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Wissen „Setzen Sie sich selbst auf Ihre To-do-Liste“
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11:13 01.02.2018
Das Ich im Fokus: Viele Menschen stehen heute unter enormem Druck. Damit aus dem Dauerstress kein Burn-out wird, ist beizeiten Selbstfürsorge gefragt. Quelle: iStock
Hannover

Veränderung ist das Stichwort in der Arbeitswelt 4.0. Doch so wenig greifbar sie in vielen deutschen Unternehmen noch ist, so bedrohlich wirken die Szenarien, die die Digitalisierung und Robotisierung vieler Arbeitsplätze mit sich bringt. Die damit einhergehende Verunsicherung und der Druck durch Arbeitsverdichtung führen bei immer mehr Menschen zu psychischen Erkrankungen. Auf der anderen Seite sind Begriffe wie Achtsamkeit in aller Munde – doch was kann der Einzelne konkret im hektischen Alltag für sein Wohlbefinden tun?

Enormer Druck

Claudia Wessling arbeitet als systemischer Coach, Mediatorin und Trainerin in Köln. Aus eigener Erfahrung als Betriebswirtin weiß sie, wie groß der Druck ist, unter dem viele Menschen heute im Arbeitsleben stehen. „Wir haben scheinbar eine permanente Optimierungsverpflichtung. Hier geht es darum, sich zu fragen: In welcher Form nehme ich den Appell an, sodass er zu mir und meinen Lebenszielen passt?“

Hinzu kommt, dass uns Orientierungspunkte fehlen, da die Konstrukte einer klassischen Berufsbiografie nicht mehr existieren, es keine vorgezeichnete Karriere mehr gibt.“ An die Stelle sei getreten, was die Beraterin „Konfetti-Denken“ nennt. „Wir können viel mehr machen als früher und wissen nicht, was wirklich sinnvoll ist. Beispielsweise richtet sich viel Aufmerksamkeit auf die Kommunikation in sozialen Netzwerken und es fehlt Zeit für Gedanken, die uns persönlich weiterbringen.“ Dabei sei es schwer, den für sich richtigen Fokus zu finden.

Claudia Wessling plädiert dafür, sich erst einmal die eigenen Werte ins Bewusstsein zu rufen und auf deren Basis die nächsten Schritte zu machen. Dazu gehöre, sich grundsätzlich erst mal nach dem Was, Warum und Wie des eigenen Tuns zu fragen. „Wenn das klar ist, kommt die Frage: Wird das alles auch in der Wirklichkeit abgebildet? Setze ich meine Werte auch positiv um?“

Zeit für Selbstfürsorge

Dann sei es sinnvoll, Strategien zu entwickeln, um die Werte umzusetzen. „Dazu gehört die Frage, was zielführend und umsetzbar ist. Bin ich in diesem Moment aufnahmefähig und bereit, etwas Neues zu lernen, oder brauche ich eine Pause für mehr Selbstfürsorge, um dann gestärkt weiterzumachen?“, erläutert Claudia Wessling. Wichtig sei, auch mal Nein zu sagen, denn „ein Nein zu einer Sache bedeutet ein Ja zu einer anderen!“ Strategien, so Wessling, seien Möglichkeiten, die es auszuprobieren gelte. „In sich reinhören, über Nacht sacken lassen ist oft hilfreich, wenn eine Entscheidung ansteht. Und dann schauen: Klappt es oder klappt es nicht?“

Von Bedeutung sei auch, sich Kraftquellen zu schaffen, die Ausgleich zu den Belastungen des Alltags darstellten. „Wir beschäftigen uns oft zu sehr mit Problemen, die nicht unsere eigenen sind. Es ist wichtig, sich sinnvoll abzugrenzen, denn wenn wir den Anspruch haben, alles selbst zu machen, wird unser Leben sehr unübersichtlich.“ Entscheidend sei, sich selbst wichtig zu nehmen. „Setzen Sie sich auf die To-do-Liste! Und nehmen Sie sich auch einmal Zeit fürs Nichtstun, denn das ist eine wichtige Kraftquelle.“

Daneben sollte man öfter auf seine innere Stimme hören. „Achten Sie einmal auf Ihren inneren Dialog: Wir neigen dazu, uns selbst kleinzumachen und dieses negative Beurteilen blockiert uns.“ Wer sich hingegen frage „was stärkt mich?“, käme schneller zu positiven Entscheidungen und die brächten Kraft.

Mitunter helfen kleine Auszeiten, um sich gestärkt eine Arbeit zu widmen. Quelle: unsplash/Bethany Laird

Kooperationen eingehen

Wessling rät ihren Klienten, konkret zu sein. „Was ist das Problem, was kann ich unternehmen, wo kann ich direkt „an die Schippe gehen und wo abwarten“?

Auf den Arbeitsplatz bezogen heißt das auch, „sich zu fragen, ob ich mit meiner Aufmerksamkeit bei der Lösung bin oder beim Problem. Was fehlt mir zur Lösung? Es ist dann oft sinnvoll, Kooperationen mit Kollegen einzugehen.“

Chefs sind auch für die Mitarbeitergesundheit verantwortlich

Aber auch Führungskräfte können etwas zu einer guten Arbeitsatmosphäre beitragen. Dr. Thomas Lampe arbeitete jahrzehntelang als Führungskraft beim Autohersteller Volkswagen und beschäftigt sich jetzt als systemischer Personal-coach und Mentor mit dem Thema Führung. „Führungskräfte haben eine gewisse Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Diese zusätzliche Aufgabe ist allerdings noch nicht bei allen im Bewusstsein angekommen. Viele Führungskräfte sehen es im Gegenteil nicht als ihre Aufgabe an, ihre Mitarbeiter zu unterstützen, wenn es um ihre Gesundheit geht“, beobachtet er. Das liege auch daran, dass das Thema auch für Führungskräfte nicht einfach sei, da es viele emotionale Facetten habe, weiß Lampe aus eigener Erfahrung. „Ich hatte eine Mitarbeiterin, die schon als junge Frau chronisch erkrankt war, es war klar, dass sie dauerhaft Beschwerden haben würde. Und da saß ich dann abends mit dieser Problematik im Kopf zu Hause“, schildert der heute 63-Jährige. „Auf der anderen Seite war es für mich ein großer Vertrauensbeweis, dass sie mir von ihrer Krankheit berichtet hatte.“

Coachings können helfen

Hilfe könnten Führungskräfte durch ein Coaching bekommen – „das ist heute zum Glück kein Tabuthema mehr. Wir erleben jetzt den Umbruch von den klassischen Hierarchien hin zu einem agilen Führungsstil – aber noch existieren beide Formen nebeneinander“, berichtet Lampe. Bis sich der Kulturwandel auch in Hinsicht auf eine ganzheitliche Arbeitskultur etabliert habe, wird es seiner Einschätzung nach aber noch eine ganze Weile dauern.

Hier gibt es Hilfe

Die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Gesundheitsförderung bietet Hilfe zu Fragen der Mitarbeitergesundheit und zu Burn-out an. Im Internet unter www.dp-pg.de und telefonisch, montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr unter (030) 33 84 19 80 40

Deutscher Bundesverband für Burnout-Prophylaxe und Prävention e. V. bietet viele Informationen zum Thema Burn-out sowie ein Anbieterverzeichnis von Beratern zum Thema unter www.dbvb.org.

Von Sonja Steiner/RND

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