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Nachrichten Wissen Venus schiebt sich vor die Sonne
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09:43 03.06.2012
Am Mittwochmorgen schiebt sich die Venus vor die Sonne. Quelle: dpa
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Hamburg

Diese Chance kommt zu Lebzeiten für kaum einen Menschen wieder: Am Mittwoch in den frühen Morgenstunden lässt sich ein sehr seltenes Himmelsschauspiel beobachten, der Planet Venus zieht dann vor der Sonne vorbei. Es ist erst der sechste sogenannte Venustransit seit der Erfindung des Fernrohrs, und der nächste wird erst wieder in 105 Jahren stattfinden. „Solange die moderne Medizin nicht ein Wunder zur Verlängerung der Lebenserwartung erfindet, ist dieser Transit Ihre letzte Gelegenheit, unseren Schwesterplaneten zu beobachten, wie er über die feurige Sonnenscheibe wandert“, betont der Chefredakteur des US-Magazins „Sky & Telescope“, Robert Naeye, in einer Mitteilung.

Ein Venustransit gleicht einer Mini-Sonnenfinsternis. Die Venus ist der innere Nachbarplanet der Erde und überholt uns regelmäßig auf der Innenbahn. Meist zieht sie dabei am irdischen Himmel allerdings ober- oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur sehr selten stehen Erde, Venus und Sonne so exakt in einer Reihe, dass die Venus genau über die Sonnenscheibe wandert. Während eines solchen Venustransits verdeckt unser Nachbarplanet dann für ein paar Stunden einen winzigen Teil der Sonne.

Wer das nicht gezielt beobachtet, bekommt es allerdings gar nicht mit. Denn die schwarze Venusscheibe erscheint nur rund ein Promille so groß wie die Sonnenscheibe und wandert als kleiner Fleck über die Sonne. Wer das Schauspiel von Mitteleuropa aus beobachten möchte, muss am Mittwoch früh aufstehen. Denn die Mini-Finsternis neigt sich bei Sonnenaufgang bereits ihrem Ende zu. Der Venustransit beginnt kurz nach Mitternacht und endet gegen 7.00 Uhr morgens.

Bei klarem Himmel und freiem Blick nach Osten lässt sich von Deutschland aus nach Sonnenaufgang - je nach Ort zwischen 4.45 Uhr und 5.25 Uhr - noch beobachten, wie die Venus das letzte Stück über die Sonnenscheibe wandert und sie dann verlässt. Niemals darf man allerdings mit ungeschützten Augen oder gar durch Feldstecher oder Teleskop in die Sonne blicken, sonst drohen schwere Augenschäden bis hin zur Erblindung. Am einfachsten lässt sich das Himmelsschauspiel mit einer Sonnenfinsternis-Brille verfolgen, gewöhnliche Sonnenbrillen bieten hingegen keinen ausreichenden Schutz. Eine völlig ungefährliche Variante bieten die zahlreichen Live-Übertragungen des Ereignisses im Internet.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden Hunderte Expeditionen ausgerüstet, um das seltene kosmische Schattenspiel zu beobachten, denn daraus ließ sich die Entfernung der Sonne berechnen. Von verschiedenen Punkten auf der Erde aus gesehen schiebt sich die Venus durch den etwas anderen Blickwinkel zu leicht unterschiedlichen Zeiten vor die Sonne, und aus der Geometrie ergibt sich die Distanz. „Heute kennen wir diesen Wert exakt, aber Transite sind immer noch nützlich“, erläutert US-Astronom Frank Hill vom National Solar Observatory. „Dieser wird uns helfen, verschiedene Instrumente für die Jagd nach extrasolaren Planeten mit Atmosphären zu kalibrieren.“

Denn so wie die Venus ein kleines Stück der Sonne verdeckt, schieben sich gelegentlich auch Planeten ferner Sterne von der Erde aus gesehen vor ihre Sonne. Die winzige Abschattung lässt sich mit Spezialinstrumenten registrieren. „Das europäische Weltraumteleskop „CoRoT“ hat mit dieser Technik bereits über 20 Exoplaneten entdeckt“, betont die Europäische Raumfahrtagentur Esa. Selbst die Atmosphäre solcher fernen Planeten, sofern sie eine haben, lässt sich dabei untersuchen, denn sie wird während des Transits vom Stern durchleuchtet.

Venustransite treten stets paarweise im Abstand von acht Jahren auf. Danach dauert es abwechselnd 105 und 121 Jahre bis zum nächsten Transit. Zuletzt fand 2004 ein Transit statt, der nächste steht im Jahr 2117 an. Den besten Logenplatz für das diesjährige Spektakel haben vermutlich die Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS. „Die Mitglieder der Expedition 31 werden die ersten Menschen in der Geschichte sein, die einen Venustransit aus dem All zu sehen bekommen“, sagt Mario Runco vom Johnson Space Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Zwar gab es auch beim Transit von 2004 eine Besatzung auf der ISS, aber erst Astronaut Don Pettit hat daran gedacht, einen Sonnenfilter mitzunehmen. „Ich wusste, dass der Venustransit sich während meines Einsatzes ereignen würde, daher habe ich einen Sonnenfilter mitgebracht, als meine Expedition zur ISS im Dezember 2011 startete.“ Mit einem starken Teleobjektiv will Pettit Bilder von dem Schauspiel aufnehmen und live ins Internet stellen. 

jhf/dpa

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