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Ein Jahr nach der Plagiatsaffäre

Unis haben keine Angst vor Abschreibern

Keine Angst vor Abschreibern haben die Unis in Niedersachsen. Vor gut einem Jahr wurde Karl-Theodor zu Guttenberg wegen der Plagiate in seiner Arbeit der Doktortitel aberkannt - bei der Betreuung der Studenten hat sich danach nur an einigen Hochschulen etwas geändert.
Ein Jahr nach der Plagiatsaffäre haben die Unis wenig an der Betreuung der Doktoranden geändert.

Ein Jahr nach der Plagiatsaffäre haben die Unis wenig an der Betreuung der Doktoranden geändert.

© dpa (Symbolbild)

Hannover. Die großen Unis in Niedersachsen haben bei der Betreuung ihrer Doktoranden trotz der zahlreichen Plagiatsaffären im vergangenen Jahr nichts Wesentliches verändert. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ein Jahr nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, dem wegen seiner zusammenkopierten Arbeit der Doktortitel aberkannt wurde.

Sprecher der Universitäten in Göttingen und Hannover berichteten, sie setzten nach wie vor mehr auf intensive Betreuung ihrer Doktoranden als auf Software zur Erkennung von möglichen Plagiaten.

Auch die Uni Osnabrück legt darauf am meisten Wert. Bei Bachelor- und Masterarbeiten will die Uni in Zukunft aber mit entsprechender Software arbeiten. „Dabei ist noch nicht entschieden, ob alle Arbeiten oder nur Stichproben gescannt werden“, sagte Unisprecher Utz Lederbogen. „Uns ist nicht daran gelegen, alle Arbeiten gleich unter einen Generalverdacht zu stellen.“

Im Januar beschloss das Präsidium der Osnabrücker Hochschule auch verbindliche Qualitätsstandards für Doktorabreiten. Promovierende und Betreuer müssen sich künftig verpflichten, die Regeln für „Gute Wissenschaftliche Praxis“ einzuhalten. Die Uni hat auch einen Ombudsmann, der dafür sorgen soll, dass die Spielregeln eingehalten werden.

Die Uni Hannover bietet inzwischen zwar eine Plagiatssoftware an. Es liegt aber im Ermessen der einzelnen Fachbereiche, ob sie diese bei der Bewertung von Doktorarbeiten routinemäßig einsetzen oder nicht, sagte Unisprecherin Andrea Wiese. Ein solches Computerprogramm erleichtert es Professoren, eine Kopie in Promotionsschriften zu erkennen.

Erfahrungen mit Promotionsbetrug hat die Uni schon lange vor dem Fall zu Guttenberg gemacht: Im Jahr 2008 wurde ein Jura-Professor verurteilt, weil er gegen Geld Dutzenden Studenten zum Doktortitel verholfen hatte, obwohl sie keine ausreichende Qualifikation besaßen. Seitdem müssen Jura-Studenten unterschreiben, dass sie nicht die Dienste eines Promotionsvermittler in Anspruch genommen haben.

„Wir sind uns dieser Problematik schon sehr früh bewusst gewesen und wir sind vorne mit dabei gewesen, als es darum ging, etwas dagegen zu unternehmen“, sagte Unisprecherin Wiese. Die Professoren seien angehalten, ihre Doktoranden intensiv zu betreuen. Ferner gibt es in Hannover Angebote wie eine Graduiertenakademie, in der Doktoranden betreut werden, wenn sie es wünschen. Außerdem ist Hannover eine der wenigen Unis, die Promovierende zentral erfasst und im Blick behält.

Die Uni Göttingen, die einzige niedersächsische Elite-Uni, hat sich durch die Debatte um Plagiate in Doktorarbeiten prominenter Politiker nicht beeindrucken lassen. Die Hochschule setzt wie schon vor der Affäre Guttenberg in Promotionsverfahren vor allem auf eine qualifizierte Betreuung. „Das ist die wichtigste Maßnahme gegen Plagiate“, sagte Sprecher Thomas Richter. Bewährt hat sich auch dort die Arbeit in Graduierten-Kollegs. In Teilbereichen der Universität wird bei Master-Arbeiten eine spezielle Plagiatssoftware eingesetzt, aber erst testweise. Ob dieses Programm in Göttingen einmal allgemein verwendet werden wird, ist noch nicht klar. 

dpa


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