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14:46 14.02.2018
Wenn es um die Messung der tatsächlichen Schlafqualität geht, stoßen entsprechende Schlaf-Apps an ihre Grenzen. Quelle: Illustration: RND/Patan
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Hannover

Warum wir schlafen, kann die Hirnforschung zwar bis heute nicht vollends erklären. Neuere Ergebnisse lassen aber vermuten, dass beim Schlaf die Stoffwechselprodukte der Nervenzellen aus dem Hirn gewaschen werden. Arbeitet diese Müllabfuhr im Denkorgan ineffizient, sind die Konsequenzen unübersehbar: zu wenig oder schlechter Schlaf mindert die Leistungsfähigkeit und gefährdet auf Dauer die Gesundheit. Von Erinnerungsproblemen über Bluthochdruck bis zur Arbeitsunfähigkeit ist bei den Auswirkungen einer schlechten Nachtruhe alles zu finden.

Leider nimmt in Zeiten von Homeoffice und Smartphones die Zahl der Menschen mit Schlafproblemen kontinuierlich zu. Einer repräsentativen Studie der DAK aus dem Jahr 2016 zufolge leiden in Deutschland 80 Prozent der Erwerbstätigen unter schlechtem oder zu wenig Schlaf. Ein beachtlicher Markt. In den drängen seit einiger Zeit sogenannte Schlaftracker-Apps, Programme, die unseren Schlaf angeblich genau analysieren. Halten sie, was sie versprechen?

Obwohl 80 Prozent der deutschen Erwerbstätigen unter Schlafmangel leiden, kommen laut TK-Studie immerhin 32 Prozent auf mindestens sieben Stunden Schlaf. Quelle: RND/TK-Studie

Hilfreiche Informationen mit Apples Health-App

Zu den einfachsten Varianten zählt Schlafenszeit, eine Funktion, die in die Uhrzeit-App von Apples iOS integriert ist. Stellt man sich hier eine Einschlafzeit ein, erinnert das iPhone oder iPad einen daran, ins Bett zu gehen, und weckt zur gewünschten Zeit. Die Daten werden automatisch an Apples Health-App übertragen und protokolliert. So erstellt iOS ein Profil der Schlafmenge. Und diese Information kann wirklich hilfreich sein.

„Die richtige Menge Schlaf ist entscheidend“, sagt Professor Ingo Fietze, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Charité Berlin. „Gesund sind im Schnitt sieben Stunden pro Nacht oder rund 50 Stunden in der Woche. Dauerhaft unter sechs Stunden zu schlafen, ist ungesund.“ Natürlich komme es dabei vor allem auf die „Schlafeffizienz“ an, also dass man auch wirklich schläft und nicht einfach nur wach im Bett liegt. „Am besten, man legt sich zwischen 22 und 24 Uhr ins Bett“, sagt Fietze. „In dieser Phase sinkt die Körpertemperatur und der Hormonhaushalt ist günstig, um einzuschlafen.“ Eine Schlaferinnerung sei da durchaus sinnvoll.

Zwischen Traumschlaf und Tiefschlaf

Die Qualität der Nachtruhe hängt neben der Schlafmenge vor allem von den sogenannten Schlafstadien ab. Die Schlafmedizin unterscheidet grob gesprochen zwei Stadien: den Traumschlaf und den Tiefschlaf. Beim gesunden Nachtschlaf wechseln sich diese Stadien vier- bis sieben Mal pro Nacht ab. Vom Schlafstadium hängt zum Beispiel ab, wie viel wir uns nachts bewegen: im Traumschlaf ist der Körper völlig erschlafft, damit wir unsere Träume nicht ausagieren. Im Tiefschlaf dagegen wälzen wir uns schon mal hin und her.

Ein abgedunkeltes Zimmer oder zugedeckte Augen helfen, schneller in den Schlaf zu finden. Quelle: dpa

Apps messen die Bewegungen im Schlaf

Mit dem Beschleunigungsmesser des Smartphones messen Apps wie Sleep Better von Runtastic oder Sleep Cycle Alarm Clock (iOS und Android) die Bewegungen, die unsere Körper auf die Matratze übertragen. Dazu muss das Gerät neben den Kopf gelegt werden. Aus diesen Bewegungsdaten versprechen die Apps nicht nur die genaue Schlafmenge abzuleiten, sondern auch die Schlafphasen und damit ein Indiz auf die Schlafqualität. „Das ist Hokuspokus“, sagt Professor Fietze. „Der Bewegungssensor des Handys reicht für so eine Messung nicht aus.“ Für eine zuverlässige Bestimmung der Schlafstadien brauche man drei Messwerte: eine Hirnstrommessung, eine Messung der Bewegungen der Augen- und eine der Kiefermuskulatur. Zwar könne man mit einem einfachen Bewegungssensor feststellen, dass sich der Schläfer bewegt. In welchem Stadium er gerade ist, lasse sich aber nicht ablesen.

