Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wissen Süß bleibt süß
Nachrichten Wissen Süß bleibt süß
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:44 12.02.2018
Die Alternativen zum handelsüblichen Haushaltszucker sind zahlreich. Doch wie gut sind sie? Quelle: Fotos: iStockphoto, Fotolia, Pixabay
Anzeige
Hannover

Fettsucht, Diabetes, Karies und Herzprobleme – nicht nur Ärzteverbände und Verbraucherorganisationen wie Foodwatch erkennen hinter all diesen Krankheiten einen Verursacher: zu viel Zucker, überall. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht sogar von einer „globalen Adipositas-Epidemie“. In den Regalen der Super- und Biomärkte sorgt die Kritik an der süßen Gesellschaft für immer neue Zuckerersatzprodukte.

Exotische Alternativen zum weißen Würfelzucker

Edles Extrakt aus der Kokosblüte, rustikaler Rübensaft oder kalorienarme Erythrit-Kristalle bieten dem Verbraucher mitunter exotische Alternativen zum weißen Würfelzucker. Auf der anderen Seite rührt die Zuckerlobby die Werbetrommel, und der Verein der Zuckerindustrie erklärt auf seiner Internetseite: „Nicht der Zucker, die zu wenige Bewegung ist schuld am Übergewicht.“ Zuckerexperte Oliver Huizing von Foodwatch sagt: „Die Regierung traut sich nicht, sich mit der Branche anzulegen.“ Die Gräben in der Auseinandersetzung um den Zucker sind tief, Verbraucher oft verunsichert.

„Alternativen zu klassischem Zucker werden sehr nachgefragt“, sagt Katja Zurmühlen, Produktmanagerin der Biomarktkette Alnatura; das „Kundenbedürfnis nach Süßungsalternativen“ sei hoch. Acht Sorten Honig, sieben Dicksaft- und Sirupvarianten und acht Sorten Kristallzucker hat die Kette in ihrem Sortiment. Die Rangliste der beliebtesten Produkte will das Unternehmen nicht nennen. Denis Schulz, Produktmanager der Berliner Bio-Company-Märkte, sagt für sein Unternehmen: Agavendicksaft und Rohrzucker, gefolgt von Dattelsirup und Reissirup verkauften sich besonders gut.

Ein Vorteil der Alternativen: Sie enthalten zusätzliche Nährstoffe

Bis auf die kalorienarme Reissüße weisen die Spitzenreiter mit 289 bis 396 Kilokalorien je 100 Gramm einen Energiegehalt auf, der sich aus ernährungsphysiologischer Sicht nur bedingt als Zuckerersatz eignet; viel weniger süß sind die Produkte auch nicht. Kein Wunder, bestehen auch Dicksaft, Sirup und Co. zum größten Teil aus Zucker. Der Vorteil gegenüber dem raffinierten Weißzucker: Die Alternativen enthalten zusätzliche Nährstoffe. So befinden sich in 100 Gramm des braunen Vollrohrzucker etwa 63 Milligramm Kalium und 58 Milligramm Natrium. Eine vergleichbare Menge frischer Möhren enthält die fünffache Menge von beidem. Eine Möhre hat dabei 30 bis 40 Kilokalorien, wohingegen 100 Gramm des Zuckers mit knapp 400 Kilokalorien ins Gewicht fallen.

Raus aus der Zuckersucht

Auch wenn es nicht explizit auf der Verpackung steht, entsteht bei vielen Kunden der Eindruck, die Alternativen seien „gesund“. Foodwatch-Fachmann Huizinga hält deshalb den Trend zur Ersatzsüße für „irreführend“. Sein Credo: „Wir müssen ganz grundsätzlich von der Süßgewöhnung wegkommen.“

Um etwa 30 Prozent ist der deutsche (Gesamt-)Zuckerverbrauch pro Kopf seit den Sechzigerjahren gestiegen, belegt eine Statistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. 67 Prozent der Männer und etwa die Hälfte der Frauen gelten hierzulande als übergewichtig oder adipös. In den ersten zehn Jahren nach der Jahrtausendwende ist die Diabetikerzahl um 24 Prozent gestiegen.

