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Wissen Raus aus der Gedankenfalle
Nachrichten Wissen Raus aus der Gedankenfalle
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11:02 24.06.2018
Helmut Nowak ist Coach und Lehrer für Achtsamkeit und Stressbewältigung und schildert hier regelmäßig, wie man lernt, bewusster zu leben. Quelle: privat
Hannover

Typisch für uns Menschen ist auch, dass die gedankliche Interpretation von Geschehnissen ganz wesentlich unsere Verfassung beeinflusst. Hinzu kommt die Eigenart, Gedanken oft einen Wahrheitsgehalt zuzusprechen, der objektiv nicht begründet ist.

Ein kleines gedankliches Experiment

Ich lade Sie ein, die Augen zu schließen und sich folgende Situation vorzustellen: Es ist ein Tag, an dem es, gelinde gesagt, nicht so gut läuft. Am Morgen zu spät aus dem Bett gekommen, Kaffee verschüttet, Toast verbrannt. Abgehetzt eilen Sie die Straße in Richtung Bushaltestelle entlang. Der stürmische Wind gibt ihrem Regenschirm keine Chance, sie werden pitschnass. Auf der anderen Straßenseite sehen Sie Ihre Freundin. Sie heben Ihre Hand zum Gruß – aber keine Reaktion von der Freundin.

So weit das bildlich vorgestellte Szenario. Jetzt meine Frage: Was geht nun in Ihnen vor? Was denken und fühlen Sie spontan? Vielleicht: „Ist sie sauer auf mich?“, begleitet von Irritation oder Schuldgefühlen bei sich. Oder: „Du hast mich doch bestimmt gesehen – blöde Kuh“, gefolgt von Trotz und Ärger.

Im zweiten Teil des Gedankenexperiments stellen Sie sich bitte folgende Situation vor: Es beginnt ein herrlicher Tag. Die Kinder haben Frühstück vorbereitet, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern. Sie genießen den Weg zur Arbeit. Auf der anderen Straßenseite sehen Sie Ihre Freundin. Sie winken – aber keine Reaktion. Wie sind nun Ihre Gedanken und Gefühle? Wahrscheinlich anders als in der ersten Szene.

Gedankliche und emotionale Reaktionen können verschieden sein

Dieses Experiment zeigt uns: Obwohl das Verhalten der Freundin auf der anderen Straßenseite in beiden Szenarien gleich war, sind die gedanklichen und emotionalen Reaktionsmuster vermutlich verschieden. Typisch darüber hinaus ist noch, dass wir mehr oder weniger überzeugt sind, dass das, was wir denken, eine Tatsache, die Realität ist. Wir sind uns dann nicht bewusst, dass es sich hier um eine sehr individuelle Interpretation eines Ereignisses handelt, welches objektiv gesehen lediglich darin besteht, dass Sie die Hand zum Gruß erhoben haben und die Freundin weiter ihres Weges ging. Als Erklärungsmodell dafür kann man sich vorstellen, dass ein wahrgenommenes Ereignis bei uns geistig erst durch einen neuronalen Filter läuft und danach zu Gedanken, Gefühlen und körperlichen Empfindungen führt. Die „Filtereigenschaften“ sind von Mensch zu Mensch verschieden und hängen von unserer Sozialisation, Biografie, Stimmung und unseren Glaubenssätzen ab. Gedankliche und emotionale Reaktionen auf Ereignisse laufen oft sehr automatisiert ab. An dieser Stelle kann durch kultivierte Achtsamkeit Bewusstheit ins Spiel kommen. Erinnern wir uns: Achtsamkeit ist beschreibbar als das unvoreingenommene Gewahrsein, welches durch das absichtsvolle und kontinuierliche Beachten eigener augenblicklicher Erfahrungen mit einer offenen, annehmenden, wohlwollenden und mitfühlenden Haltung entsteht. Der automatische Reiz-Reaktions-Automatismus kann somit unterbrochen werden. Nun heißt es erst mal tief durchatmen und sich etwa fragen: „Könnte das, was mir als Erstes in den Sinn kommt, nicht ganz anders sein?“ Diese Art des Hinterfragens schafft Raum zwischen dem Ereignis und meiner spontanen gedanklichen, emotionalen Reaktion – bringt also mehr Flexibilität und Offenheit in meine Bewertung.

Zusammengefasst: Gedanken sind nur Gedanken, gewissermaßen mentale Prozesse, die durch unsere Lebensgeschichte beeinflusst und nicht immer ein stimmiges Modell der Wirklichkeit sind.

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Der Autor ist zu erreichen unter: www.achtsamkeit-und-co.de

Von Helmut Nowak/RND

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