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Wissen Oasen aus Plastikmüll in Rotterdam
Nachrichten Wissen Oasen aus Plastikmüll in Rotterdam
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18:02 11.08.2018
“Ein Anfang“: Recyclingpleateus aus 15 000 Kilogramm Plastik schwimmen im Hafen von Rotterdam. Quelle: Beladon B.V.
Rotterdam

“Wenn wir im Hafen von Rotterdam Müllfallen aufstellen, dann schwimmen die alten PET-Flaschen nicht mehr über die Maas ins Meer und verschmutzen unsere Ozeane“, stellt Ramon Knoester mit ruhiger Stimme fest. Er wohnt in der Stadt mit dem größten Seehafen Europas, also dort, wo tagtäglich kiloweise Industrieabfall produziert wird. Und auch Knoester meint, dass es höchste Zeit sei, das Müllproblem in Angriff zu nehmen.

Alles fing mit der Idee an, Plastikmüll in und um Rotterdam einzusammeln, ihn zu recyceln, um daraus Müllfallen beziehungsweise Inselchen bauen zu können. Vor fünf Jahren gründete Knoester die Stiftung Recycelte Insel, die nun drei Müllfallen im Hafen der niederländischen Stadt betreibt. Auch in Indonesien stehen zwei, Ende August kommt eine Falle nach Brüssel.

“Die größte Herausforderung besteht darin, Müllfallen zu bauen, die das Plastik bei wechselnden Strömungen auffangen und gleichzeitig behalten“, erklärt Knoester, während er schaut, wie viel Müll sich in den vergangenen Tagen schon angesammelt hat. Noch ist die Ausbeute etwas dürftig. Nur wenige Plastikflaschen, Tüten und ein Kanister schwimmen in der sechs mal drei Meter großen Falle. Sie auszuleeren wäre noch zu früh, das geschieht meist nur einmal im Monat.

Neuer Nutzen für Mensch und Natur: Auf den recycelten Plastikinseln im stillgelegten Rheinhafen von Rotterdam nisten die ersten Vögel, während auf anderen Plattformen Spaziergänger entspannen können. Quelle: Beladon B.V.

Etwa sechs Kilometer von der Müllfalle entfernt, im stillgelegten Rheinhafen von Rotterdam, schwimmt seit Anfang Juli das wohl spektakulärste Projekt des Architekten: Ein 140 Quadratmeter großer Park, der ausschließlich aus recyceltem Material besteht. 15 000 Kilogramm Plastik stecken in den mit Gras und kleinen Blumen bepflanzten Plateaus, die nebeneinander im Wasser schaukeln.

“Der Park ist nicht groß, aber er ist ein Anfang, und er ist ausbaufähig“, stellt Initiator Knoester fest. Gut 200 000 Euro hat das Projekt gekostet, Hauptsponsor ist die Gemeinde Rotterdam. “Wir haben den recycelten Park unterstützt, weil er zeigt, dass man aus wertlosem Material etwas richtig Schönes machen kann“, erklärt Joos van Maaren von der Gemeinde Rotterdam.

Während auf der einen Insel bereits Vögel ihre Nester gebaut haben, können auf zwei weiteren Plattformen Besucher relaxen. Die Sitzecken sind von außen beschriftet, sodass auch Spaziergänger Informationen zum Thema Müllfallen von der gegenüberliegenden Promenade aus lesen können.

Im Merwehafen entsteht die “Floating Farm“, ein Konstrukt aus drei übereinandergelegten grünen Plattformen, auf denen ab November 40 Kühe grasen sollen. Quelle: Meyer-Bretschneider

Aus der Not eine Tugend machen: Nach diesem Motto scheint die gesamte Start-up-Szene Rotterdams vorzugehen. Im Merwehafen, entsteht etwa die “Floating Farm“. Sie ist ein Konstrukt aus drei übereinandergelegten grünen Plattformen, auf denen voraussichtlich ab November 40 Kühe grasen werden.

Die Farm soll für eine gelungene Kreislaufwirtschaft stehen. Geplant ist, das Regenwasser zu sammeln und als Trinkwasser für die Kühe aufzubereiten, während der aufgefangene Tierurin als Düngemittel der Pflanzen im Untergeschoss dient. Die werden wiederum als Nahrung für die Kühe oben genutzt.

Das Op het Dak (auf Deutsch: auf dem Dach), ist ein weiteres Beispiel dafür, wie vermeintlich Hässliches in Schönes verwandelt werden kann. Das kleine Restaurant liegt im sechsten Stock eines Fünfzigerjahre-Flachdachhauses, das 20 Jahre leer gestanden hatte und eigentlich abgerissen werden sollte, bis Kristian Koreman auf der Bildfläche erschien.

Im zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude in Rotterdam zerstört. Auf den später entstandenen Flachdachbauten werden immer mehr Dachgärten und Erholungsorte gebaut. Quelle: Meyer-Bretschneider

Der junge Architekt sah das Potenzial in dem Gebäude. Mittlerweile ist daraus ein cooles Bürogebäude geworden, auf dessen Dach Restaurantgäste nicht nur essen, sondern auch schauen können, welche Kräuter, Gemüsearten oder Beeren über den Dächern Rotterdams wachsen. “Eigentlich dürfen immer nur 35 Leute draußen auf dem Dach sein, zu wenig“, sagt Koreman, der bereits über mögliche Umbaumaßnahmen nachdenkt.

Das Dach des stillgelegten Hofplein-Bahnhofs im Zentrum Rotterdams hat er ebenfalls schon in einen Mix aus Farm und Erholungsort verwandelt – in den “Luchtpark“, in dessen Mitte weiße Schafsskulpturen die Besucher überraschen.

Dächer nutzbar zu machen liegt in Rotterdam im Trend, nicht zuletzt, weil es seit 2008 dafür Geld von der Stadt gibt. “Nachdem der Zweite Weltkrieg hier viel zerstört hat, haben wir viele Flachdächer, insgesamt 14,5 Quadratkilometer, wovon mittlerweile 270 000 Quadratmeter als Garten, Energieträger oder Wasserspeicher genutzt werden“, erzählt Eveline Bronsdijk von der Gemeinde Rotterdam. Nicht zuletzt sollen Menschen dort einen schönen Erholungsort für die Pause zwischendurch haben – eine Idee, die auch in Deutschland Schule machen könnte.

Von Sibylle Meyer-Bretschneider

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