgeholfen hat. Ab Anfang Dezember ging es Stück für Stück aufwärts. Und ich habe auch kein Problem damit, wenn die Leute sich fragen: ‚Warum macht der das? Das ist doch ein erwachsener Mann.’ Ich bin im Tor halt ein Kampfhund. Mir hilft’s. Das war ein Grund, warum ich zu meiner Form zurückgefunden habe und deswegen mache ich das weiter.

WAZ: Haben Sie denn den Eindruck, es beeinflusst die Spieler auf dem Eis?

Dshunussow: Die Spieler soll das überhaupt nicht beeinflussen. Wenn ich natürlich heiß bin, dann merken das auch meine Mitspieler, wissen, der ist gut drauf, aufmerksam und voll da.

WAZ: Und wie wirkt das auf Ihre Gegenspieler?

Dshunussow: Das ist genauso. Wenn die wissen, der gegnerische Torwart ist voll da und heiß, dann werden die ein bisschen mehr Respekt haben. Aber natürlich achten die auch mehr auf ihr Spiel.

WAZ: Frei nach dem Motto: Wenn es nur ein bisschen ablenkt, dann hat sich das Kampfhund-Dasein gelohnt?

Dshunussow: So ist das im Profibereich. Jeder will Erfolg haben und seine Familie ernähren. Da muss man immer über die Grenzen gehen, wenn man zu denjenigen gehören will, die den Unterschied ausmachen.

WAZ: War es eine spontane Idee mit dem Kampfhund oder gab es eine Entwicklung in Ihren Gedankengängen?

Dshunussow: Naja, es lief halt nicht gut und ich habe mir Gedanken gemacht. Ich schaue vor den Spielen auch Box-Kämpfe, Ultimate Fighting. Das hilft mir, im Spiel voll da zu sein. Und daraus, dass ich zum Beispiel Mike-Tyson-Kämpfe angeschaut habe, kam diese Verbindung, dass ich ein Kampfhund bin. Das hat nicht lange gedauert.

WAZ: Wie haben Ihre Mitspieler reagiert?

Dshunussow: Am Anfang war’s für die natürlich komisch, für die gegnerischen auch. Aber ich sage mir: Lieber so, und ich habe Erfolg, als dass ich jetzt immer noch herumrätsele, wie ich mehr Aggressivität aufs Eis bekomme. Da mach‘ ich mich lieber zum Apfel und hab‘ Erfolg.

WAZ: War es für Sie eine Umstellung?

Dshunussow: Überhaupt nicht. Es gibt Torhüter, die leben von ihrem Stellungsspiel - wie Kölns Danny Aus den Birken oder auch unser Sebastian Vogl. Und dann gibt es Reaktionstorhüter, die, um stark zu sein, ihre Schnelligkeit, Aggressivität und Explosivität brauchen. Und zu denen gehöre ich, das war schon immer so. Früher hat’s gereicht, wenn ich mir gesagt habe, ich muss aggressiv sein. Aber irgendwann hat das nicht mehr gewirkt und da hat mir das geholfen.

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