Zuckerersatzprodukte sind Ladenhüter

Doch das vielfältige Angebot an Zuckeralternativen weist auf ein neues Bewusstsein hin. Anti-Zucker-Selbsthilfegruppen, die derzeit landauf, landab entstehen, sind weiterer Ausdruck dieser Bewegung. „Eine gesunde Lebensweise hängt heute auch mit dem gänzlichen Verzicht auf Zucker zusammen“, erklärt Produktexperte Schulz. Vielleicht sei das auch der Grund, warum sich besonders exotische Ersatzprodukte mitunter entgegen dem vermeintlichen Trend als Ladenhüter erweisen. Kokosblütenzucker etwa ist laut Schulz kein Selbstläufer. Erythrit und Xylit, zwei Süßmittel auf natürlicher Basis, haben weder Bio Company noch Alnatura im Programm. „Dies hängt damit zusammen, dass es seitens des Bundesverbands Naturkost und Naturwaren dazu keine positive Einschätzung gibt“, so Schulz.

Die Auseinandersetzung um das Süße geht jedenfalls weiter: In Kürze will Foodwatch der Regierung einen offenen Brief mit Unterschriften zahlreicher Ärzteverbände und der Deutschen Diabetes Gesellschaft übergeben. Zu den zentralen Forderungen zählen: die Lebensmittel-Ampel zur eindeutigen Ausweisung des Zuckeranteils und steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln.

Das sind süße Zuckeralternative

Die bekannteste Alternative: brauner Zucker, Rohrzucker und Melasse. Quelle: Fotolia

Brauner Zucker, Rohrzucker, Melasse: Weiß oder braun? Während der raffinierte Haushaltszucker zu 100 Prozent reine Saccharose ist, enthalten der braune Vollrohrzucker und die sirupartige Melasse noch zahlreiche Mineralien des Zuckerrohrs. Melasse enthält etwa 60 Prozent Zucker. Der Melasse-Anteil ist auch beim braunen Zucker für den leicht karamellig-malzigen Geschmack verantwortlich. Ernährungsphysiologisch gesehen, hat der braune Zucker keine wesentlichen Vorteile gegenüber dem weißen: Die Mengen an Nährstoff sind einfach zu gering.

Kosten: etwa 50 Cent, Melasse 1 Euro (100 g). Süße: entspricht Zucker. Energie: 400 Kilokalorien (100 g), Melasse 290 Kilokalorien. Geeignet für: Karamell- und Malzfans.

Stevia, das grüne Zuckerwunder. Quelle: Fotolia

Stevia: Auf den rasanten Aufstieg in die erste Liga der Zuckeralternativen folgte die große Ernüchterung. Der aufwendig aus dem südamerikanischen Süßkraut Stevia rebaudiana extrahierte Süßstoff Steviosid ist seit 2011 in der EU als Süßmittel E 960 für Lebensmittel zugelassen. Mit null Kalorien schien er der perfekte Ersatz für synthetische Süßstoffe wie Aspartam. In der Praxis stellte sich allerdings schnell heraus, dass Stevia einen ungewohnten, künstlich-süßen Nachgeschmack hinterlässt, der viele Kunden abschreckt.

Kosten: je nach Form und Mischung 3 bis 17 Euro (100 g). Süße: bis zu 300-mal so süß wie Zucker, gebrauchsfertige Stevia-Zucker oft viermal so süß. Energie: 0 kcal (Mischungen haben oft deutlich mehr). Geeignet für: Diabetiker (in kontrollierten Mengen).

Tropischer Trend: rote Bananen. Quelle: Pixabay

Rote-Banane-Pulver: Ein typisches Trendprodukt auf dem Zuckermarkt ist die pulverisierte rote Banane. Geschmacklich etwas süßer als ihre gelbe Verwandte, eignet sie sich besonders für Desserts, Smoothies, Joghurts oder einfach zum Mixen einer Bananenmilch. Der Zuckeranteil ist mit 74 Prozent recht hoch, entsprechend der Kalorienwert. Gleichzeitig enthält das Pulver die meisten Nährstoffe der ursprünglichen Frucht, viel Eiweiß, gute Ballaststoffe, Betacarotin und Kalium. Da es ohne Hitzeeinwirkung hergestellt wird, ist Rote-Banane-Pulver ideal für alle, die in ihrer Ernährung den Schwerpunkt auf Rohkost setzen und nicht auf Süßes verzichten wollen.

