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Schlachtfeld-Ausgrabungen

Große Heere standen sich am Harzhorn gegenüber

Die Germanen wollten die Römer in einen Hinterhalt locken. Doch sie holten sich blutige Nasen. Die Schlacht, die um das Jahr 235 nach Christus am Harzhorn im heutigen Landkreis Northeim tobte, entschieden die Legionäre eindeutig für sich.
Größer als gedacht: Eine Schlacht zwischen Römern und Germanen bei Northeim.

Größer als gedacht: Eine Schlacht zwischen Römern und Germanen bei Northeim.

© dpa

Die Grabungen auf dem als Sensationsfund eingestuften römisch-germanischen Schlachtfeld in Südniedersachsen liefern den Wissenschaftlern immer neue Erkenntnisse. Danach war das Gefecht, das sich germanische Krieger mit römischen Legionären und deren Hilfstruppen im dritten nachchristlichen Jahrhundert auf dem Höhenzug „Harzhorn“ zwischen Bad Gandersheim und Kalefeld lieferten, sehr viel größer als bisher angenommen.

„Auf beiden Seiten standen sich vermutlich jeweils mehrere Tausend Mann gegenüber“, sagte der Archäologe Prof. Michael Meyer. Der Berliner Wissenschaftler, der die Ausgrabungen leitet, hatte zuvor am Mittwoch in Harriehausen, einem Ort in der Nähe des historischen Schlachtfeldes, zusammen mit anderen Experten die neuesten Ergebnisse der Untersuchungen präsentiert.

Nach den bisherigen Erkenntnissen waren die Römer um das Jahr 235 nach Christus auf dem Rückweg von einem Vergeltungs-Feldzug gegen die sogenannten Elbgermanen im Bereich der heutigen Altmark in Sachsen-Anhalt, die zuvor in das römische Reich eingefallen waren.

Für ihren Weg nach Süden nutzten die Legionäre eine überregionale Trasse, auf der heute noch die Autobahn 7 verläuft. Um die Römer zu stoppen, errichteten die Germanen an einem der schmalsten Abschnitte, nämlich direkt am Harzhorn, eine Wegsperre. Den Römern, die deshalb über den Höhenrücken ausweichen mussten, sei es aber gelungen, sich zu formieren und die Germanen erfolgreich zu attackieren, sagte die Northeimer Kreisarchäologin Petra Lönne.

Dabei wurden die germanischen Stellungen unter regelrechtes Serienfeuer genommen. So fanden die Forscher an einer einzigen Stelle rund 70 Katapultbolzen. Die Römer konnten in dem Gefecht auf ihre überlegene Waffentechnik setzen. Die Pfeile der auf Wagen transportierten Katapultgeschütze konnten 200 Meter weit fliegen und dicke Metallplatten durchschlagen, sagte der Archäologe Prof. Michael Moosbauer von der Universität Osnabrück. Auch den Bogenschützen und Speerschleuderern der römischen Hilfstruppen aus den afrikanischen Provinzen hatten sie offenbar wenig entgegenzusetzen.

Für die Forscher steht nach allen bisherigen Funden jedenfalls fest, dass die Legionäre die Schlacht erfolgreich beendeten. „Hier hat ein römisches Heer gesiegt“, sagte Moosbauer. Das einzige Opfer des Gefechts, dessen knöcherne Überreste die Archäologen bisher gefunden haben, ist allerdings kein Mensch, sondern ein Pferd. Das Tier sei während der Schlacht offenbar in eine Grube gestürzt und verendet, sagte Meyer. Ob es ein Last- oder Reittier war, steht bislang nicht fest.

Nach den bisherigen Funden schließen die Forscher darauf, dass das Schlachtfeld Ausmaße von etwa 500 mal 2000 Meter hatte. Auf diesem Areal wurden rund 1800 Metallgegenstände ausgegraben, vor allem Waffen und Waffenteile des römischen Heeres, aber auch Rüstungs- und Ausrüstungsgegenstände, Pferdegeschirr, Schanzwerkzeuge, Zeltheringe, Wagenteilen und in großer Zahl Eisennägel, mit denen die Sohlen an den Sandalen der Legionäre befestigt waren. Hinzu kommen elf römische Münzen, die jüngste geprägt im Jahr 228. Von den germanischen Kriegern entdeckten die Forscher bislang dagegen nur eine Speerspitze und einige Pfeile.

Bisher sei allerdings nur an einigen Stellen gegraben worden, sagte Meyer. Zudem sei das Schlachtfeld möglicherweise noch sehr viel größer, als derzeit bekannt. Die Forschungsarbeiten könnten noch Jahre dauern. Das niedersächsische Wissenschaftsministerium werde die Untersuchungen finanziell auch weiterhin fördern, sagte Ministerin Johanna Wanka.

dpa


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