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14:05 23.02.2018
Häufig haben Ärzte nicht viel Zeit für das Patientengespräch – umso wichtiger ist es, Symptome und Krankheitsverlauf nachvollziehbar zu schildern. Quelle: iStock
Hannover

Ein guter Mediziner sollte mit Menschen nicht nur einfühlsam sprechen können, sondern auch wollen. „Das Gespräch ist das wichtigste Instrument des Arztes“, sagt Corinna Schaefer, die beim Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) in Berlin den Bereich Patienteninformation leitet. Schon der Arzt Paracelsus forderte im frühen 16. Jahrhundert: „Zuerst heile mit dem Wort, dann mit der Arznei und zum Schluss mit dem Messer.“

Das klingt einleuchtend und modern, doch die sogenannte sprechende Medizin wird noch immer kaum honoriert: Hausärzte und die ebenfalls allgemeinmedizinisch tätigen Kinder- und Jugendärzte können rein rechnerisch für jeden Patienten, der im Quartal bei ihnen das Sprechzimmer betritt, weniger als fünf Euro für therapeutisch angezeigte Gespräche abrechnen. Dabei bergen gut geführte Diagnose-Gespräche enorme Chancen, können Behandlungskosten drastisch senken helfen und obendrein sehr guttun.

Patienten haben es selbst in der Hand

Allerdings haben es die Patienten zu einem beträchtlichen Teil selbst in der Hand, ob ein Gespräch mit dem Arzt gelingt und so zur Heilung beitragen kann. „Auch der Patient muss eine besondere Kunst kultivieren, nämlich die des Umgangs mit einem Arzt“, urteilt der US-Kardiologe Bernard Lown. Das letzte Kapitel in seinem Buch „Die verlorene Kunst des Heilens“ heißt nicht umsonst „Wie man Ärzte zum Zuhören bringt“. Denn genau darum sollte es Patienten gehen, wenn sie eine Praxis betreten oder im Krankenhaus die Chef-Visite ansteht.

Doch viele Ärzte haben oder nehmen sich zu wenig Zeit, um dem manchmal unbeholfenen Vortrag ihrer Patienten aufmerksam zu folgen. Nach Studien aus verschiedenen Ländern unterbrechen Mediziner ihre Patienten im Durchschnitt erstmals nach elf bis 24 Sekunden. Dabei wären die meisten Patienten nach anderthalb Minuten ohne Eingriff des Arztes fertig mit ihrem Eingangsmonolog – und fühlten sich, weil sie zu Ende kommen dürfen beim Sprechen, wertgeschätzt und damit wohl. Dauermonologe müssten Ärzte danach gar nicht befürchten.

Sorgfältige Anamnese benötigt Zeit

Die Ungeduld oder Hetze vieler Ärzte ist auch aus fachlicher Sicht ein Jammer. Denn die Hälfte aller Diagnosen ließe sich allein auf Basis jener Informationen korrekt stellen, „die der Arzt bei einer sorgfältigen Erhebung der Anamnese gewinnt“, also beim Aufdecken der Leidens- und Lebensgeschichte des Patienten im Gespräch, meint Josef Wilhelm Egger, Professor für biopsychosoziale Medizin in der Lehre in Graz.

Unter Zeitdruck stehende Mediziner verleiden ihren Patienten ein vertrauensvolles und dadurch erhellendes Gespräch schon durch Fahrigkeit oder andere körpersprachliche Signale. „Patienten können laut empirischen Studien im ärztlichen Gespräch eher selten ihr Anliegen vorbringen“, sagt Josef Wilhelm Egger. Etwa die Hälfte der Patientenprobleme werde „entweder nicht geäußert oder vom Arzt nicht aufgegriffen“ – nicht nur für ihn ein unhaltbarer Zustand.