Preis: etwa 4 bis 6 Euro (100 g). Süße: sanfte Süße mit deutlicher Bananennote (besteht zu drei Vierteln aus Zucker). Energie: 369 kcal (100 g). Geeignet für: Rohkostler.

Flüssiger Zuckerersatz: Agavendicksaft, Ahornsirup, Honig und Co. Quelle: Pixabay

Agavendicksaft, Ahornsirup, Honig und Co.: Sie sind die Klassiker: Von der Rübe bis zur Dattel bieten die eingekochten Dicksäfte und Sirups vor allem geschmackliche Alternativen zum Haushaltszucker. Alle Varianten bestehen zum größten Teil aus Glukose und Fruktose, also Zucker, lassen aber den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen – was vermeintlich seltener zu Appetitattacken führen soll. Der Fruktoseanteil wirkt sich nach neuen Erkenntnissen allerdings auch negativ auf den Stoffwechsel aus, kann Fettleibigkeit und Bluthochdruck begünstigen.

Kosten: unterschiedlich. Süße: etwas süßer als Zucker. Energie: 285 kcal (Honig) – 310 kcal (Agavendicksaft). Geeignet für: Weißzucker-Skeptiker, Naschkatzen.

Die beinahe Zucker-Doppelgänger: Xylit und Erythrit. Quelle: Fotolia

Erythrit, Xylit: Sie sehen aus wie Zucker, schmecken (beinahe) wie Zucker, sind aber kein Zucker. Die biochemisch produzierten Alkoholzucker Erythrit und Xylit sind natürlichen Ursprungs, kommen etwa in Kohl vor und sind nahezu kalorienfrei. Für den Handel werden sie durch Fermentation von Stärke mithilfe von Hefen gewonnen. Sie können jedoch in größeren Mengen abführend wirken. Deshalb werden mit ihnen angereicherte Lebensmittel mit einer Warnung versehen. Anders als Stevia sind sie für die Verwendung in Bioprodukten zugelassen.

Kosten: 1 Euro (100 g). Süße: Erythrit 60 bis 70 Prozent von Zucker, Xylit wie Zucker. Energie: Erythrit 20 kcal, Xylit 240 kcal. Geeignet für: kalorienarme Ernährung, Diabetiker.

Zuckerersatz vom Baum: Kokosblütenzucker. Quelle: Pixabay

Kokosblütenzucker: Der exotische Trendzucker mit dem problematischen Transportweg: Er wird aus dem Saft der Kokospalmenblüte gewonnen. Dosierbar (und kalorienreich) wie weißer Zucker, lässt er sich beinahe wie dieser verwenden, mit Abstrichen beim Backen. Chemisch betrachtet besteht Kokosblütenzucker zu ungefähr 90 Prozent aus Haushaltszucker. Positive Effekte auf den Blutzuckerspiegel oder durch enthaltene Nährstoffe sind nicht belegt. Klar ist dagegen, dass der eingeflogene Zucker eine fragwürdige Umweltbilanz aufweist.

Kosten: 3 Euro (100 g). Süße
: wie Zucker, leichte Karamellnote. Energie: 385 kcal. Geeignet für: Trendbewusste.

Von Mario Moers/RND

Wissen Die Familienkolumne - Der Traum vom eigenen Raum

Jeder braucht seinen Raum, ganz wichtig, den Freiraum. Der ist mit Kindern manchmal ganz schön eng, vergrößert sich aber mit zunehmendem Alter des Nachwuchses. Aber auch der andere Raum, der mit den vier Wänden, kann durchaus wichtig sein.

09.02.2018

Auf Bildern sieht sie man meist hintereinander auf rutschigem Eis watscheln: Pinguine. Im Wasser sind die flugunfähigen Vögel jedoch blitzschnelle Jäger. Doch warum leben sie nur am Südpol? Der Schlaufuchs verrät es hier...

20.03.2018

Alzheimer ist eine der heimtückischsten Krankheiten, die es gibt. Lange hatten Forscher kein Gegenmittel, bei Patienten konnten nur die Symptome gelindert werden. Das könnte sich bald ändern, denn Pharmafirmen investieren nach langem Stillstand wieder in die Forschung.

08.02.2018
Anzeige