Die Apps Sleep Better und Sleep Cycle Alarm Clock gehen sogar noch einen Schritt weiter. Aus den Bewegungen wollen sie eine angeblich optimale Aufwachzeit berechnen. Die Apps vermeiden nach Aussage der Hersteller den Tiefschlaf. Dafür wecken sie ihre Nutzer auch mal vor der gewünschten Weckzeit, manchmal bis zu 30 Minuten. Auch hier winkt Professor Fietze ab. „In einer Zeit, in der Schlaf Mangelware ist, soll man sich auch noch früher wecken lassen? Das ist Unsinn.“ Zwar sei es tatsächlich schwieriger, in Gang zu kommen, wenn man aus dem Tiefschlaf geweckt wird. Aber in den frühen Morgenstunden lägen die Tiefschlafstadien ohnehin zu 95 Prozent hinter einem. Man sollte also lieber allen Schlaf nutzen, den man kriegen kann.

Was bringen Apps für einen besseren Schlaf?

Und was kann man für den guten Schlaf nicht alles mit Apps optimieren. Vom Feng Shui Sleeping Compass (Android) für die richtige Ausrichtung des Körpers über Sleep Bot (iOS und Android) und Pillow (iOS), die neben den vorgenannten Funktionen auch noch die Geräuschkulisse im Schlafzimmer analysieren, bis hin zu Blaulicht-Filtern wie Nightshift (iOS, integriert) oder Twilight (Android), die vor dem Einschlafen blaue Farbtöne auf dem Smartphone oder Tablet dimmen, auf das man besser einschlafe.

„Das Problem bei all diesen Interventionen ist, dass es keinen wissenschaftlichen Nachweis für ihren Nutzen gibt“, sagt Professor Fietze. „Jeder Schläfer ist anders und hat seine eigenen optimalen Umstände, um ein- und durchzuschlafen.“ Es gehe darum, diese persönlichen optimalen Umstände zu finden. „Wenn das bedeutet, dass der Fernseher läuft oder man ein Hörbuch hört, dann ist das kein Problem“, sagt Fietze.

Schnarch-Apps können helfen, Atemaussetzer zu erkennen

Bei einer Art von Funktion aber macht der Schlafexperte ein Zugeständnis: bei Schnarch-Trackern. Apps wie SnoreReport (iOS) und SnoreLab (iOS und Android) registrieren das Schnarchen und erstellen ein Profil des nächtlichen Sägens. „Schnarchen an sich ist kein Problem“, sagt Fietze. Schädlich seien die Atemaussetzer, die bei manchen Menschen damit einhergehen. „Eine App kann helfen, diese Aussetzer zu entdecken“, sagt Fietze. Ein Scharch-Tracker könne dann den nötigen „Schubs“ geben, um den Weg ins Schlaflabor zu finden. Aber aufgepasst bei Apps, die nächtliche Geräusche aus dem Schlafzimmer aufzeichnen. Immerhin erfassen sie dabei mitunter recht intime Laute. Es schadet nicht, vorher zu klären, ob die Geräusche eventuell über das Internet verschickt werden.

Entscheidend dabei ist es also, die eigenen optimalen Schlafbedingungen zu finden. Den Zeitpunkt des Einschlafens und die Schlafmenge kann man grob von einer App erfassen lassen, um den Überblick zu behalten. Die Schlafqualität jedoch kann heute noch keine App aus unserem nächtlichen Gewühle und Gemurmel ableiten.

Wenn Kinder schnarchen

Schnarchen ist auch bei Kindern keine Lappalie. Denn schlechter Schlaf begünstigt Übergewicht und chronische Erkrankungen, warnt Hermann Josef Kahl, Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Schnarchende Kinder haben zudem häufig mit Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Problemen in der Schule zu kämpfen, da ihre Konzentration und Lernfähigkeit beeinträchtigt sein können. Eltern betroffener Kinder sollten frühzeitig mit dem Kinder- und Jugendarzt darüber sprechen. Er kann das Kind dann zum Beispiel an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Kieferorthopäden überweisen. Die häufigste Ursache für Schnarchen bei Kindern sind vergrößerte Mandeln und Polypen.

Kinder schnarchen laut ärztlicher Definition, wenn in mindestens vier von sieben Nächten deutliche Geräusche zu hören sind – dann sollte man zum Arzt gehen. Nächte, in denen ein Kind erkältet ist und deshalb schnarcht, sind ausgenommen.

Mehr zum Thema Schlaf finden Sie hier.

Von Christian Honey/RND

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