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Wissen Prophylaxe für die Liebe?
Nachrichten Wissen Prophylaxe für die Liebe?
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16:00 17.03.2018
Schau mir in die Augen: Am Anfang einer Beziehung ist die Nähe meist groß, im Laufe der Zeit ändert sich das bei den meisten Paaren. Quelle: Unsplash/Toa Hefti
Hannover

Die Liebe mag vielleicht ein „seltsames Spiel“ sein, die Partnerschaft hingegen folgt durchaus bestimmten Mustern und Abläufen. Wenn der alles überflutende Hormonrausch Frischverliebter dem normalen Alltag Platz macht, stoßen die meisten Paare auf erste Hürden. Und obwohl jeder Mensch und jedes Paar natürlich individuell ist, sind die Probleme, die da kommen, erstaunlich häufig dieselben. Aus Hürden werden Prüfungen. Und aus unüberwundenen Prüfungen können Krisen entstehen.

Vorbeugen fürs Liebesglück?

Spätestens dann suchen viele Paare Hilfe bei einem Paartherapeuten. Aber: Wenn so viele Paare auf ähnliche Pro­bleme stoßen, wäre es dann nicht sinnvoll, einfach schon vorbeugend zum Therapeuten zu gehen? Gleich am Anfang, wenn der Himmel noch voller Geigen ist. Oder zumindest direkt im Anschluss. Denn vielleicht ließe sich mit der passenden Prophylaxe ja jede Partnerschaft von Grund auf retten.

Für Emotionen gibt es keine Bedienungsanleitung

Es gibt Themen, bei denen Menschen unglaublich dankbar für Tipps sind. Instinktiv spüren sie, dass sie sich auf unbekanntes Terrain wagen, und haben keine Scheu, nachzufragen. Das sind meist praktische Dinge, zum Beispiel die Bedienung einer Spülmaschine. Dafür gibt es dann klare Anweisungen. Aber bei emotionalen Themen wie Liebe und Partnerschaft lernen die Menschen in erster Linie aus Erfahrungen. Und es bleibt jedem Einzelnen überlassen, entsprechende Schlüsse zu ziehen – mit unterschiedlicher Erfolgsquote.

Vorsicht vor falschen Vorstellungen und Erwartungen

Erfahrung und Scheidungsstatistiken zeigen, dass es im Lauf einer Partnerschaft gewisse Spitzen gibt, die einem Paar besonders zusetzen können. Ganz vorn mit dabei die Geburt eines Kindes: ursprünglich geplant als Symbol der Liebe – letzten Endes häufigster Grund für Scheidungen. Es sind falsche Vorstellungen und Erwartungen, die die meisten Paare zu Fall bringen, weiß Di­plompsychologe André Kellner aus seinem Praxisalltag. Als Paar- und Sexualtherapeut hilft er Menschen, die zu zweit nicht mehr weiterkommen. Was fehlt, sind Lösungsstrategien, um herausfordernde Zeiten gut gemeinsam zu meistern.

Therapie von Beginn an ist ratsam

Therapiestunden für Paare im Vorfeld findet Gabriele Leipold deshalb nur begrüßenswert. „Es wäre auf jeden Fall einfacher“, so die Sozialpädagogin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, denn „oft hat einer in der Partnerschaft gravierendere Probleme als der andere. Man schleppt irgendwas mit aus der Kindheit oder vorangegangenen Beziehungen. Man hat das Ganze vielleicht noch gar nicht richtig verarbeitet. Und der neue Partner bekommt das dann mit.“ Beratung im Vorfeld könnte viele verkapselte Probleme direkt angehen, was der Partnerschaft in Zukunft auf jeden Fall nützlich wäre. „Im Grunde arbeiten wir immer erst dann an uns, wenn es eng wird und wir unter etwas leiden“, erklärt Psychologe André Kellner den klassischen Weg eines Paares bis zum Therapeuten. Potentielle Problemthemen für ein Paar zu provozieren, um prophylaktische Schritte einzuleiten, schätzt er dennoch als schwierig ein. Einfach, weil man zu Beginn nicht wissen kann, wohin die gemeinsame Reise wirklich geht und was letztendlich zur Belastung wird.

Auch das eigene Ich spielt eine Rolle

Was für Kellner aber immer sinnvoll ist, ist eine gründliche Auseinandersetzung mit sich selbst: „Wie ich mit meinem Partner umgehe, hat ganz viel mit mir zu tun. Beispiel: Bin ich nachsichtig mit mir, dann kann ich auch nachsichtig mit meinem Partner sein.“ Vieles in einer Partnerschaft habe mit Selbstrespekt, Selbstachtung und Selbsterfahrung zu tun.