Junge Ärzte sind im Vorteil

Während junge Ärzte dank neuer Ausbildungsinhalte inzwischen besser mit Patienten kommunizieren könnten, „kommen wir noch nicht an die Patienten heran“, sagt der Medizinpsychologe von der Medizinischen Universität Graz. „Wir müssen sie noch dazu motivieren, sich auf Gespräche mit ihren Ärzten vorzubereiten und die richtigen Fragen zu stellen.“ Doch dazu müsse sich ihre Grundhaltung ändern. Die moderne Medizin dürfe nicht länger „als Reparaturwerkstatt gesehen werden, auch nicht von den Patienten“. Mehr als wünschenswert seien „aufgeklärte und selbstverantwortliche Patienten, die in ihren Ärzten kompetente Berater sehen statt Befehlsgeber“.

Marie-Luise Dierks vom Zentrum für Öffentliche Gesundheitspflege an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) rät Patienten dazu, sich gut auf den Gang zum Doktor vorzubereiten. „Man sollte nicht zum Arzt gehen, ohne sich vorher zu fragen: Was will ich denn da eigentlich heute?“, sagt die Leiterin der Patienten-Universität an der MHH, einem öffentlichen Fortbildungsprogramm für Gesundheitsinteressierte. Gerade für chronisch Kranke sei es wichtig, sich vor dem nächsten Arzttermin klarzumachen, wozu er führen soll. „Aber auch akut Erkrankte sollten sich vorher genau aufschreiben, wie ihr Befinden ist“, empfiehlt Dierks und nennt mögliche Punkte: „Seit wann treten die Beschwerden auf, und haben diese schleichend angefangen oder plötzlich eingesetzt? Wie könnte man den Schmerz beschreiben: reißend, stechend oder brennend? Gibt es Begleitumstände, mit denen das Symptom erkennbar zusammen auftritt?“

Sich auf das Arztgespräch richtig vorbereiten

Am besten brächten die Patienten auch ihre Medikamente mit zum Arzt. „Oder sie schreiben sich wenigstens auf, was sie bekommen, und zwar möglichst genau, also etwa die Wirkstoffmenge: 50 Milligramm oder 100 Milligramm?“, merkt die Gesundheitsexpertin an. „Auf Fragen des Arztes nach diesen Dingen sollte man vorbereitet sein.“ Übrigens auch auf Fragen nach freiverkäuflichen Medikamenten, die man zusätzlich einnimmt. Mitentscheidend für ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Patient und Arzt ist eine Begegnung zwischen Gleichrangigen. „An der Patienten-Universität versuchen wir, die Menschen auf Augenhöhe mit ihren Ärzten zu bringen, indem wir ihnen Informationen über den Körper geben und darüber, wie es zu Krankheiten kommen kann“, berichtet Dierks.

Sorgen stets ansprechen

Unverstandenes oder Beängstigendes anzusprechen, sollten sich die Patienten unbedingt trauen. „Gerade ältere Menschen scheuen sich, ihre Sorgen vorzutragen, denn sie fürchten, der Arzt könne sich durch Zweifel an der vorgeschlagenen Therapie beleidigt fühlen“, erklärt Egger weit verbreitete Vorbehalte gegenüber kritischen oder um Klärung bemühten Nachfragen. Ärzte brauchen klare Hinweise. Wer von ihnen angehört werden möchte, muss es ihnen ausdrücklich signalisieren – Egger zufolge zum Beispiel so: „Herr oder Frau Doktor, es ist mir jetzt sehr wichtig, dass Sie mir zuhören und ich erst einmal ausreden kann. Denn ich möchte verstanden werden.“

Ärzte sollten sich unbedingt Zeit zum Zuhören nehmen

Zeit zum Zuhören – und zum aufmerksamen Hinsehen – sollten sich Mediziner unbedingt nehmen, rät der Gesundheitsforscher. Das geht eher schlecht, wenn der Arzt ständig Diagnose-Details in den Laptop auf seinem Schreibtisch tippt. „Der Arzt muss es bemerken, wenn ein Patient zwar Ja sagt zu einer Therapie, dabei aber unwillkürlich ganz leicht den Kopf schüttelt oder sich nervös die Hände knetet.“ Patienten seien „sehr wichtige Signalgeber“ – nur müsse der behandelnde Mediziner sie dazu auch anschauen.

Von Walter Schmidt/RND

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