Aber tatsächlich gibt es sie, die Paare, die schon vorbeugend nach Rat suchen und bei Fachleuten wie Gabriele Leipold auf Antworten hoffen: „Manchmal kommen ganz junge Paare. Die sagen dann, sie haben keine größeren Schwierigkeiten, nur ein paar Kleinigkeiten und möchten nicht, dass das einreißt. Und da muss ich immer nachfragen, wie sie sich ihr Leben vorstellen.“

Sex – ein Thema mit weitreichenden Folgen

Denn natürlich existieren die großen Paarthemen. Ganz vorn steht die Sexualität, ein Thema, das den meisten (vor allem den Frauen) peinlich ist, aber weitreichende Folgen hat. Deshalb spricht Gabriele Leipold das Thema immer von sich aus an: „Am Anfang sind Paare viel experimentierfreudiger, viel kreativer und offener. Aber im Laufe der Zeit engen sich die Möglichkeiten ein. Man glaubt zu wissen, was der andere mag und was am schnellsten geht. Und irgendwann ist es so eingeschränkt, dass man den Spaß daran verliert.“ In dieser Phase kommen dann viele Paare zu Leipold, die sich nur noch streiten, um Frustration und Druck abzulassen.

Dann ist da die schwindende Aufmerksamkeit gegenüber dem Partner. Jeder führt sein eigenes Leben neben dem anderen – ohne an dessen Innenleben wirklich noch teilzuhaben. Man fragt höchstens noch: Wie war dein Tag? Dabei ist es für den Paartherapeuten Kellner entscheidend, in einer gut funktionierenden Partnerschaft „miteinander und nicht nur übereinander zu sprechen“, sagt er. „Es braucht das wirkliche Interesse am anderen! Wie sehr bin ich wirklich beim anderen? Und nicht nur bei meinen Vorstellungen, wie der andere vermeintlich ist oder zu sein hat.“

Die Veränderungen im Laufe der Zeit

Auch die Veränderung des Partners im Laufe der Zeit spielt eine große Rolle. „Das sind Paare Ende 40 oder auch in den 50ern“, berichtet Gabriele Leipold, „die sagen, dass sie ihren Partner so nicht geheiratet hätten oder mit ihm zusammengekommen wären. Der Partner entspricht nicht mehr dem eigenen Beuteschema.“ Seitensprünge sind häufig die Folge.

Aber könnten all diese Hürden nun durch vorbeugende Paartherapie verhindert werden? Oder werden Probleme am Ende sogar „herbeifokussiert“, die sonst nie eingetroffen wären? Es hängt unberechenbar stark davon ab, wie sehr sich ein Paar auf vorweggreifende Ratschläge einlassen kann – ohne spürbaren Leidensdruck. Denn am effektivsten lernen Menschen oft, wenn sie einen triftigen Grund haben. Was aber für Experten immer sinnvoll ist – im Leben selbst oder innerhalb einer Therapie –, ist die gründliche Auseinandersetzung mit sich selbst. „Selbsterfahrung ist für den eigenen Entwicklungsprozess etwas sehr Wertvolles“, betont André Kellner. Und Gabriele Leipold ergänzt: „Eine Beziehung ist die größte Selbsterfahrung im Leben!“

Wer bietet Paartherapien an?

Laut der Bundespsychotherapeutenkammerist „gut belegt“, dass Paartherapie wirkt. Bei 40 bis 50 Prozent der Paare verändere sich die Beziehung hin zum Positiven. Eine Sitzung bei einem Psychotherapeuten mit einer Qualifikation im Bereich Paartherapie kostet durchschnittlich zwischen 100 und 140 Euro. Die Krankenkassen zahlen solche Sitzungen in der Regel nicht. Ausnahmen – etwa wenn einer der Partner an einer Depression oder einer Suchtkrankheit leidet – sind zwar möglich, doch handelt es sich dann selten um eine klassische Paartherapie, in der Probleme innerhalb der Liebesbeziehung bearbeitet werden. Zahlreiche Therapeuten arbeiten mit Paaren. Daneben bieten aber auch Einrichtungen wie Pro Familia, das Diakonische Werk oder die Caritas (Ehe-)Beratungen an.

Von Andrea Mayer-Halm/RND

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